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Zwei Abflüge nach Palma de Mallorca mit kurzem Zeitabstand sind auf einer Anzeigetafel im Flughafen.

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    Streit um Mallorca-Reisen: Sicher oder Gefahr durch Mutationen?

    Reisen nach Mallorca erhitzen derzeit die Gemüter. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach warnte vor der brasilianischen Mutation, die es nun auf der Insel gebe. Die Tourismusbranche stemmt sich indes gegen eine mögliche neue Quarantänepflicht.

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    Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat erneut von einem Mallorca-Urlaub abgeraten: "Wir haben seit einer Woche die brasilianische Mutation auf Mallorca", warnte er bei "Bild live". Die brasilianische Variante gilt als besonders gefährlich, weil es Zweifel gibt, dass das Vakzin von Astrazeneca gegen sie hilft.

    Lauterbach appelliere an jeden, nicht zu reisen. "Und diejenigen, die gereist sind und zurückkommen, müssen getestet werden. Das ist das Mindeste, was man verlangen kann, wenn jemand eine solch riskante Reise macht." Eine Quarantäne-Pflicht für alle Rückkehrer aus dem Mallorca-Urlaub hält er aber nicht für erforderlich. "Derjenige, der getestet wurde und negativ ist, muss nicht in Quarantäne, weil Mallorca kein Risikogebiet ist."

    Tourismusbranche gegen mögliche neue Quarantäne-Pflicht

    Eine Quarantäne-Pflicht könnte allerdings heute beim Corona-Gipfel beschlossen werden. In einem Beschlussentwurf aus dem Kanzleramt für die Bund-Länder-Runde ist von einer Quarantäne- und Testpflicht für alle Reisende aus dem Ausland die Rede - unabhängig von dortigen Inzidenzen. Das würde auch Reisen nach Mallorca betreffen. Der Punkt ist aber in eckigen Klammern formuliert und steht unter einem "Prüfvorbehalt".

    Gegen diese mögliche Maßnahme stemmt sich die deutsche Tourismus- und Luftverkehrsbranche. Ein solcher Beschluss wäre unverhältnismäßig, nicht zielführend und würde zudem die Gesundheitsbehörden überfordern, da sie die Einhaltung der Quarantäne überwachen müssten, kritisierten der Deutsche Reiseverband (DRV) und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) in einem offenen Brief.

    Der angedachte Beschluss ziele offenbar darauf, unter anderem Oster-Reisen nach Mallorca zu verhindern, meinen der DRV und BDL. Die Inzidenz auf der Balearen-Insel liege aber derzeit bei unter 20, zusätzlich gälten dort strenge Vorschriften. "Bei der Rückreise nach Deutschland besteht insofern auch kein erhöhtes, sondern ein sogar stark vermindertes Eintragungsrisiko", schreiben DRV-Präsident Norbert Fiebig und BDL-Präsident Peter Gerber.

    TUI-Chef verteidigt Mallorca-Reisen als sicher

    Der Chef des Reisekonzerns TUI Deutschland, Marek Andryszak hat ebenfalls Reisen auf die spanische Urlaubsinsel Mallorca als sicher verteidigt. "Mallorca ist nachgefragt, aber nicht überlaufen", sagte der Manager der "Bild"-Zeitung. "Von den 1.000 Hotels, die im Hochsommer geöffnet sind, werden nicht mal zehn Prozent zu Ostern zur Verfügung stehen."

    Reisende von Pauschalurlauben seien bei der Rückkehr nach Deutschland kein Risiko, sagte Andryszak weiter. Mehrere Studien hätten gezeigt, dass sich die Gäste verantwortungsvoll im Urlaub verhalten und keine höheren Inzidenzen produzieren. "Keiner will riskieren, dass die Strände und Hotels wieder geschlossen werden müssen, deshalb ja auch der PCR-Test zur Einreise nach Spanien."

    Tourismusbeauftragter der Bundesregierung: "Bitter"

    Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung Thomas Bareiß sieht die Aufhebung der Reisewarnung für die Urlaubsinsel Mallorca im phoenix-Interview kritisch. "Für mich war es bitter, dass wir Mallorca möglich machen und dass es dort keine Reisewarnung mehr gibt, aber das Schwarzwaldhotel oder das Hotel an der Ostsee muss weiterhin geschlossen bleiben", so Bareiß. "Das ist etwas, was uns wirklich weh tut." Allerdings sei eine Mallorca-Reise wegen der dortigen Inzidenz von unter 30 sicher und eine Reisewarnung nicht mehr angemessen.

    Dass in Deutschland die Hotels weiterhin geschlossen sind, sorgte letzte Woche bereits für heftige Kritik vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Dehoga-Chefin Ingrid Hartges erklärte, es sei "für keinen Hotelier nachvollziehbar, warum man auf Mallorca Urlaub machen darf, aber nicht an der Ostsee oder Nordsee. Das kann niemand verstehen - und ich kann es auch niemandem erklären". Schließlich gebe es auch an der deutschen Küste zum Teil niedrige Inzidenzwerte.

    Niedersachsens Ministerpräsident spricht von "Stimmungskiller"

    Dass Reisen nach Mallorca wegen der dort gesunkenen Infektionszahlen seit Mitte März wieder möglich sind, ohne Quarantäne und Testpflicht bei der Rückkehr, kritisierte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). "Wir merken, dass die Mallorca-Entscheidung der Bundesregierung ein richtiger Stimmungskiller ist", sagte der Regierungschef des Tui-Stammlands. "Ich glaube, wir müssen heute auch darüber reden, ob diese Entscheidung eigentlich so in Stein gehauen ist oder nicht."

    Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erklärte zu Mallorca-Reisen im Deutschlandfunk: "Da kann ich nur den Kopf schütteln und sagen, das geht so überhaupt nicht." Die Mallorca-Flüge seien besonders bei Fluggesellschaften problematisch, die staatliche Hilfen in der Corona-Krise erhielten, kritisierte Ramelow weiter.

    FDP-Chef für Testpflicht nach Mallorca-Reisen

    Wie Lauterbach sprach sich auch FDP-Bundeschef Christian Lindner für eine Testpflicht für Rückkehrer aus Mallorca aus. "Das kann man verlangen", sagte er. Dies sei eine Frage der Verantwortung. Die FDP sei für den flächendeckenden Einsatz von Tests. Das gelte "auch an den Flughäfen natürlich". Eine Testpflicht für Reiserückkehrer hatte letzte Woche auch schon Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gefordert.

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