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Schlafdrinks - Placebo oder wirksames Mittel zur Entspannung? | BR24

© picture-alliance/dpa

Viele Menschen finden nachts keinen Schlaf. Schlafdrinks versprechen Abhilfe.

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Schlafdrinks - Placebo oder wirksames Mittel zur Entspannung?

Schlafdrinks werden als das neue In-Getränk für gestresste Menschen, die runterkommen wollen, angepriesen. Angeboten werden sie in Dosen, in Ampullen oder als Mundsprays. Aber die Schlummerdrinks enthalten Melatonin und Baldrian in hoher Dosierung.

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Sie heißen Sleep.ink, Sleep Spray, Tyme Out oder Snoooze. Man kann sie als Antwort auf den Energy-Drink-Boom sehen, der dem Getränkemarkt weltweit im Jahr 2018 einen Umsatz von 45 Milliarden Dollar einbrachte. Die neuen Schlafdrinks eröffnen jetzt ein ganz neues Marktsegment, das der Relaxation-Drinks.

Ein großer Markt, der hohe Umsätze verspricht

Knapp fünf Millionen Deutsche leiden laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin an chronischen Schlafstörungen. Da kommt das Versprechen der Relaxation-Drinks, schneller ein- und besser durchzuschlafen, möglicherweise gut an. Der Markt ist riesig, sagt Hans-Peter Vriens aus Salzburg. Er muss es wissen: Lange Jahre hat er als Red Bull-Manager daran gearbeitet, die Leute aufzuputschen. Inzwischen vertreibt er selbst zwei solcher Schlafdrinks.

Muntere Menschen müde machen

Passionsblume, kalifornischer Mohn, Hopfen, Melisse und Maca-Wurzel: Mit den unterschiedlichsten Inhaltsstoffen wollen die Hersteller dem Schlaf auf die Sprünge helfen. Das meiste davon ist aus Sicht von Schlafmedizinern wohl nur ein Placebo. Wirklich interessant sind eigentlich nur zwei Zutaten: das Schlafhormon Melatonin (in Sleep.ink und Sleep Spray enthalten) und der altbekannte Baldrian, nicht zuletzt aufgrund seiner besonderen Wirkstoffkonzentration.

Dosis macht die Schlafmittelwirkung aus

Das Verkaufsargument für Schlafdrinks sind die hohen Dosierungen. In einer üblichen Baldriantablette aus der Apotheke sind 400 bis 600 Milligramm Baldrianwurzel-Extrakt enthalten. In einer Dose Snoooze Strong befinden sich 1.200 Milligramm, die zwei- bis dreifache Menge, sagt Dr. Peter Geisler, ärztlicher Leiter des Schlaflabors am Bezirksklinikum Regensburg.

Doch auch pflanzliche Mittel kann man überdosieren, selbst wenn sie nicht verschreibungspflichtig sind. Speziell bei Baldrian kann sich bei einer Überdosierung Unruhe einstellen. Allerdings gibt es bei den pflanzlichen Beruhigungsmitteln keinerlei Hinweise auf Abhängigkeiten.

Melatonin-Drinks in den USA der Renner

Noch effektiver soll das Melatonin sein, ein Hormon, das von der Zirbeldrüse im Hirn produziert wird und den Tag-Nacht-Rhythmus im Körper steuert. Ein Milligramm künstliches Melatonin ist in einigen Relaxation-Drinks enthalten. Das ist die Hälfte der Dosis, die in verschreibungspflichtigen, in der EU zugelassenen Melatonin-Medikamenten enthalten ist. In den USA sind Melatonin-Drinks zum Einschlafen bereits der Renner.

Menge der Inhaltsstoffe variieren

Hier liegt das Problem: Selbst, wenn bei den Schlafdrinks auf der Verpackung ein Wirkstoff mit der Menge X angegeben ist – der tatsächliche Gehalt kann bis zu 50 Prozent abweichen. Das ist völlig legal – inklusive aller damit verbundenen Nebenwirkungen. Hintergrund ist die Einstufung der Drinks als Nahrungsergänzungsmittel. Bei denen darf – anders als bei Arzneimitteln – die Menge eines Wirkstoffs sehr stark variieren. Bei Arzneien sind maximal fünf Prozent Abweichung erlaubt.

"Theoretisch hört sich das sehr gut an, weil man weiß, dass bei Schlaflosigkeit diese Stoffe fehlen - und zwar Melatonin, Vitamin B und so weiter. Aber: Niemand weiß, ob die Angaben für die Menge der Inhaltsstoffe auf den Schlafdrinks realistisch sind und ob die Menge an Melatonin dem Inhalt entspricht." Prof. Dr. Kneginja Richter, Leiterin der Schlafambulanz am Klinikum Nürnberg

Wer also für seinen Schlaf auf Nummer sicher gehen will, dem rät Schlafmediziner Geisler: "Wenn man eine wirklich pharmakologische Wirkung haben will, dann ist sicherlich der Baldriantee das sinnvollste Mittel."

© Bayerischer Rundfunk

Knapp fünf Millionen Deutsche leiden an chronischen Schlafstörungen, Tendenz steigend. Wenn der Schlaf nicht kommen will, ist guter Rat teuer. Zunehmenden Absatz finden diverse Schlafdrinks! Aber die sind oft nicht ganz unbedenklich.