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Was ist gefährlicher: Zigarette, E-Zigarette oder Shisha? | BR24

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Audio: In Deutschland darf immer noch Werbung für Zigaretten gemacht werden. Ein Skandal, findet Professor Thomas Münzel. Der Kardiologe warnt aber auch vor E-Zigaretten und Wasserpfeifen.

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Was ist gefährlicher: Zigarette, E-Zigarette oder Shisha?

Erstmals haben Mediziner die gesundheitlichen Folgen des Konsums von Zigaretten, E-Zigaretten und Shishas, also Wasserpfeifen, verglichen. Dazu werteten Kardiologen der Universitätsmedizin Mainz eine Vielzahl von Raucher-Studien aus.

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Wenn Forscher die Studien-Lage zu einem Thema sichten und ihr Recherche-Ergebnis veröffentlichen, spricht man von einer Meta-Studie. Genau das hat nun ein Ärzteteam um Professor Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz getan. Sie verglichen erstmals, welche Folgen das Rauchen von Zigaretten, E-Zigaretten und Shishas auf den Körper hat und wie der Konsum das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, erhöht. Die Studie wurde am 26. Juni 2020 im Fachmagazin European Heart Journal veröffentlicht.

Wie wirken Zigaretten, E-Zigaretten und Wasserpfeifen auf den Körper?

Um herauszufinden, welchen Einfluss die drei Rauch-Arten auf den Körper haben, untersuchten die Mediziner, wie diese auf Zellen in den Blutgefäßen (Endothel) wirkten, welche Chemikalien beim Rauchen frei wurden und welche Krankheiten durch den Konsum auftraten.

Das Ergebnis, basierend auf der aktuellen Studienlage: Verglichen mit Nichtrauchern erhöhen Zigaretten das Risiko, eine Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD) zu bekommen, wahrscheinlich um 704 Prozent, bei Wasserpfeifen/Shishas sehr wahrscheinlich um 218 Prozent und bei E-Zigaretten wahrscheinlich um 194 Prozent. Zigaretten und Wasserpfeifen erhöhen zudem das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken - erstere sehr wahrscheinlich um 1.210 Prozent und letztere um 122 Prozent. Bei E-Zigaretten reichte die Studienlage nicht aus, um belastbare Aussagen zu treffen.

Das Medizinerteam wertete auch aus, ob und wie stark die drei Rauch-Arten Arterien versteifen ließen. Das ist ein deutliches Alarmzeichen, Herzprobleme oder einen Schlaganfall zu entwickeln. Bei Zigarettenrauchern im Vergleich zu Nichtrauchern stieg das Risiko bei mittlerer Wahrscheinlichkeit um 10 Prozent, bei Shishas um 9 Prozent und bei E-Zigaretten um 7 Prozent.

Welche Chemikalien beim Rauchen frei werden

Der Rauch von E-Zigaretten enthält Formaldehyd und Acrolein (Acrylaldehyd) sowie Spuren von sogenannten Übergangsmetallen (Nickel, Kobalt, Chrom, Blei) und flüchtige organische Verbindungen (VOCs), die alle dafür bekannt sind, die Zellen zu schädigen. Im Rauch von Zigaretten und Wasserpfeifen steckt dagegen eine deutlich komplexere Mischung aus gesundheitsschädlichen Chemikalien und anderen Substanzen. Im Fall der Shishas sind das feste Feinstaubpartikel, die beim Verbrennen des Tabaks durch Kohle entstehen. Die Substanz ist in geringeren Dosen auch in Zigaretten zu finden. Nikotin ist in allen drei Rauch-Produkten - Zigarette, E-Zigarette und Shisha - enthalten und gilt als süchtig machend.

Rauch-Art und Risikoeinschätzung für Covid-19

Die Mainzer Mediziner schließen sich der Aussage der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an und bestätigen, dass das Rauchen von Zigaretten und Wasserpfeifen die Symptome einer Covid-19-Erkrankung verschärfen kann. "Darin eingeschlossen sind: auf eine Intensivstation zu kommen, künstlich beatmet werden zu müssen und ernsthafte Gesundheitsschäden davonzutragen."

Fazit

Auf den ersten Blick wirken Zigaretten und Wasserpfeifen damit gefährlicher als E-Zigaretten. Doch auch E-Zigaretten-Raucher können sich nicht in Sicherheit wiegen. Die WHO warnt, dass es zunehmend Hinweise darauf gibt, dass auch E-Zigaretten für Nebenwirkungen in Lunge, Herz und Blutgefäßen sorgen sowie das Risiko erhöhen, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Professor Münzel und sein Team kritisieren zudem, dass Deutschland das einzige Land in der EU ist, in dem noch auf Plakatwänden im öffentlichen Raum Werbung fürs Rauchen gemacht werden darf. Sucht-Experten weisen schon seit Jahrzehnten darauf hin, dass Werbung einen verstärkenden Einfluss auf den Genuss von Suchtmitteln hat.

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