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Kleinen Wasserkraftwerken wie der Deckelmannsmühle in Elsenfeld soll bald die Förderung entzogen werden.

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Erneuerbare Energien: Förder-Aus für kleine Wasserkraftwerke?

Nicht zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs sollen erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden. Doch das Wirtschaftsministerium plant tausenden kleinen Wasserkraftwerken die Förderung zu entziehen. Umweltschützer befürworten die Idee – unter Vorbehalt.

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Barbara EckeBarbara Ecke
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Die Deckelmannsmühle in Elsenfeld im Landkreis Miltenberg: Ein altes Holz-Mühlrad erzeugt an dem Bach Elsava Strom. Der wird ins öffentliche Netz eingespeist. "Diese Tradition reicht mehr als 100 Jahre zurück", erklärt Reinhard Deckelmann, der die Mühle von seinem Vater und der von seinem Vater übernommen hat. Der 63-Jährige ist sauer: "Mit dem neuen Gesetzesentwurf wird die kleine Wasserkraft, die die Grundversorgung in Bayern unterstützt, kaputt gemacht."

Das Gesetzespaket zur Energiewende sieht vor, kleine Wasserkraftwerke mit bis zu 500 Kilowatt (kW) ab 2023 nicht mehr zu fördern. Sie seien gewässerökologisch unverträglich, lautet die Begründung. Die Betreiber würden damit aus der zugesicherten Einspeisevergütung von derzeit 7,8 Cent beziehungsweise 12,4 Cent herausfallen.

Naturschützer begrüßen Förder-Stopp für kleine Wasserkraft

In Bayern gibt es rund 4.000 kleine Wasserkraftanlagen. Laut dem Landesverband Bayerischer Wasserkraftwerke erzeugen sie gemeinsam jedes Jahr etwa eine Milliarde Kilowattstunden Strom ohne CO₂-Ausstoß, versorgen damit rechnerisch etwa 350.000 Haushalte mit elektrischer Energie.

Trotzdem begrüßen Naturschützer prinzipiell das Gesetzesvorhaben, deren Förderung über die EEG-Umlage zu streichen. Der Bund Naturschutz in Bayern kritisiert, dass durch die Anlagen die Artenvielfalt an Flüssen und Bächen leide. Das Kraftwerk selbst versperre Fischen und anderen Arten den Weg. Die für die Energiegewinnung nötige konstante Stauhöhe bringe die lebensnotwendigen Flusswasserschwankungen in der Aue zum Erliegen.

"Differenzierte Betrachtungsweise" wünschenswert

Die Mühle von Reinhard Deckelmann in Elsenfeld ist eine von den kleinen Wasserkraftwerken, die solche Probleme nicht macht. Zu diesem Schluss kommt Steffen Scharrer, Mitglied des Landesverbandes Bund Naturschutz in Bayern und 1. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Miltenberg. Die Kreisgruppe des Vereins hatte die Deckelmannmühle im Jahr 2018 sogar mit einem Preis ausgezeichnet, für die Gewinnung erneuerbarer Energie.

"Wir würden uns von der Politik bei der Förderung eine differenziertere Betrachtungsweise wünschen. Die Mühle von Herrn Deckelmann ist ja keine Gefahr für die Biodiversität", so Scharrer im BR24-Gespräch. Der Wasserfluss sei gewährleistet, nicht etwa wie bei einem Alpenfluss, der durch ein Wehr einer Wasserkraftanlage zerschnitten würde. Die Mühle in Elsenfeld habe zudem eine kulturhistorische Bedeutung. Seit mehr als 100 Jahren werde dort schon Strom erzeugt.

Konsequenz: Keine Einspeisung mehr ins öffentliche Stromnetz

Die Deckelmannsmühle hat eine Nennleistung von sieben Kilowatt (kW). Laut Reinhard Deckelmann reicht der Strom, den er ins öffentliche Netz einspeist, jährlich für die Versorgung von etwa fünf Wohneinheiten. "Reich werde ich damit nicht", etwa 800 bis 1.000 Euro bekomme er dafür. Von der Politik erwarte er sich, je ökologischer man Strom erzeuge, desto mehr Vergütung sollte es geben.

Ihm gehe es ja auch um den Erhalt der historischen Mühle, der ebenfalls Geld koste. Sollte die Gesetzesnovelle kommen, und er die Einspeisevergütung nicht mehr bekommen, will Deckelmann seinen Strom selbst verbrauchen. "Dann muss ich nicht den teuren Strom aus dem Netz kaufen, dann drehe ich den Spieß gerade mal herum."

Kleinen Wasserkraftwerken wie der Deckelmannsmühle in Elsenfeld soll bald die Förderung entzogen werden.

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