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Pariser Klimaabkommen: Warum das 1,5-Grad-Ziel so wichtig ist | BR24

© picture alliance / Eibner-Pressefoto/ Uwe Koch/ Eibner-Pressefoto
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Das im Pariser Klimaabkommen angestrebte 1,5-Grad-Ziel ist nicht belanglos. Es muss erreicht werden, um unsere Erde zu erhalten, sagen Forscher.

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    Pariser Klimaabkommen: Warum das 1,5-Grad-Ziel so wichtig ist

    Ziel des Pariser Klimaabkommens ist es, die durchschnittliche Erdtemperatur auf 1,5 Grad vor dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Warum muss es dieser Wert sein? Entscheidend dafür sind der Amazonas-Regenwald, Korallenriffe und "Kipppunkte".

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    Von
    • Axinja Weyrauch
    • Sylvaine von Liebe

    Kleine Inselstaaten sind von den Folgen des Klimawandels besonders bedroht. Ihre Regierungen wählen deshalb mitunter drastische Mittel, um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. So kaufte die Regierung von Kiribati, einem Inselstaat im zentralen Pazifik, 2016 schon einmal Land auf den Fidschi-Inseln. Für den Fall der Fälle, falls Kiribati durch den steigenden Meeresspiegel doch geschluckt wird und die Bevölkerung gezwungen wäre, vorher auf ein vom Meer nicht bedrohtes Gebiet zu flüchten.

    Unvergessen sind auch die Bilder von den Regierungsmitgliedern der Malediven, die 2009 in Taucheranzügen auf dem Meeresgrund tagten, um die Welt für die Gefahren des Klimawandels zu sensibilisieren.

    Kleine Inselstaaten drängen auf Zusatz im Pariser Klimaabkommen

    Entsprechend haben auch kleine Inselstaaten wie Kiribati und die Malediven beim Abschluss des Pariser Klimaabkommens darauf gedrängt, dass ein kleiner Vermerk auf keinen Fall fehlen darf, nämlich, dass von den Staaten "Anstrengungen unternommen werden, um den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen".

    Die Bedeutung von Kipppunkten fürs Klima

    Warum es genau diese 1,5 Grad Celsius, im Idealfall noch weniger, aber auf keinen Fall mehr sein dürfen, um unsere Erde zu schützen, verdeutlichen wissenschaftliche Modellrechnungen. Dabei entscheidend sind sogenannte "Kippunkte".

    Als Kipppunkt bezeichnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Grenzwerte, ab denen sich ein fürs Klima wichtiges Element, ein sogenanntes "Kippelement", so verändert, dass wir deren Auswirkungen gar nicht mehr berechnen können. Das heißt auch: Werden diese fürs Klima so wichtigen Grenzwerte überschritten, werden damit Prozesse angestoßen, die wir nicht mehr zurückdrehen können und nicht mehr kontrollieren können. Von einem "point of no return" sprechen Klimaexperten dann oft.

    Die Rolle des Regenwaldes als CO2-Speicher

    Der Amazonas-Regenwald ist ein solches "Kippelement". Das soll heißen: Seine Entwicklung entscheidet maßgeblich darüber, wie sich unser Klima in Zukunft entwickeln wird. Momentan speichern die riesigen Waldflächen in Brasilien und anderen Ländern Südamerikas noch massenweise Kohlendioxid - Schätzungen zufolge sind es 80 bis 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, die auf dem Gebiet des Amazonas in Pflanzen und Böden aufgenommen werden.

    Kippt der Wald und funktioniert das System nicht mehr, verwandelt sich diese "grüne Lunge der Erde" vom großen CO2-Speicher zum großen CO2-Ausstoßer. Etwa acht- bis zwölfmal so viel Kohlendioxid bläst der Regenwald dann in die Atmosphäre - das ist so viel wie derzeit in einem Jahr auf der ganzen Welt durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erzeugt wird. Mit fatalen Auswirkungen fürs Klima. Nur mit der Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles kann dieses Szenario verhindert werden, sagen Forscher.

    Warum Korallenriffe fürs Klima wichtig sind

    Und auch für die Korallenriffe ist die im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbarte Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles besonders wichtig. So könnten Prognosen zufolge wenigstens 10 bis 30 Prozent der Tiere gerettet werden. Wird es allerdings noch wärmer, sterben sie alle ab.

    Die Folgen des Klimawandels und der wärmer werdenden Ozeane zeigen sich schon heute am Great Barrier Reef: Über die Hälfte der Korallen am vor Australien gelegenen Riff sind laut einer neuen Studie In den vergangenen 20 Jahren bereits abgestorben.

    Ob die Korallenriffe überleben oder nicht, ist fürs Klima nicht unerheblich. Schließlich sind laut der US-amerikanischen Ozeanbehörde NOAA weltweit mehr als eine halbe Milliarde Menschen auf intakte Korallenriffe angewiesen - als Nahrungsquelle, Einkommen und für den Schutz der Küsten, die die Riffe vor Überschwemmungen bieten. Wenn das für die vielen Menschen wegfiele, würde sich das auch negativ auf unser Klima auswirken. Aber das ist eben nur bei der Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles zu verhindern.

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