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Krankheitsbild Wann spricht von einer Depression?

Es ist prinzipiell nicht ganz einfach, gewöhnliche Verstimmungszustände von einer richtigen Depression mit Krankheitswert abzugrenzen. Der gefundene Kompromiss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet: Es werden Symptome gezählt.

Von: Holger Kiesel

Stand: 04.04.2017

Depressionen: Frau stützt Kopf in Hand | Bild: picture-alliance/dpa

Sind ausreichend Merkmale wie z.B. Antriebslosigkeit, Verlust von Interesse oder Schlafstörungen in deutlicher Ausprägung über mehr als zwei Wochen hinweg vorhanden, besteht der Verdacht auf eine behandlungsbedürftige Depression. Dabei sollte allerdings erwähnt werden, dass es auch deutlich kürzere und zum Teil ernsthafte depressive Episoden geben kann. In Deutschland zeigen mehr als zehn Prozent der Bevölkerung im Laufe eines Jahres Symptome einer Depression, von denen aber nicht alle tatsächlich eine behandlungsbedürftige Erkrankung entwickeln.

Wann wird die Stimmungsschwankung zur Depression?

Stimmungsschwankungen kennt jeder Mensch. Sie können innerhalb von Stunden oder Tagen auftreten, und man kann oft sogar von ihnen profitieren: Dinge mal aus einem eher optimistischen, mal aus einem eher pessimistischen Blickwinkel zu betrachten kann Menschen helfen, am Ende die bestmögliche Entscheidung in einer unübersichtlichen Angelegenheit zu treffen. Depressive Verstimmungen können als Signale unseres Organismus aufgefasst werden sich vor einer drohenden Überlastung zu schützen.

Der Burnout

Vom Burnout spricht man, wenn jemand aufgrund dauerhafter Arbeitsüberlastung depressiv erkrankt. Es handelt sich um keine eigene Diagnose, sondern quasi um eine Spielart der Depression.

"Meiner Ansicht nach ist der Burnout ein Etikett, das es gerade Männern leichter macht, über ihre Depressionen zu sprechen! Wenn sie zu viel Arbeit als Erklärung für ihre psychischen Probleme heranziehen können, kommen sie damit häufig besser klar."

Prof. Dr. Hans Förstl, Direktor der Psychiatrischen Klinik an der Technischen Universität München

Es trifft mehr Frauen als Männer

Die Depression gilt gemeinhin als Erkrankung, die mehr Frauen als Männer trifft. Das könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass Frauen häufig kommunikativer sind und eher dazu bereit, auch über ihre Schwächen offen zu reden. Depressive Männer entwickeln oft andere auffällige Verhaltensweisen (z.B. heftige Aggressionen), die primär gar nicht mit Depressionen in Verbindung gebracht werden – auch nicht von den Betroffenen selbst.

In welchem Alter kommt eine Depression?

Depressionen können im Prinzip in jedem Lebensalter auftreten. Etwas überdurchschnittlich betroffen sind Menschen mittleren Alters. Aber auch ältere Menschen leiden häufiger an Depressionen. In dieser Altersgruppe sind sie zudem oft schwerer zu behandeln, da es hier häufig Auslöser und Ursachen gibt (Einsamkeit, Verluste, körperliche Gebrechen), die nicht so leicht in den Griff zu bekommen sind.

Symptome der Depression

Die Liste der möglichen Symptome bei Depressionen ist lang. Für den Verdacht einer derartigen Erkrankung sollten mindestens zwei Haupt- und zwei Nebenmerkmale länger als zwei Wochen vorhanden sein. Die Hauptsymptome sind:

  • depressive Stimmung
  • verminderter Antrieb
  • Verlust von Interesse und Freude

Daneben können auftreten:

  • Schlafstörungen
  • Schuldgefühle
  • Appetitlosigkeit
  • negative Zukunftsperspektiven
  • schwaches Selbstwertgefühl
  • verminderte Konzentration
  • Suizidgedanken

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