BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Warum es gut ist, die Coronavirus-Ausbreitung zu verlangsamen | BR24

© picture alliance/dpa/Zentralbild

Coronavirus-Schutzmaßnahmen - Absagen von Messen und anderen Großveranstaltungen

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Warum es gut ist, die Coronavirus-Ausbreitung zu verlangsamen

Veranstaltungen werden abgesagt, im Verdachtsfall häusliche Quarantäne oder Heimarbeit verordnet und Menschen zum Händewaschen angehalten: Warum das bei einer Epidemie oder Pandemie sinnvoll ist.

Per Mail sharen

Lieber schnell durch als lange Angst haben? Beim neuen Coronavirus ist das ein Nachteil. Klar ist es ärgerlich und beängstigend, wenn Fußballspiele, Konzerte oder andere Großveranstaltungen abgesagt werden, aber die Absagen haben gute Gründe: Werden bei Epidemien und Pandemien frühzeitig mehrere Schutzmaßnahmen ergriffen, breiten sich Viren langsamer aus und das hat Vorteile für alle. Das zeigen zwei vorab veröffentlichte Studien. Eine vorläufige Modellrechnung für England und Wales stellt dar, wie sich das Coronavirus dort je nach getroffenen Schutzmaßnahmen ausbreiten würde. Die andere Studie vergleicht, wie sich die "Spanische Grippe", eine Influenzawelle, pandemisch im Herbst 1918 in 17 US-amerikanischen Städte ausbreitete, und zwar je nachdem, ob, wann und wie viele Schutzmaßnahmen ergriffen wurden.

Die Vorteile eines langsamen Seuchen-Verlaufs

Der Vorteil ist, dass Gesundheitssysteme bei einem langsamen Seuchen-Verlauf (in der Grafik blau) nicht an ihre Leistungsgrenze stoßen, bei einem schnellen Seuchen-Verlauf (in der Grafik gelb) kann das passieren. Die US-Studie zeigt zudem, dass sich bei einem langsamen Pandemie-Verlauf durch frühzeitige Isolierungsmaßnahmen der Bevölkerung die Sterblichkeitsrate deutlich reduzierte. Das erklärt auch die Strategie der Bundesregierung:

"Je weniger Menschen sich gleichzeitig anstecken, desto besser kann unser Gesundheitssystem damit umgehen. Gerade Ältere und chronisch Kranke sind auf eine ausreichende Zahl verfügbarer Intensivbetten angewiesen. Oberstes Ziel ist es daher, den Ausbruch zu verlangsamen." Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am 9. März 2020.

Bei Epidemien und Pandemien die "Kurve flach halten"

Eine Rechnung zur Veranschaulichung: Der Virologe Hendrik Streeck verweist auf eine vorab veröffentliche Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass in der chinesischen Stadt Shenzhen 91 Prozent der an Covid-19 erkrankten leichte Verläufe hatten, neun Prozent erkrankten schwer. Es macht für das Gesundheitswesen einen großen Unterschied, ob diese neun Prozent bei einem epidemischen Geschehen gleichzeitig schwer erkranken oder verteilt über einen längeren Zeitraum.

Schneller versus langsamer Seuchen-Verlauf

Bei einem schnellen Verlauf, steigt der Bedarf an Ärzten, Krankenschwestern, Krankenhausbetten und Intensivstationen kurzfristig enorm an. Erkrankt zudem auch medizinisches Personal oder muss in Quarantäne, ist die Leistungsfähigkeit eines Gesundheitswesens schnell erschöpft. Breitet sich ein Virus langsam in der Bevölkerung aus, dauert die Erkrankungswelle zwar länger an, zwingt aber ein intaktes Gesundheitssystem nicht in die Knie. Grafisch gesprochen ist eine lange, flache Kurve besser als eine kurze, hohe Kurve.

© Centers for Disease Control and Prevention (CDC) / OurWorldinData.org / Grafik: BR

Modellrechnung für Coronavirus-Ausbreitung in England und Wales - vorab veröffentlichte Studie

Schließungen von Schulen und Kindergärten in Bayern ab 16. März!

Die bayerische Regierung hat die Maßnahmen gegen die Coronavirus-Ausbreitung verschärft. Ab 16. März 2020 gilt: Kein Unterricht an Schulen, Kindergärten werden geschlossen, ein stark eingeschränktes Besuchsrecht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Mehr Informationen finden Sie hier ...

Coronavirus - Was man selbst tun kann, um allen zu helfen

Während der Staat Großveranstaltungen absagt, Infektionsverläufe überprüft sowie im Verdachtsfall lokal Firmen schließt oder häusliche Quarantäne sowie Heimarbeit anordnet, um Infektionsketten zu unterbrechen, kann auch jeder Einzelne etwas tun. So sollte man sich oft und gründlich die Hände waschen, nicht in die Hände niesen oder husten, sondern in die Armbeuge sowie sich möglichst wenig ins Gesicht fassen, Körperkontakt im öffentlichen Bereich vermeiden und zum Beispiel aufs Händeschütteln verzichten. Es ist auch ratsam, große Menschenansammlungen so weit es geht zu meiden und momentan auch das Reisen einzuschränken.

Das Immunsystem stärken

Wer krank ist, bleibt daheim. Nutzen Sie Einmaltaschentücher statt Stofftücher und entsorgen sie diese in der Toilette oder in einem Mülleimer mit Deckel. Das Immunsystem wird gestärkt durch eine ausgewogenen Mischkost mit viel Gemüse und Obst sowie ausreichend Schlaf und ein bisschen Sport. Da Rauchen das Risiko einer Erkrankung mit dem neuen Coronavirus um das 14-fache erhöht, gibt es jetzt einen weiteren guten Grund, mit dem Rauchen aufzuhören.

Hamsterkäufe, Mundschutz und Desinfektionsmittel sind nicht nötig. Die meisten Infizierten erkranken nur leicht, Supermarkt-Regale werden regelmäßig aufgefüllt, der Mundschutz hilft nicht gegen Viren und Desinfektionsmittel schwächen die Hautbarriere und auf Dauer auch das Immunsystem.

Warum Menschen so unterschiedlich mit der Angst vor dem Coronavirus umgehen

© BR

Audio: Die einen horten Klopapier, die anderen gehen ohne Angst vor Ansteckung ins Fußballstadion. Menschen reagieren ganz unterschiedlich auf die Bedrohung durch Covid-19. Ein Interview mit dem Risikoforscher Ortwin Renn.

Der Podcast "Coronavirus-Update mit Christian Drosten" von NDRinfo ist jetzt auch täglich auf B5 aktuell zu hören - um 15.50 Uhr und 17.50 Uhr.