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Archiv: Intensivpflegerin bei einem Patienten

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    Kaum Betten frei - Bayerns Intensivstationen gut ausgelastet

    Auf einigen Intensivstationen in Bayern wird es eng. Vielerorts müssen Patienten auf andere Krankenhäuser ausweichen. Allerdings sind nur acht Prozent der Intensivbetten mit Corona-Fällen belegt. Die Ursachen liegen anderswo.

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    BR24  RedaktionBR24 Redaktion
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    In vielen Krankenhäusern Bayerns sind die Intensivbetten knapp. Voll belegt sind die Intensivstationen insbesondere in Teilen Oberbayerns und in einigen fränkischen Landkreisen, wie aus dem Divi-Intensivregister hervorgeht. Das liegt laut verschiedener Krankenhaus-Sprecher aber nicht an der wachsenden Zahl von Corona-Patienten.

    Viele Kliniken melden Vollbelegung der Intensivbetten

    Mehrere Münchner Kliniken meldeten laut Divi am Mittwoch Vollbelegung, ebenso die Krankhäuser in angrenzenden Landkreisen. Auch in Landshut ist es schwer, ein freies Intensivbett zu finden. In Regensburg ist eine Klinik voll ausgelastet. Ähnlich ist die Lage in einigen Kreisen Schwabens. Im Norden Bayerns ist es laut Intensivregister in Aschaffenburg eng auf den Intensivstationen, auch das Klinikum Fürth ist demnach voll ausgelastet, ebenso die Krankenhäuser in Erlangen, im Kreis Erlangen-Höchstadt, und im Kreis Forchheim.

    Elf Prozent der Intensivbetten in Bayern frei

    Im bayernweiten Durchschnitt sind laut Divi derzeit etwa elf Prozent der Intensivbetten frei. Aktuell (Stand: 20.10.) liegen 268 Corona-Patienten auf Bayerns Intensivstationen. Das sind vergleichsweise wenige, allerdings verursachen Corona-Kranke mehr Aufwand, da sie getrennt von anderen liegen müssen und mehr Personal binden.

    Die Corona-Ampel der Staatsregierung, Indikator für die Belastung der Krankenhäuser, steht nach wie vor auf "grün". Sie reagiert aber auch erst dann, wenn es flächendeckend eng wird. Zu beobachten ist, dass die Behandlungskapazitäten in den vergangenen Wochen vielerorts knapper geworden sind.

    Dr. Joachim Klasen, Chefarzt Intensivmedizin an der Klinik Ostallgäu-Kaufbeuren, meint jedoch gegenüber dem BR, trotz gegenteiliger Meldung bei Divi sei die Klinik weiterhin sowohl auf Normal-, als auch auf Überwachungs- und Intensivstation aufnahmebereit.

    Hohe Auslastung nicht ungewöhnlich

    Ein Faktor für die Auslastung der Intensivstationen sind Covid-19-Patienten zwar, sie machen aber lediglich einen kleinen Teil aus. "Bei uns ist es traditionell immer so, dass die Intensivstation gut ausgelastet ist", erklärt eine Sprecherin des Klinikums Aschaffenburg-Alzenau. Das liege vor allem daran, dass es im Verhältnis zum Einzugsgebiet relativ wenige Betten gebe. Von den 40 Intensivbetten seien aktuell ungefähr 35 bis 38 belegt. Die Auslastung ändere sich ständig. Unter den Patienten sei einer, der mit Corona infiziert ist. Er werde aber nicht wegen der Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt. Auf der Intensivstation werden derzeit unter anderem Herzkrankheiten und Schlaganfälle behandelt, sowie Patienten nach Operationen.

    Wie eine Sprecherin des Klinikums Forchheim auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks sagte, hatte es auch schon vor der Corona-Pandemie oft keine freien Intensivbetten gegeben. Das sei aber ein "normaler, kein außergewöhnlicher Vorgang". Während der Pandemie erfahre das lediglich eine größere Aufmerksamkeit.

    Von den insgesamt acht Intensivbetten des Klinikums Forchheim befindet sich demnach nur ein Patient aufgrund einer Corona-Infektion auf der Station. Dies sei der erste Corona-Intensivpatient seit rund fünf Monaten, so die Sprecherin weiter. Sollten weitere Patienten ein Intensivbett benötigen, müssten diese auf umliegende Krankenhäuser ausweichen. Aber auch das sei normal, man stehe jederzeit im Kontakt mit anderen Kliniken.

