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Was die Artenvielfalt gefährdet: Plastikmüll, Pestizide, der Verlust von Lebensräumen an Land und in Meeren.

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    Neue Strategie gegen das Artensterben bis 2030 vorgestellt

    Vom 11. bis 24. Oktober 2021 findet im chinesischen Kunming die 15. Weltnaturschutzkonferenz (Cop15) statt. Dort soll eine neue Strategie beschlossen werden, wie der Verlust von Arten und Lebensraum gebremst werden kann. Ein Entwurf liegt nun vor.

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    • BR Wissen

    Ein Jahr später als geplant findet im Herbst 2021 die nächste Weltnaturschutzkonferenz statt. Grund der Verschiebung ist die Corona-Pandemie. Auf der 15. Weltnaturschutzkonferenz (Cop15) soll über eine neue Strategie zum Schutz der Biodiversität für die kommenden zehn Jahre verhandelt und auch beschlossen werden. Einen ersten Entwurf zu dieser Strategie gibt es nun auch. Formuliert hat ihn das Sekretariat des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD). Über den Entwurf wird bis zum Herbst weiter verhandelt.

    Das CBD, eine UN-Konvention, ist 1993 in Kraft getreten und völkerrechtlich bindend. Es gilt als das wichtigste multilaterale Vertragswerk zum Schutz der Artenvielfalt. Die meisten der 196 Vertragsstaaten haben es unterzeichnet. Die USA gehörten nicht dazu.

    Schutz der Biodiversität - Ziele bis 2030 und 2050

    Der Entwurf, der am 12. Juli 2021 veröffentlicht wurde, enthält 21 Ziele und 10 Meilensteine. So sollen bis 2030 beispielsweise:

    • mindestens 30 Prozent der für Biodiversität besonders wichtigen Landflächen und Meere bewahrt und geschützt werden.
    • 50 Prozent weniger invasive Arten eingebracht werden. Die Kontrolle oder die Entfernung von invasiven Arten und den Schäden, die sie erzeugen, soll intensiviert werden.
    • der Verlust von Nährstoffen um mindestens die Hälfte reduziert werden und der Einsatz von Pestiziden um mindestens zwei Drittel. Dazu soll weniger Plastikmüll produziert werden.
    • der Klimawandel mit natürlichen Mitteln auf wenigstens zehn Gigatonnen CO2-Äquivalente (10 GtCO2e) pro Jahr reduziert werden. Alle Beiträge und Anpassungen sollen die Biodiversität nicht negativ beeinflussen.
    • Fördergelder, die der Biodiversität schaden, gerecht und fair umgeleitet, umgenutzt, umgestaltet oder gestrichen werden. Dabei könnten schädliche Subventionen um mindestens 422 Milliarden Euro im Jahr reduziert werden.
    • mindestens 169 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für Entwicklungsländer bereitgestellt werden.

    Die Corona-Krise hat ein weiteres Thema aufs Tapet gebracht: Wie kann das Risiko von Pandemien auch über Naturschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt verringert werden? Der weitere Fahrplan sieht vor, dass bis zum Jahr 2050 die Geschwindigkeit des Artensterbens deutlich abgebremst und das Risiko, dass Arten überhaupt sterben, halbiert werden. Spätestens ab dem Jahr 2050 soll die Menschheit dann "in Einklang mit der Natur leben". "Dies ist unsere letzte Chance, der Verlust der Biodiversität ist schlimmer als je zuvor in der Menschheitsgeschichte" warnt Elizabeth Maruma Mrema, Leiterin des Sekretariats der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (CBD).

    Naturschutz weltweit - Anspruch und Wirklichkeit

    Der Haken: Die Vertragsstaaten haben sich schon in der Vergangenheit ehrgeizige Ziele gesetzt und nicht eingehalten. Die Ziele des vorherigen UN-Biodiversitätsprogramms und seine 20 sogenannten "Aichi-Ziele", die bis 2020 umgesetzt werden sollten, wurden teils verfehlt, wie ein Bericht vom Mai 2021 zeigt. Anspruch und Wirklichkeit im Naturschutz liegen oft weit auseinander. Die "Aichi-Ziele" kann man hier nachlesen.

    Info "Aichi-Ziele"

    Aichi heißt die japanische Provinz, in der im Jahr 2010 der "Strategische Plan für Biodiversität 2011-2020" beschlossen wurde. Der Plan enthielt fünf strategische Ziele und 20 konkrete Handlungsziele, die sogenannten "Aichi-Ziele". Diese sollten den Verlust an biologischer Vielfalt stoppen und sicher stellen, dass im Jahr 2020 die Ökosysteme widerstandsfähig sind und die essenziellen Ökosystemdienstleistungen für die gesamte Menschheit bereitstellen. (Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit)

    Reaktionen auf das neue UN-Biodiversitätsprogramm

    Der Biodiversitätsexperte Florian Titze von der Naturschutzorganisation WWF beklagt auf dpa-Nachfrage, dass "die enthaltenen Ziele nicht ausreichen, um das Artensterben weltweit bis 2030 zu stoppen." Der ökologische Fußabdruck des Konsums und der Produktion werde damit nicht weit genug reduziert. Es wäre mindestens eine Halbierung bis 2030 notwendig. Dazu gehöre auch die Nahrungsmittelproduktion, wo der Entwurf deutlich zu schwach sei. Die Transformation zu nachhaltigen Wirtschafts- und Finanzsystemen sei grundsätzlich viel zu wenig im Fokus. "Wenn weiter im großen Stil in die Zerstörung der Natur investiert wird, dann helfen auch ambitionierte Flächenschutzziele nichts."

    Oscar Soria von der Nichtregierungsorganisation Avaaz antwortet auf AFP-Anfrage, dass die vorgeschlagenen Werte das "absolute Minimum" seien. Wenn der Entwurf die Verhandlungen auf dem Gipfel überstehe, wäre zumindest ein "solider Entwurf für die Erhaltung von Biodiversität" geschaffen.

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