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Der 100-Tage-Husten: Jetzt auch an Keuchhusten denken

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Keuchhusten-Welle in England: Antworten zum "100-Tage-Husten"

Neben Erkältungen, Corona oder Grippe sollte man auch andere Infektionskrankheiten wie den Keuchhusten nicht vergessen. Der quälende "100-Tage-Husten" kann gerade für Säuglinge gefährlich werden, wie ein Ausbruch in England beweist.

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Sich gegen Grippe impfen zu lassen, gehört zum Vorsorgeprogramm im Herbst oder Winter, wenn auch noch längst nicht alle, für die es empfohlen wird, das Angebot wahrnehmen. An Keuchhusten aber denken die wenigsten. Dabei besteht ein großes Risiko, sich über Tröpfcheninfektion auch mit Keuchhusten anzustecken.

Keuchhustenwelle in England

Heuer sind 2.800 Menschen in England an Keuchhusten erkrankt. Das sind dreimal so viele wie im gesamten vergangenen Jahr 2023. Bei der zyklisch auftretenden Krankheit ist es seit 2016 zu keinem größeren Ausbruch mehr gekommen. Das könnte ein Grund für den Ausbruch in England sein, vermuten Experten. Denn auch die Immunität in der Bevölkerung sei während der Pandemie gesunken. Zudem sei auch die Impfrate zurückgegangen. Impfungen aber können Leben retten, denn gerade Neugeborene und Säuglinge sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde UKHSA (UK Health Security Agency) besonders von lebensgefährlichen Komplikationen bedroht. Fünf Babys sind im ersten Quartal 2024 an der Krankheit verstorben. Es sei wichtig, dass Schwangere und Babys ihre Impfungen zum richtigen Zeitpunkt erhielten.

Keuchhusten ist meldepflichtig

Keuchhusten ist eine hochansteckende Krankheit und seit 2013 bundesweit meldepflichtig. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion. Bei fast jedem Kontakt zwischen einem Erkrankten und einem ungeschützten Gesunden kommt es zu einer Ansteckung, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Laut Experten erkranken von 100 Infizierten 80 bis 90 Personen an Keuchhusten. In jedem Lebensalter ist eine Ansteckung möglich.

Von wegen Kinderkrankheit: Keuchhusten bei Erwachsenen

Experten schätzen, dass die Dunkelziffer der Erkrankungen weit höher liegt als die der gemeldeten Fälle. Dabei betrifft Keuchhusten nicht nur Kinder - im Gegenteil: Zwei Drittel aller Erkrankungen treten bei Menschen über 19 Jahren auf - so das Robert Koch-Institut (RKI). Keuchhusten bei Erwachsenen aber ist schwer zu diagnostizieren, weil die Symptome bei ihnen, anders als bei Kindern, sehr unspezifisch sind. Bei einem Drittel der erwachsenen Patienten fehlt der sonst typische "bellende Husten".

Der Grund für die hohe Erkrankungsrate bei Erwachsenen: Sie haben häufig keinen Impfschutz mehr, daher wird die konsequente Auffrischung des Impfschutzes empfohlen. Der Impfschutz besteht bis zu zwölf Jahre. Auch eine einmalige Erkrankung an Keuchhusten schützt nicht lebenslang vor einer Neuinfektion. Kinder sind in der Regel gut geschützt, da ihr Impfschutz noch vorhält.

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Kinder sind meist gut geschützt, da die Impfung noch vorhält.

Wie häufig ist Keuchhusten?

Keuchhusten ist weltweit verbreitet und gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Alle vier Jahre muss in Deutschland mit einer Keuchhustenepidemie gerechnet werden. Die Krankheit ist meldepflichtig.

Was ist der Verursacher von Keuchhusten?

Keuchhusten wird vom Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Nach einer Infektion vermehrt sich der Erreger auf den Schleimhäuten der Atemwege. Dort produziert er Eiweißstoffe, die für den Menschen giftig sind und das Gewebe angreifen. Auch die Bakterien Bordetella parapertussis und Bordetella holmesii können keuchhustenähnliche Symptome hervorrufen. Die Krankheit verläuft dann aber meist leichter und kürzer als bei einer Infektion mit Bordetella pertussis.

Wie verläuft eine Keuchhustenerkrankung?

Nach der Ansteckung dauert es ein bis zwei Wochen, bis sich die ersten Anzeichen von Keuchhusten entwickeln. Verursacht werden diese durch das Keuchhusten-Toxin, das die Bakterien absondern. Die Beschwerden - Schnupfen, tränende Augen, Heiserkeit - sind zunächst sehr unspezifisch und leicht mit einer harmlosen Erkältung zu verwechseln. Fatalerweise ist Keuchhusten genau in dieser Zeit am ansteckendsten. Diese Phase dauert ein bis zwei Wochen.

Zweites und drittes Keuchhustenstadium

Kennzeichnend sind die krampfartigen Hustenanfälle, die mit einem Ziehen enden. Dabei wird Schleim abgesondert, manchmal kommt es auch zum Erbrechen. Zwischen den Hustenanfällen, die vor allem nachts auftreten, können völlig beschwerdefreie Zeiten liegen. Nach vier bis sechs Wochen werden die Hustenanfälle allmählich weniger. Das vollständige Abklingen der Krankheit dauert weitere sechs bis zehn Wochen.