    Wieder mehr Notfallpatienten auf Intensivstationen

    In niederbayerischen Krankenhäusern ist die Lage ähnlich: Im Landkreis Passau haben von den 25 Patienten auf den Intensivstationen nur vier eine Covid-Infektion. In Landshut werden von 36 Intensivpatienten derzeit drei wegen Covid-19 behandelt. Im Landkreis Landshut ist einer der sechs Intensivpatienten ein Covid-19-Fall.

    Dass die Intensivstationen auch hier üblicherweise gut ausgelastet sind, liegt laut Jakob Fuchs von den LAKUMED Kliniken daran, dass bei der Bedarfsberechnung ein vergleichsweise geringer Puffer eingerechnet wird. Fuchs erklärt auch, dass im Vergleich zum Lockdown wieder mehr Betten mit Notfallpatienten belegt seien, weil wieder mehr Unfälle in Betrieben oder im Straßenverkehr passieren.

    Grafik: Anzahl Corona-Intensivpatienten pro Tag in Bayern

    Krankenhäuser rechnen mit Anstieg bei Covid-19-Patienten

    Auch im Universitätsklinikum Erlangen sind die Intensivbetten ausgelastet. Derzeit seien 17 Corona-Patienten auf den Stationen, teilte Pressesprecher Johannes Eissing dem BR mit. Die Situation sei aktuell dennoch stabil. Man rechne aber "in etwa zwei Wochen mit steigenden Zahlen", so Eissing.

    Das Krankenhaus Aichach sei ebenfalls noch aufnahmebereit, so Geschäftsführer Hubert Mayer gegenüber dem BR. Es drohe aber ein Engpass bei den Intensivbetten. Aktuell seien zwei der sechs Highcare-Betten mit Covid-Patienten belegt, die beatmet würden. Beide seien ungeimpft. Mayer erklärte auch, neue Covid-Intensivpatienten gingen zu Lasten anderer Patienten.

    Anders als in der ersten Phase der Corona-Pandemie halten die Kliniken mittlerweile keine Intensivbetten wegen der Pandemie mehr frei. Bayernweit liegen derzeit 268 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, sie belegen acht Prozent der Intensivbetten. Das ist erheblich weniger als im vergangenen Winter, aber ein deutlicher Wiederanstieg seit dem Sommer.

    Im Herbst und Winter wird die Lage wohl so bleiben

    In Regensburg geht man davon aus, dass die Lage in den Herbst- und Wintermonaten angespannt bleiben wird. Momentan seien die Intensivstationen an einigen Tagen voll ausgelastet, erklärt Prof. Niels Zorger, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg. Das sei aber nicht ungewöhnlich in Zeiten von hohem Patientenaufkommen. Aktuell würden überwiegend chirurgische und internistische Notfälle sowie Patienten nach großen operativen Eingriffen behandelt.

    "Die drei intensivpflichtigen Patienten mit Covid-19 stellen somit nur eine Gruppe unter den anderen dar, führen aber natürlich zu einer zusätzlichen Verknappung der Intensivplätze." Die Influenzawelle zeige sich erfahrungsgemäß erst in den späteren Wintermonaten, so Zorger.

    Grafik: Wo steht die Krankenhausampel in Bayern?

    Ampel auf "rot" bei 600 Corona-Patienten

    Die Krankenhaus-Ampel schaltet auf Gelb, wenn in Bayern innerhalb von sieben Tagen 1.200 Menschen oder mehr wegen Covid-19 in ein Krankenhaus müssen. Rot wird sie, wenn mehr als 600 Corona-Patienten auf den bayerischen Intensivstationen liegen.

    Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen steigt unterdessen weiter an. Am Mittwoch meldeten laut Robert Koch-Institut zwölf Kreise und Städte in Bayern Inzidenzen von 200 und mehr. An der Spitze lag das Berchtesgadener Land mit einer 7-Tage-Inzidenz von 355,5. Die bayernweite Inzidenz ist auf 128,6 geklettert.

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