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Vegetarier sind introvertierter als Fleischesser | BR24

© picture alliance/dpa

Gemüse und Salat zu essen ist gesund und gut für die Figur.

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    Vegetarier sind introvertierter als Fleischesser

    Was unterscheidet Vegetarier von anderen Menschen, außer dass sie kein Fleisch essen? Das haben Wissenschaftler aus Leipzig untersucht und festgestellt: Vegetarier sind schlanker – und weniger extrovertiert.

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    Sind Vegetarier anders? Dieser Frage sind Forscher im Rahmen einer Studie am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) und dem Uniklinikum Leipzig nachgegangen. Sie untersuchten fast 9.000 Menschen, welche Zusammenhänge es zwischen Körper und Psyche auf der eine Seite und dem Verzicht auf den Verzehr tierischer Produkte auf der anderen gibt - unabhängig von Alter, Geschlecht und Bildungsstand.

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    Mehr Gemüse, weniger Bauch

    Ein Ergebnis lautete: Je seltener Nahrung tierischen Ursprungs auf dem Speiseplan stand, desto geringer ist im Schnitt der Body-Mass-Index (BMI) und damit das Körpergewicht. Die Forscher vermuten, dass eine Ursache dafür der geringere Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln bei pflanzlicher Ernährung sein könnte.

    "Dick machen vor allem übermäßig fett- und zuckerreiche Produkte. Sie regen den Appetit an und zögern das Sättigungsgefühl heraus. Verzichtet man auf tierische Nahrungsmittel, nimmt man im Schnitt weniger solcher Produkte zu sich." Evelyn Medawar, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Erstautorin der Studie, erschienen im Juni 2020 im Fachmagazin Nutrients

    Vegetarische Lebensmittel enthalten zudem Ballaststoffe und wirken sich positiv auf das Mikrobiom im Darm aus. Auch deswegen machen sie möglicherweise früher satt als Gerichte mit Fleisch und sorgen so für eine reduzierte Energiezufuhr. Aber nicht nur das frühere Sättigungsgefühl spielt vermutlich für das Gewicht eine Rolle, sondern auch der Lebensstil, zum Beispiel mehr Sport und ein größeres Gesundheitsbewusstsein.

    Lieber Käse als Wurst

    Beim BMI kommt es laut der Studie auch darauf an, welche tierische Produkte man zu sich nimmt. Wer vorwiegend sogenannte primäre Tierprodukte, etwa Fleisch, Wurst und Fisch, zu sich nimmt, hat meist einen höheren BMI als jemand, der eher sekundäre Tierprodukte isst, also Eier, Milch, Milchprodukte, Käse und Butter.

    "Dass eine Person einen 1,2 Punkte niedrigeren BMI hatte, bedeutete im Durchschnitt, dass sie auf bestimmte tierische Produkte ganz verzichtete, also etwa die primären, und sich vegetarisch ernährte. Oder dass sie zwar auch weiterhin Fleisch und Fisch aß, diese dafür aber insgesamt seltener." Evelyn Medawar

    Vegetarier und ihre Persönlichkeit

    Es gibt aber auch Zusammenhänge zwischen vegetarischer oder veganer Ernährung und der Persönlichkeit. Bei der Auswertung der Daten zeigte sich: Menschen mit vorwiegend pflanzlichen Lebensmitteln auf dem Speiseplan sind introvertierter als solche, die sich vorrangig von tierischen Produkten ernährten.

    "Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Es könnte daran liegen, dass introvertiertere Personen eher zu restriktiverem Essverhalten neigen oder sich aufgrund ihres Essverhaltens stärker sozial abgrenzen." Veronica Witte, Studienleiterin, Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

    Keine Neigung zu Neurosen und depressiven Verstimmungen erkennbar

    Andere Studien hatten vermuten lassen, dass pflanzliche Ernährung mit neurotischem Verhalten einhergeht. Das konnten die Forscherinnen nicht bestätigen.

    "Frühere Analysen hatten herausgefunden, dass neurotischere Menschen generell häufiger bestimmte Gruppen an Lebensmitteln weglassen und sich dahingehend restriktiver verhalten. Wir fokussierten uns hier allein auf den Verzicht von tierischen Produkten und konnten keine Korrelation beobachten." Studienleiterin Veronica Witte.

    Kein Zusammenhang war auch zwischen einer vorwiegend pflanzliche Ernährung und depressiven Verstimmungen festzustellen. Frühere Studien hatten solch eine Beziehung nahelegt.