Mann in freier Natur, der sich den Kopf schmerzverzerrt hält.
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Plötzliche Wetterwechsel machen vielen Menschen zu schaffen.

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Wer ist besonders wetterfühlig und was kann man dagegen tun?

Erst kalt, dann frühlingshaft warm - bei Temperaturschwankungen kommt der Körper oft nicht mit. Mögliche Folgen: Migräne und Kopfschmerzen, Müdigkeit und Gelenkschmerzen. Wetterfühlige werden aber oft nicht ernst genommen. Ist alles nur Einbildung?

Erst ist es empfindlich kühl, dann steigt die Temperatur plötzlich wieder deutlich an - Aprilwetter im Februar. Solch turbulente Wetterumschwünge gehen an manchen Menschen nicht spurlos vorüber. Sie leiden unter den plötzlichen Wetterwechseln.

Wenn der Wetterumschwung weh tut

Besonders bei stürmischem Wetter und wenn es kälter wird, klagen viele über Beschwerden. Wer unter Rheuma oder Arthritis leidet, dem tut Kälte leicht mal weh. Denn wer friert, zieht die Schultern hoch und spannt die Muskeln an, das macht Schmerzen schlimmer. Auch die Blutgefäße ziehen sich bei Kälte zusammen und können Bluthochdruck verstärken. Wenn es plötzlich wärmer wird, erweitern sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt und kann damit dem Kreislauf zu schaffen machen. Und der Föhn in Alpennähe gilt als Verursacher von Kopfschmerzen.

Das Problem: Betroffene werden häufig nicht ernst genommen, die Symptome als Einbildung abgetan. Auch in der Wissenschaft ist man sich nicht einig, was hinter dem Phänomen Wetterfühligkeit steckt.

Welche Menschen sind besonders wetterfühlig?

Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschen bezeichnet sich als wetterfühlig, so eine Umfrage des Deutschen Wetterdienstes von 2015, ein Fünftel der Befragten gibt sogar an, stark unter dem Wetter zu leiden.

Die Älteren spüren das Wetter subjektiv stärker als die Jüngeren: In der Altersgruppe der ab 60-Jährigen klagen nahezu 70 Prozent darüber, dass ihnen das Wetter in Knochen und Kopf fährt. Auch Frauen in der Menopause leiden oft bei Wetterumschwüngen.

Was sind die Symptome von Wetterfühligkeit?

Die häufigsten wetterbedingten Symptome sind Kopfschmerzen und Migräne (59 Prozent), Müdigkeit (55 Prozent), Abgeschlagenheit (49 Prozent), Gelenkschmerzen (42 Prozent) und Schlafstörungen (40 Prozent). Betroffene fühlen sich matt, müde, antriebslos, deprimiert oder gereizt. Aber, so Prof. Dr. Andreas Matzarakis, der das Zentrum für medizin-meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg leitet, im Gespräch mit Bayern 2 radioWissen 2020: "Die Wetterfühligkeit, das ist eine große Palette von Beschwerden, die nicht unbedingt mit dem Wetter zusammenhängen müssen. Aber das Wetter führt dazu, dass diese Beschwerden das Glas zum Überlaufen bringen."

Das Wetter verstärkt Beschwerden

Frieren und Schwitzen, das sind ganz normale Körperreaktion auf ganz normale Wetterreize. Matzarakis vermutet, dass wetterfühlige Menschen eine niedrige Reizschwelle haben könnten und dass ihr Körper darum schon auf geringe Wetterreize heftig reagiert. Darum unterscheidet man auch zwischen "nur" wetterfühlig und wetterempfindlich.

Wetterempfindliche Menschen haben bereits Vorerkrankungen, die sich durch den Wetterwechsel verstärken. Die Krankheitssymptome verschlechtern sich bei wetterempfindlichen Menschen bei Wetterumschwüngen in manchen Fällen deutlich.

Der Nachweis von Wetterfühligkeit ist schwierig

Warum das Wetter so einen Einfluss hat, oder ob das Ganze nicht doch nur Einbildung ist, ist schwer zu erforschen. Das liegt unter anderem daran, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt viele verschiedene Wettervariablen gibt. Alle ändern sich gleichzeitig, oft heftig bei einem Wetterumschwung.

Fachleute gehen davon aus, dass Reaktionen auf das Wetter sich durch das Zusammenspiel aller Faktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit, Sferics (elektromagnetische Gewitterimpulse), Druckschwankungen sowie UV- und Infrarotstrahlen erklären. Dazu kommt die persönliche Disposition. Wie genau das alles zusammenspielt, konnte bisher aber nicht geklärt werden.

Im Audio: Warum wir das Wetter spüren

Mann reibt sich erschöpft die Augen.
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Kreislaufprobleme und Kopfweh: Was tun bei Wetterfühligkeit?

