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#Faktenfuchs: Unbegleitete Kinder in griechischen Aufnahmelagern | BR24

© picture alliance / Robert Geiss

Viele Schutzsuchende in griechischen Aufnahmelagern sind Kinder. Einige von ihnen sind unbegleitet und ohne Familie unterwegs.

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    #Faktenfuchs: Unbegleitete Kinder in griechischen Aufnahmelagern

    Grünen-Chef Robert Habeck sorgte mit seiner Forderung nach Aufnahme von 4.000 Kindern aus griechischen Aufnahmelagern für Diskussionen. Ein User behauptete, die Zahl sei falsch. Der #Faktenfuchs hat beim UN-Flüchtlingskommissariat nachgehakt.

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    "Holt als erstes die Kinder raus", sagte Robert Habeck kurz vor Weihnachten in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Auf den griechischen Inseln vor der türkischen Küste drängten sich etwa 4.000 Kinder, darunter "viele Mädchen, viele zerbrechliche kleine Menschen". Schnelle Hilfe sei ein "Gebot der Humanität".

    Behauptung: Die 4.000 Kinder gibt es dort gar nicht

    Unter dem Jahresrückblick zu den Fakes des Jahres 2019 kommentierte ein User, von allen Seiten würde schon immer gelogen, die 4.000 Kinder, die Habeck von den griechischen Inseln holen wolle, die gebe es dort gar nicht. Der #Faktenfuchs hat die Zahlen beim Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) überprüft.

    Doch zunächst nachgehakt bei der Presseabteilung des Grünen Bundesverbands: Dort sei man sich bewusst, dass die Zahlen schwanken könnten. In jedem Fall habe Habeck mit der Zahl 4.000 unbegleitete "Kinder/Jugendliche" gemeint, von denen "die jüngsten und hilfsbedürftigsten" aufgenommen werden sollten.

    Wie das UNHCR auf BR24-Nachfrage bestätigte, befanden sich zum 30. November 2019 40.500 asylsuchende Menschen auf den griechischen Inseln. 35.500 von ihnen seien in den fünf Aufnahmezentren untergebracht - obwohl die nur eine Kapazität von 5.400 hätten. Mehr als ein Drittel davon seien "Minderjährige", bzw. "Kinder". Die Aufnahmezentren seien mitunter siebenfach überlegt, wie uns ein Sprecher der Berliner Vertretung des UNHCR mitteilte.

    Kinder oder Jugendliche: Definitionssache

    Insgesamt gebe es in ganz Griechenland 5.276 unbegleitete asylsuchende Minderjährige, die weder Eltern noch andere Verwandte bei sich hätten. Drei Viertel von ihnen seien nicht altersgerecht untergebracht. Wie man anhand der aktuellsten Zahlen sehen kann, steigt die Zahl dieser Personen von August bis November 2019 stark an.

    Der Rest ist Definitionssache: In der Kinderrechtskonvention der UN werden alle Menschen, die unter 18 Jahre alt sind, als Kinder definiert. Laut dem deutschen Jugendschutzgesetz sind Kinder Personen, die noch nicht 14 Jahre alt sind. Von den 5.276 unbegleiteten Minderjährigen in Griechenland sind rund 470 jünger als 14 Jahre.

    In den Aufnahmelagern auf den griechischen Inseln allein gibt es 2.075 unbegleitete Unter-18-Jährige, die Situation auf dem Festland unterscheidet sich laut UNHCR aber nicht von der auf den Inseln. Ob die Unter-18-Jährigen einen Flüchtlings-Status erhalten, kann laut UNHCR noch nicht gesagt werden. Zunächst einmal sind seien sie Asylbewerber, die individuelle Prüfung stehe noch aus.

    Fazit:

    In sämtlichen griechischen Aufnahmelagern (Inseln und Festland) gab es zum 30. November 2019 – nach UN-Definition – sogar mehr als 5.200 unbegleitete "Kinder". Nach der Definition des Deutschen Jugendschutzgesetzes aber nur 470 - der Rest sind unbegleitete Jugendliche.

    💡 Was macht der #Faktenfuchs?

    Der #Faktenfuchs ist das Faktencheck-Format des Bayerischen Rundfunks. Wir gehen Gerüchten auf den Grund - und wir beantworten Fragen. Die Journalistinnen und Journalisten im #Faktenfuchs-Team klären absichtlich verbreitete Falschmeldungen oder sich haltende Gerüchte auf. Die Ideen für unsere Artikel kommen vor allem aus den Social Timelines und Kommentarspalten. So erklärt sich die Vielfalt der Themen beim #Faktenfuchs: Politik, Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft, Landwirtschaft oder Medizin. Wirken Inhalte verdächtig oder tritt der Breaking-News-Fall ein, dann prüfen wir auch Bilder oder Videos auf ihre Echtheit und ihren Faktengehalt. Hier erklären wir das ausführlicher. Warum eigentlich "Faktenfuchs"? Wir arbeiten mit einer Software, dem “factfox”. Sie hilft uns, die Fakten im Internet besser zu verbreiten.