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Was sagen Forscher zu den FFP2-Masken? | BR24

© dpa-Bildfunk

Verpackte FFP2-Masken liegen in einer Apotheke auf dem Verkaufstresen.

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    Was sagen Forscher zu den FFP2-Masken?

    In Bayern gilt ab kommender Woche eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im Nahverkehr und beim Einkaufen. Wissenschaftler bewerten die Maßnahme unterschiedlich.

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    Von
    • Georgia Tscharke

    Mittlerweile haben sich wohl die meisten Menschen an das Tragen einer OP- oder Stoffmaske gewöhnt. Da kommt am 12. Januar unvermittelt die Nachricht der bayerischen Staatsregierung, die das verpflichtende Tragen von FFP2-Masken in Bussen, Bahnen und im Supermarkt fordert. FFP2-Masken steht für Filtering Face Piece und sollen Partikel aus der Luft herausfiltern. Bekannt geworden sind diese Masken, seit sie im Dezember vergangenen Jahres an ältere Menschen in den Apotheken verschenkt wurden.

    FFP2-Masken zählen nicht zu den sogenannten Alltagsmasken oder Community-Masken und auch nicht zu den OP-Masken, bei denen es sich um Medizinprodukte handelt. FFP2-Masken sind partikelfiltrierende Halbmasken, die hauptsächlich aus Industrie und Handwerk bekannt sind und nicht in erster Linie für den Hausgebrauch gedacht sind.

    Was ist beim Tragen einer FFP2-Maske zu beachten?

    Denn für einen wirklichen Schutz vor Tröpfchen und Aerosolen ist der korrekte Sitz einer FFP2-Maske sehr wichtig. Sie muss eng am Gesicht anliegen und sollte keine Lücke am Gesicht zulassen, sonst hilft sie genauso viel oder wenig wie andere Mund-Nasen-Masken. Die Außenflächen der Masken sollten beim Ablegen nicht berührt werden.

    FFP2-Masken schützen besonders den Träger

    Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg betont den Eigenschutz der FFP2-Masken: Wenn sie korrekt angelegt und verwendet werde, biete eine solche Maske anders als die einfachen Einweg- und Baumwollmasken viel Eigenschutz. "Ich kann mich selbst schützen und bin weniger darauf angewiesen, dass die Menschen in meiner Umgebung sich richtig verhalten", so Chanasit.

    Gérard Krause vom Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig erklärt ebenfalls, FFP2-Masken böten einen nachweislich besseren Eigenschutz als die einfache chirurgische Mund-Nasen-Bedeckung. Beide Wissenschaftler betonen aber auch, dass die FFP2-Masken ausreichend und gerecht für jedermann zur Verfügung stehen müssten.

    Gesichtsmasken reduzieren das Infektionsrisiko in Räumen

    Wenn in einem Raum Menschen mit schlecht sitzenden Masken oder nur einem Schal sitzen, habe der Träger einer FFP2-Maske einen besseren Schutz für sich selbst, das unterstreichen beide Forscher. Dies haben im Oktober 2020 Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie mit einem Risk Calculator zur Aerosol-Übertragung von Covid-19 und der Ansteckungsgefahr in Innenräumen schon berechnet.

    Allerdings gibt es noch keine Daten darüber, wie sich das ausschließliche Tragen von korrekt angelegten FFP2-Masken in vollen U-Bahnen oder Bussen auswirkt im Vergleich zu Trägern mit genau sitzenden herkömmlichen Alltagsmasken. Das sei spekulativ, so Chanasit.

    Bartträger und FFP2 schließen sich aus

    Nach Ansicht von Johannes Knobloch, Leiter des Bereichs Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, hätten besonders Bartträger ein Problem mit den FFP2-Masken. Selbst ein beginnender Bartwuchs könne dazu führen, dass Luft ungefiltert ein- und ausströme. Knobloch fasst dies in dem markigen Satz zusammen: "Bei einer FFP2-Pflicht dürften Bartträger in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln also eigentlich nicht zugelassen werden."

    Für ihn macht der Einsatz von FFP2-Masken nicht den großen Unterschied. Im Gegenteil: "Im schlimmsten Fall kann sich die Lage sogar verschlechtern, weil sich die Leute geschützter fühlen und weniger vorsichtig sind." Die Maßnahme sei vielleicht gut gemeint, letztlich helfe aber nur eines wirklich gut: zuhause bleiben, so Knobloch.

    Masken sind nur eine Möglichkeit, sich vor Covid-19 zu schützen

    FFP2-Masken schützen den Träger, wenn er die Maske richtig aufsetzt und behandelt und sie den Prüf-Standards entsprechen. Aber auch dann schützen sie nicht mit 100-prozentiger Sicherheit, aber mindestens zu 94 Prozent vor Tröpfchen und Aerosolen. Damit gingen aber immer noch sechs Prozent der Partikel durch, wie der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, warnt. Eine absolute Sicherheit gäbe es mit Masken alleine nicht.

    Fazit zum Sinn von FFP2-Masken

    Bei einfachen Mund-Nasen-Bedeckungen ist die Bandbreite der Qualität sehr variabel – je nach Material und Design der Masken. Bei FFP2-Masken scheinen diese beiden Aspekte nicht so ausgeprägt, so dass deswegen eine bessere Wirksamkeit zu erwarten ist. Dabei macht es wenig Unterschied, ob die Atemschutzmasken aus den Klassen FFP2, N95 oder KN95 sind. Das sind ähnliche Standards.

    Im Grunde hilft nur eine Kombination der Masken mit den anderen AHAL-Regeln (Abstand, Hygiene, Lüften). So hatten es schon im April 2020 Wissenschaftler der Universitäten Oxford und Brisbane empfohlen, die ihre Ergebnisse auf Studien aus der vorherigen SARS-Pandemie stützten.

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