Wie behandelt man Keuchhusten?

Setzt man rechtzeitig mit einer Antibiotika-Therapie ein, können zumindest die Hustenbeschwerden abgeschwächt werden und die Phase, in der man andere anstecken kann, wird auf etwa fünf Tage reduziert. Verhindert werden kann die Krankheit aber nicht. Wenn man bereits die typischen Hustenanfälle hat, tritt zwar keine Linderung auf, aber auch hier wird die Ansteckungsfähigkeit reduziert.

Für Säuglinge lebensgefährlich

Generell ist Keuchhusten zwar unangenehm und lästig, aber - in der Regel - nicht gefährlich. Das gilt allerdings nicht für Säuglinge! Bei ihnen können statt der Hustenanfälle Atemstillstände auftreten. Diese sind lebensbedrohlich und erfordern eine intensivmedizinische Behandlung. Vor Einführung der Schutzimpfung in den 1930er-Jahren starben in Deutschland jährlich 10.000 Säuglinge an Keuchhusten.

Babys haben bis zur ersten Immunisierungsmöglichkeit im Alter von zwei Monaten keinen Schutz. Daher sollten sich auch Schwangere und Erwachsene, die mit Säuglingen Kontakt haben, impfen lassen, um den Erreger nicht zu übertragen.

Auch ältere Menschen sind gefährdet

Auch für Menschen ab 60 Jahren birgt Keuchhusten Risiken. Ihr Immunsystem ist meist schwächer. In nicht wenigen Fällen verläuft Keuchhusten bei ihnen zudem untypisch: Von Fall zu Fall treten neben einem trockenen, hartnäckigen Husten keine weiteren Symptome auf. Die Krankheit kann dadurch leicht als Erkältung oder Bronchitis fehlgedeutet werden. Entsprechend hoch ist die Gefahr einer Verbreitung, da Betroffene nicht wissen, dass sie an Keuchhusten leiden. In schweren Fällen kann Keuchhusten zu Leisten- und Rippenbrüchen führen. Zu den häufigsten Komplikationen gehört darüber hinaus eine Lungenentzündung.

Wie kann man sich vor Keuchhusten schützen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) sieht eine Grundimmunisierung im Baby-, Kindes-, und Jugendalter vor. Sie rät allen Erwachsenen zu einer Impfung - besonders natürlich denjenigen, die Kontakt zu Säuglingen haben. Dazu zählen Frauen mit Kinderwunsch, enge Kontaktpersonen (Eltern, Geschwister) und Betreuer von Säuglingen (Tagesmütter, Babysitter, Großeltern, Erzieherinnen). Die Keuchhusten-Impfung wirkt übrigens nur gegen das Bordetella pertussis und nicht gegen andere Bakterien wie Bordatella parapertussis, die keuchhustenähnliche Erkrankungen hervorrufen.

Wann sollte geimpft werden?

Geimpft wird ein sogenannter azellulärer Impfstoff, der nur die für den Immunschutz wichtigen Bestandteile der Bakterienzellen enthält. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, dass die Pertussis-Impfung möglichst im Rahmen der Grundimmunisierung mit Kombinationsimpfstoffen durchgeführt wird. Je nachdem, welcher Impfstoff verwendet wird (2-, 3-, 5- oder 6-fach Impfstoffe), kommt es so zu unterschiedlichen Impfschemata. Nähere Informationen dazu auf den Seiten des Robert Koch-Instituts.

Wann sollte man auffrischen?

Sowohl nach durchgemachter Krankheit (Schutz: vier bis 20 Jahre) als auch mit Impfung (Schutz: vier bis zwölf Jahre) kann man wieder Keuchhusten bekommen. Ziel der Impfstrategie ist, besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie Säuglinge und Kleinkinder zu schützen. Eine erste Auffrischung der Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Alter von fünf bis sechs Jahren in Kombination mit Tetanus und Diphtherie empfohlen, eine zweite zwischen neun und 17 Jahren. Auch Erwachsenen wird laut STIKO empfohlen, sich einmalig gegen Pertussis impfen zu lassen. Schwangere sollten sich möglichst früh im 3. Trimenon gegen Keuchhusten impfen lassen (bei einer zu erwartenden Frühgeburt schon im 2. Trimenon), um ihr neugeborenes Kind zu schützen. Diese Empfehlung gilt auch für die Kontaktpersonen - zum Beispiel Vater, Großeltern etc., die in den vergangenen zehn Jahren keine Pertussis-Impfung erhalten haben. Für diejenigen, die in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten, wird die Impfung gegen Keuchhusten von der STIKO als Indikationsimpfung alle zehn Jahre empfohlen.

Wie verträglich ist die Keuchhusten-Impfung?

Die Verträglichkeit einer Impfung ist abhängig davon, mit welchen anderen Impfstoffen das Serum kombiniert ist. Auch bestehende Krankheiten und die körperliche Verfassung spielen eine Rolle. Grundsätzlich sollten Sie immer mit Ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen sprechen und mit ihm individuell entscheiden, ob eine Impfung sinnvoll ist und welcher Impfstoff verwendet wird.

Im Video: Keuchhusten (ab Minute 3:05)

Eine Frau hustet
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Keuchhusten

Dieser Artikel ist erstmals am 12. Februar 2020 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.

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