Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel

Internationale Klimapolitik Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel

Stand: 29.05.2020

Zähes Ringen im internationalen Klimaschutz ist nichts Neues: Schon seit Jahren stehen sich politischer Unwille und die immer dringlichere Notwendigkeit zu handeln gegenüber. Dem Klimawandel begegnen kann nur globale Politik.

Und das versucht sie auch, wenn auch nicht mit dem Tempo und Nachdruck, den sich viele Klimaforscher, Umweltschützer und "Fridays for Future"-Demonstranten wünschen würden. Doch Jahr für Jahr bemühen sich viele Staaten weltweit, verbindlichen Klimaschutz voranzubringen.

Klimagipfel COP 26 wegen Corona-Krise auf 2021 verschoben

Der nächste UN-Klimagipfel (COP 26) hätte eigentlich im November 2020 im schottischen Glasgow stattfinden sollen, wurde aber wegen der akuten Corona-Pandemie im April 2020 abgesagt. Die nächste Klimakonferenz soll vom 1. bis 12. November 2021 stattfinden.

Klimagipfel in Madrid

Vom 2. bis 13. Dezember 2019 fand in Madrid der 25. Klimagipfel (COP 25) statt. Das Treffen stand unter dem Motto "Zeit zu handeln". Die Verhandlungen in Madrid waren zäh, am Ende stand zumindest eine gemeinsame Abschlusserklärung. Was drin steht und was nicht - ein Überblick:

Zeit zu handeln wird es, denn im Jahr 2020 müssen von den knapp 200 Ländern Nachbesserungen der Klimaschutzziele für 2030 vorgelegt werden, wie im Klimaabkommen von Paris 2015 beschlossen. Beim Klimagipfel in Madrid sollte das vorbereitet werden. Umweltorganisationen hofften, dass sich einzelne Länder bereits in diesem Jahr zu verbesserten Klimaschutzzielen verpflichten. Doch die Bilanz fiel ernüchternd aus. Aus Sicht der Klimaschutzorganisationen gehen die Beschlüsse auf dem Klimagipfel in Madrid nicht weit genug und sind zu wenig konkret.

Erderwärmung schreitet voran

Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenzen sind sich immerhin einig, dass die Erderwärmung zumindest gebremst werden muss. Doch statt den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, bläst die Menschheit immer mehr davon in die Erdatmosphäre. Im Jahr 2017 war die Konzentration an CO2 in der Erdatmosphäre so hoch wie noch nie, warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

"Wir müssen uns klar darüber werden, dass wir heute noch Entscheidungsoptionen haben, dass wir ein Zeitfenster haben vielleicht von zwanzig Jahren, in dem wir darüber befinden, wie nachfolgende Generationen das Klima auf dieser Erde erleben werden."

Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut, anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Teils des fünften Weltklimaberichts des Weltklimarats IPCC im April 2014

Nach Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) wird die Temperatur Ende des Jahrhunderts vier Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Der Weltklimabericht des IPCC zeigt das deutlich.

Historische Schuld und künftige Sünder

Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist die weltweite Durchschnittstemperatur bereits deutlich gestiegen. Der größte Teil der Treibhausgase wird weiterhin von den Industrieländern ausgestoßen. Die Pro-Kopf-Emission wird dort noch auf Jahre die der Entwicklungsländer deutlich übersteigen. Die Industrieländer haben daher eine historische wie aktuelle Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel - so sieht es jedenfalls die EU. Doch es ist auch klar, dass die Entwicklungsländer den Industriestaaten auf dem Weg des Fortschritts folgen wollen und somit mehr Treibhausgase ausstoßen werden.

Aufschwung ohne Emissionszuwachs

Besonders in Schwellenländern wie China und Indien werden die Emissionen in den nächsten Jahren stark zunehmen, wenn es nicht gelingt, das erwünschte wirtschaftliche Wachstum von der Zunahme der Treibhausgase zu entkoppeln. Doch viele Entwicklungsländer fürchten: Strenge globale Regeln für den Klimaschutz könnten ihr Wirtschaftswachstum bremsen. Das Kyoto-Protokoll hatte die Entwicklungsländer bislang von allen Verpflichtungen ausgenommen. Umso dringender war es, mit dem Abkommen von Paris ein neues globales Klimaabkommen zu finden, dem sich auch Schwellen- und Entwicklungsländer anschließen konnten.

Deutschland enttäuscht die Erwartungen

Und bei uns? Deutschland hat nicht mehr die Vorreiterrolle, die es in Sachen Klimaschutz in den vergangenen Jahren innehatte. Deutschland wird voraussichtlich die selbstgesteckten Klimaschutzziele für 2020 nicht erreichen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mahnt, dass die Bunderegierung sowohl die nationalen als auch die europäischen Klimaziele verfehlen werde. Und dass, obwohl nach Angaben von Bundesumweltministerin Svenja Schulze "jeder in Deutschland lebende Mensch pro Kopf rund doppelt so viele Emissionen jährlich verursacht wie der Durchschnitt der Menschheit".

  • 2020 - Am Scheideweg für Klima und Umwelt. IQ - Wissenschaft und Forschung, 17.12.2019, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Halbzeit auf dem Klimagipfel in Madrid. nano, 10.12.2019 um 16:00 Uhr, ARD-alpha
  • Klimaneutralität - Wie beim Ausgleich für die Atmosphäre geschummelt wird. IQ - Wissenschaft und Forschung, 11.12.2019 um 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Klimanotstand wozu und ab wann? IQ - Wissenschaft und Forschung, 29.11.2019, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Menschengemachter Klimawandel - Warum Forscher schon vor 40 Jahren gewarnt haben. IQ - Wissenschaft und Forschung, 17.06.2019, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • Abschluss der Klimakonferenz. nano, 18.12. um 17:45 Uhr, ARD-alpha
  • Weltklimagipfel: Außer Spesen nichts gewesen? Unkraut, 17.12. um 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Kommentar zum Klimagipfel in Kattowitz. radioWelt, 17.12. um 06:05 Uhr, Bayern 2
  • Geteiltes Echo auf den Klimagipfel in Kattowitz. Rundschau, 16.12.2018 um 18:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Unkraut: Klimawandel: Sind wir noch zu retten? 6.11.2017, 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • nano: Klimagipfel Bonn. 7.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Weltklimakonferenz in Bonn – Hält die Aufbruchstimmung an? 7.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • nano spezial: Klimagipfel live. 16.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Klimagipfel in Bonn – Forscher ziehen erste Bilanz. 17.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • nano-spezial: Klima-Gipfel. 20.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • orange: Meer essen Heimat auf - Fidschi und der Kampf gegen den Klimawandel. 6.11.2017, 9:05 Uhr, Bayern 2