BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture-alliance / blickwinkel/McPHOTO/A. Trunk | McPHOTO/A. Trunk
Bildrechte: picture-alliance / blickwinkel/McPHOTO/A. Trunk | McPHOTO/A. Trunk

Die Folgen der Erderwärmung zeigen sich gerade im Norden Europas besonders deutlich. Das Eis zieht sich immer weiter zurück.

32
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Klimawandel in Europa: 2020 - Jahr der traurigen Rekorde

Auch der Klimawandeldienst Copernicus der Europäischen Union bestätigt, was wir eigentlich schon längst wissen: Die Erderwärmung schreitet unerbittlich voran. Am deutlichsten zeigt sich das in den Regionen nördlich des Polarkreises.

32
Per Mail sharen
Von
  • Constanze Alvarez

Wie die letzten fünf Jahre gehört auch 2020 zu den wärmsten seit Beginn der Messungen, das hat die Weltwetterorganisation diese Woche bereits bekannt gegeben. Heute, am Earth Day, legt der Copernicus-Klimawandeldienst der Europäischen Union nach. Zwar habe es dieses Jahr keine außergewöhnlichen Hitzewellen gegeben, der Winter war jedoch definitiv zu warm: 3,4 Grad Celsius über dem Durchschnitt – ein absoluter Rekord in Europa, erklärt Freja Vambourg vom Copernicus-Klimawandeldienst:

"Besonders warm war es in Nordosteuropa, dort lagen die Temperaturen nochmals 1,9 Grad über dem letzten Rekordwärme-Winter." Freja Vambourg, Copernicus-Klimawandeldienst

Arktis: Meereisdecke auf Rekordtiefstand

Geradezu alarmierend waren die Temperaturen nördlich des Polarkreises: Die größten Unterschiede zum normalen Jahresdurchschnitt traten in Sibirien und in den anliegenden Regionen der Arktis auf. Während des Winters lagen die Maximal- und Minimaltemperaturen in der Region auf lokaler Ebene bis zu 6 bzw. 9 Grad Celsius über dem 1981-2010 Durchschnitt. Die Folge davon: Immer dünner werdende Meereseisdecken. Fast den ganzen Sommer und Herbst hinweg verzeichnete der Copernicus -Klimawandeldienst einen Rekordtiefstand der arktischen Meereseisdecken.

Zu wenig Schnee: Waldbrände in Sibirien

Durch die steigenden Temperaturen haben sich auch die Schneedecken immer weiter zurückgezogen, was wahrscheinlich zur Hitze beigetragen hat, da "weniger Solarenergie vom Schnee reflektiert wurde; stattdessen wurde sie von der dunkleren, schneefreien Fläche absorbiert", so der "European State of the Climate Report".

Zu wenig Schnee, Trockenheit und Hitze – in den Regionen am nördlichen Polarkreis hat das im Jahr 2020 zu immer heftigeren Waldbränden geführt. Und zu den höchsten CO2-Emissionen seit mindestens 2003, so der Bericht des Copernicus-Klimawandeldiensts.

Treibhausgaskonzentrationen weltweit weiter angestiegen

Auch global betrachtet steigen die Treibhausgasemissionen weiterhin an. Die Annahme, dass sich Corona und die damit einhergehenden Einschränkungen positiv auf die CO2-Bilanz auswirken könnten, trifft nur begrenzt zu. Vorläufige, auf Satellitendaten basierende Schätzungen deuten darauf hin, dass CO2-Konzentrationen dieses Jahr um 0,6 Prozent und CH4-Konzentrationen um 0,8 Prozent angestiegen sind.

Herbststurm Alex brachte Rekordregen in Westeuropa

Die Klimakrise führt auch in Europa zu Extremwetter. Einerseits brachte der Herbststurm Alex im Oktober ungewöhnlich starke Regenfälle im Vereinten Königreich, Nordwestfrankreich und den Südalpen, mit verheerenden Überschwemmungen in manchen Gebieten.

Andererseits fällt auf: Es gab auch die meisten Sonnenstunden seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen, ganz besonders im Frühjahr, erklärt Freja Vambourg: "Viele Leute werden sich daran erinnern, wie wir letztes Jahr um diese Zeit im Lockdown zu Hause saßen und draußen prächtig die Sonne schien – und tatsächlich, das sehen wir auch in den Daten."

USA und EU wollen Vorreiterrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels übernehmen

Auch wenn der sonnige Frühling vergangenes Jahr für viele das Leben in der Pandemie erträglicher gemacht hat – besorgniserregend ist diese Entwicklung allemal. Das zeigen vor allem die globalen Daten: Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegen die Temperaturen 1,2 Grad Celsius über den Temperaturen im vorindustriellen Zeitalter. Für die Klimapolitik bedeutet das: Handeln, und zwar schnell. Neben den USA möchte nun auch die EU eine Vorreiterrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels übernehmen: Gestern hat sich das EU-Parlament auf ein neues Klimaziel für 2030 geeinigt. Es sieht eine Senkung der Treibhausgasemissionen um 55 Prozent im Vergleich zu 1990 vor.

© BR
Bildrechte: BR

Die EU hat beschlossen, bis 2050 weltweit der erste klimaneutrale Kontinent sein zu wollen - und schon bis 2030 die Treibhausgase um mindestens 55% zu senken. Und dass Handlungsbedarf besteht - sagen auch Klimaforscher in Garmisch-Partenkirchen.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!