Wie das Wetter die Psyche beeinflusst

Manche Zusammenhänge zwischen Wetter und Wohlbefinden sind sehr deutlich, etwa, wie sich Licht und Dunkelheit auf die Stimmung auswirken - messbar. Sonnenlicht beispielsweise sorgt dafür, dass Serotonin im Körper ausgeschüttet wird, das Glückshormon. Bei Dunkelheit wird dagegen Melatonin gebildet, das uns müde macht.

Das Biowetter - Hilfe für Wetterfühlige?

Der Deutsche Wetterdienst stellt schon lange auch ein "Biowetter" zusammen und definiert dabei mehrere Wetterlagen. Am besten ist die stabile Hochdrucklage, hier haben die wenigsten Menschen Probleme mit der Gesundheit. Bei einem Tiefdruckzentrum treten eher allgemeine Befindlichkeitsstörungen auf, aber auch Phantomschmerzen. Eine höhere Luftfeuchtigkeit ist schlecht bei Gelenkproblemen und nähert sich eine Warm- oder Kaltfront, haben Menschen häufiger Kopfschmerzen. Dieser Wetterumschlag ist die problematischste Wetterkonstellation, vor allem zum Kalten hin.

Mit großer Wahrscheinlichkeit haben also Temperatur- und Feuchtigkeitssprünge eine Auswirkung auf unsere Gesundheit, vor allem bei chronischen Schmerzpatienten. Unklar bleibt aber der genaue Einfluss des Wetters. Der Wirkmechanismus auf Wetterfühlige ist unbekannt und auch eine Regelhaftigkeit, also welches Wetter welche Beschwerden auslöst, ist nicht festzustellen. Biowettervorhersagen basieren auf statistischen Zusammenhängen, gelten nicht für einzelne Personen, ihre Vorhersagekraft ist also nur begrenzt.

Häufigere Wetterwechsel könnten mehr Beschwerden machen

Matzarakis geht davon aus, dass aufgrund der klimatischen Veränderungen Wetterfühligkeit in Zukunft weiter zunimmt. In einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk sagte er: "In Bezug auf die künftigen klimatischen Bedingungen ist es eigentlich klar, dass es zu stärkeren Variabilität der Wetterbedingungen kommen wird. Das ist genau das, was den Wetterfühligen zu schaffen macht."

Wetterfühligkeit kommt von Trainingsmangel und zu viel Drinnen

Dass wir auf Wetterwechsel mit körperlichen Beschwerden reagieren, ist unter anderem eine Folge unseres Lebens in vier Wänden, meint Angela Schuh, langjährige Professorin für medizinische Klimatologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. Danach beruht Wetterfühligkeit zu einem großen Teil auf einem Trainingsmangel des Körpers. Das führe dazu, dass er sich nicht schnell genug und auch nicht mit den richtigen körperlichen Abläufen anpassen könne.

Zudem leben viele immer stärker gegen den eigenen Biorhythmus: Das Berufsleben findet für viele Menschen in Innenräumen statt. Dort gibt es zwangsläufig zu wenig Tageslicht, was zu Beschwerden führen kann, so Angela Schuh. Aber auch ein unregelmäßiges Leben bringe den zirkadianen Rhythmus durcheinander.

Was kann man gegen Wetterfühligkeit machen?

  • Ab an die frische Luft - wann immer es geht und bei jedem Wetter. Besonders gut ist Ausdauertraining: also wandern, walken, joggen, Rad fahren, spazieren gehen. Sie trainieren durch die sportliche Betätigung im Freien nicht nur Ihr Immunsystem, sondern der Körper übt auch die Anpassung an wechselnde Wetterlagen.
  • Man sollte sich so kleiden, dass man sich leicht kühl fühlt, aber nicht friert. Das trainiert die Thermoregulation des Körpers. Außerdem hilfreich ist jede Art der Abhärtung: Wechselduschen, Kneippsche Anwendungen und regelmäßige Saunabesuche.
  • Wetterfühlige sollten sich einen immer gleichen Tagesablauf angewöhnen - also Weckzeit, Mahlzeiten und Schlafensgehenzeit sollten möglichst immer zur selben Zeit stattfinden.
  • Regelmäßiger und ausreichender Schlaf kann Wetterfühligkeit lindern. Wer es kann, sollte sich ein kurzes Mittagsschläfchen gönnen, allerdings nicht länger als eine halbe Stunde.
  • Gesund und regelmäßig, möglichst immer zur selben Zeit essen.
  • Wetterfühlige sollten auf Nikotin, Alkohol oder Kaffee verzichten, da diese Genussmittel Kopfschmerzen verursachen können.
  • Melissentee und grüner Tee sowie Bäder mit Rosmarinöl werden immer wieder als Hausmittel gegen Kopfschmerzen und Wetterfühligkeit empfohlen.

Dieser Artikel ist erstmals am 28. März 2019 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel aktualisiert und erneut publiziert.

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