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Wirbelstürme werden durch Klimawandel immer ausdauernder | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Das Jahr 2020 hat so viele tropische Wirbelstürme gebracht wie kein Jahr zuvor. Gleich mehrere Taifune haben die Philippinen getroffen, auf Zentralamerika raste erst Hurrikan Eta zu, jetzt folgt ihm Iota.

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Wirbelstürme werden durch Klimawandel immer ausdauernder

Steigende Wassertemperaturen der Ozeane sorgen dafür, dass Wirbelstürme nicht mehr so schnell abschwächen, wenn sie auf Land treffen. Dadurch können sie sich immer weiter ins Landesinnere vorkämpfen und das macht sie zukünftig noch gefährlicher.

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Wirbelstürme entstehen über tropischen Meeren. Durch direkte Sonneneinstrahlung verdunstet Wasser und Luft steigt auf. Wie ein Sog wird mehr warme und feuchte Luft angezogen, ein Luftkreislauf entsteht. Die aufsteigende Luft kühlt sich ab und sinkt im Auge des Sturms. Durch die Erdrotation werden die Luftmassen in Bewegung gesetzt und bahnen sich ihren Weg über das Meer. Treffen sie auf Land, verlieren sie ihren Antrieb und lassen nach. Gerade in Küstenregionen hinterlassen sie dabei nicht selten eine Schneise der Verwüstung.

Hurrikans seit 1967 ausgewertet

Wissenschaftler vom Institut für Wissenschaft und Technik im japanischen Okinawa haben sich angeschaut, wie sich Wirbelstürme in den letzten Jahrzehnten verändert haben. Vorrangig ging es dabei um Hurrikans, also Wirbelstürme, die über dem Atlantik entstehen. Ihre Ergebnisse haben sie selbst überrascht. Denn sie fanden heraus, dass die Wirbelstürme, wenn sie auf Land treffen - das nennt sich Landfall - immer langsamer ihre Kraft verlieren. Pinaki Chakraborty und Lin Li werteten 71 Hurrikans zwischen 1967 und 2018 aus, die auf Land trafen. In den 1960er verloren die Stürme nach durchschnittlich 17 Stunden zwei Drittel ihrer Kraft. Jetzt dauert es 33 Stunden.

Wirbelstürme verlieren langsamer ihre Kraft

Damals hat ein Hurrikan nach einem Tag über Land etwa 75 Prozent seiner Kraft verloren, jetzt sind es nur 50 Prozent. Dadurch können sich die Stürme weiter ins Landesinnere vorkämpfen und für noch mehr Zerstörung sorgen. Doch woran liegt das? Die Forscher haben die Szenarien in verschiedenen Computer-Simulationen nachgestellt. Denn ihnen ist aufgefallen, dass sich die Abschwächung direkt proportional zur Erwärmung der Wassertemperaturen an der Meeresoberfläche verhält. Steigen also die Temperaturen in den Ozeanen, hält der Sturm länger an und verliert weniger schnell seine Kraft, wenn er auf Land trifft.

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Die Abschwächung der Wirbelstürme verhält sich direkt proportional zum Anstieg der Wassertemperaturen.

Mehr Wasserdampf in warmen Gewässern

Aber wie wirkt sich wärmeres Wasser auf die Langlebigkeit aus? Das liegt am Wasserdampf. Wasserdampf treibt einen Sturm an, er ist der Proviant, der ihn am Leben hält. Je wärmer das Wasser, umso mehr feuchte Luft kann aufsteigen und umso mehr Energie bekommt der Hurrikan, der dadurch stärker wird. Daher schwächt der Landfall einen Wirbelsturm auch ab, da kein "neuer" Wasserdampf nachkommen kann.

"Wenn ein Hurrikan auf Land trifft, dann ist das so als würde man einem Auto die Benzinzufuhr abschneiden. Ohne Treibstoff wird das Auto langsamer und der Hurrikan beginnt schwächer zu werden und zu zerfallen." Autor Lin Li, Institut für Wissenschaft und Technik Okinawa

Wirbelstürme treiben weiter ins Landesinnere

Jetzt brauchen die Wirbelstürme aber immer länger, bis sie über Land abschwächen. Damit steigt das Risiko, dass sie auf Gebiete treffen, deren Infrastruktur und Wissen nicht für solch starke Stürme ausgelegt sind. Die nicht so gut mit extremen Winden und Starkregen umgehen können. Das sorgt für mehr Zerstörung und führt im schlimmsten Fall zu höheren Todeszahlen. Der Hurrikan-Forscher Brian McNoldy von der Universität Miami schlussfolgerte, dass damit auch die Versicherungsprämien steigen müssten.

Wasser wird durch Klimawandel immer wärmer

In ihrer Simulation fanden die Wissenschaftler aus Okinawa heraus, dass diejenigen Wirbelstürme die meiste Ausdauer über Land zeigten, die über dem wärmsten Wasser entstanden sind. Dafür ist die Feuchtigkeit verantwortlich, die ein Wirbelsturm über dem Meer aufnimmt und als Wasserdampf in sich trägt - auch nach dem Auftreffen auf Land. Je wärmer das Wasser, umso höher diese "Sturmfeuchte", umso länger können sie über Land davon zehren. Das heißt im Umkehrschluss, dass künftige Stürme noch viel mehr Zerstörung anrichten können, sollte die Wassertemperatur weiter ansteigen. Ein Grund mehr, gegen den Klimawandel anzukämpfen.

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