Wissen - Klimawandel

Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel

Internationale Klimapolitik Nach dem Gipfel ist vor dem Gipfel

Stand: 16.12.2018

Die Erde zwischen unseren Händen | Bild: picture-alliance/dpa

Zähes Ringen im internationalen Klimaschutz ist nichts Neues: Schon seit Jahren stehen sich politischer Unwille und die immer dringlichere Notwendigkeit zu handeln gegenüber. Dem Klimawandel begegnen kann nur globale Politik.

Und das versucht sie auch, wenn auch nicht mit dem Tempo und Nachdruck, den sich viele Klimaforscher und Umweltschützer wünschen würden. Doch Jahr für Jahr bemühen sich Staaten weltweit, verbindlichen Klimaschutz voranzubringen. Zuletzt bei der UN-Klimakonferenz 2018 in Kattowitz in Polen. Dort wurde das Regelwerk verabschiedet, dass die konkrete Umsetzung der Klimaschutzziele zum Paris-Protokoll kontrollierbar machen soll.

Besonderen Ehrgeiz konnte die UN-Klimakonferenz 2018 tatsächlich nicht vorweisen. So war es nicht möglich, sich statt auf das Zwei-Grad-Ziel darauf zu einigen, die Erderwärmung auf nur 1,5 Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, wie es der Weltklimarat in seinem jüngsten Bericht eindringlich gefordert hat.

Nächster Klimagipfel COP 25

Der nächste Klimagipfel, COP 25, wird in Chile stattfinden - im Dezember 2019 oder Januar 2020. "COP" steht für "Conference of the Parties", die Konferenz der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention UNFCCC. Diese Konvention wurde im Jahr 1992 in Rio de Janeiro unterzeichnet. Die UN-Klimakonferenz in Chile wird der 25. Klimagipfel sein, daher COP 25. Parallel kommen beim jährlichen Klimagipfel seit 2005 auch die Unterzeichner und Ratifizierer des Kyoto-Protokolls zusammen und seit 2016 zudem die Unterzeichner des Paris-Abkommens.

Erderwärmung schreitet voran

Die Teilnehmer der UN-Klimakonferenzen sind sich immerhin einig, dass die Erderwärmung zumindest gebremst werden muss. Doch statt den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, bläst die Menschheit immer mehr davon in die Erdatmosphäre. Im Jahr 2017 war die Konzentration an CO2 in der Erdatmosphäre so hoch wie noch nie, warnte die Weltorganisation für Meteorologie (WMO).

"Wir müssen uns klar darüber werden, dass wir heute noch Entscheidungsoptionen haben, dass wir ein Zeitfenster haben vielleicht von zwanzig Jahren, in dem wir darüber befinden, wie nachfolgende Generationen das Klima auf dieser Erde erleben werden."

Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut, anlässlich der Veröffentlichung des zweite Teils des fünften Weltklimaberichts des Weltklimarats IPCC im April 2014

Nach Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) wird die Temperatur Ende des Jahrhunderts vier Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Der Weltklimabericht des IPCC zeigt das deutlich.

Warum die Einigung im Klimaschutz so schwierig ist

Industriestaaten gegen Schwellenländer

Historisch betrachtet sind die heutigen Industrieländer die Hauptverantwortlichen für die Erderwärmung. Zwar stößt heutzutage das Schwellenland China deutlich mehr Treibhausgase aus als die USA. Aber CO2 wirkt in der Atmosphäre etwa 100 Jahre lang nach. Werden alle Emissionen seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen um 1850 zusammengerechnet, führen die USA gefolgt von der EU die Liste an. Aus dieser Tatsache leiten aufstrebende Wirtschaftsnationen ab, sie hätten in Sachen Treibhausgase noch etwas gut, um in ihrer Entwicklung weiterzukommen.

Pro-Kopf-Ausstoß

Je nach Statistik lässt sich die Bevölkerung des einen oder eines anderen Landes zum Sündenbock in Klimafragen erklären. So kann man auch den Pro-Kopf-Ausstoß, also wie viel jeder einzelne Bürger eines Staates zur Erderwärmung beiträgt, in den Mittelpunkt der Berechnungen stellen. Nimmt man statt der nationalen Gesamtemissionen den Pro-Kopf-Ausstoß als Richtmaß, sind Australien, die USA, Saudi-Arabien und Kanada die Hauptsünder.

Entwicklungsländer zahlen drauf

Die klimatischen Veränderungen werden allen Vorhersagen und Statistiken zufolge besonders die Menschen in Entwicklungsländern treffen. Niedrig liegende Küstengebiete in Bangladesch und Inseln wie die Malediven sind von einem steigenden Meeresspiegel bedroht. In der Sahelzone werden durch mehr Dürren und Überschwemmungen die Nahrungsmittel und Trinkwasser noch knapper. Diesen Ländern mangelt es jedoch nicht nur an Geld und Technologie, um sich besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Sie haben kaum Lobby und nur eine schwache Verhandlungsposition in den internationalen Gesprächen.

Nationale Wirtschaftsinteressen

Häufig kollidieren internationale verbindliche Zusagen mit wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen im eigenen Land. Für die Schwellenländer hat das Wirtschaftswachstum Priorität. Die Golfstaaten leben vom Export von Erdöl, Deutschland vom Export energie- und kostenintensiver Technologie. Brasilien rodet Amazonas-Regenwälder und belastet damit das Weltklima. Australien, die USA und Kanada setzen noch immer hauptsächlich auf fossile Brennstoffe. In der Vergangenheit haben diese Staaten die Verhandlungen oft ausgebremst.

Innenpolitische Abhängigkeiten

Die Klimapolitik eines Landes kann sich durch veränderte innenpolitische Konstellationen schnell ändern. In Deutschland lässt der Atomausstieg und der schleppende Ausbau regenerativer Energien die CO2-Emissionen wieder ansteigen. Die australischen Konservativen haben sich gegen die Klimaschutz-Steuer ihrer Vorgänger entschieden. Dem ehemaligen US-Präsident Obama fehlte die Mehrheit im Kongress, um sein geplantes Klimagesetz durchzusetzen. Sein Nachfolger Donald Trump kehrte die Marschrichtung beim Klimaschutz komplett um. Langfristige Klimapolitik ist so innenpolitisch oft nur schwer durchsetzbar.

Historische Schuld und künftige Sünder

Im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist die weltweite Durchschnittstemperatur bereits deutlich gestiegen. Der größte Teil der Treibhausgase wird weiterhin von den Industrieländern ausgestoßen. Die Pro-Kopf-Emission wird dort noch auf Jahre die der Entwicklungsländer deutlich übersteigen. Die Industrieländer haben daher eine historische wie aktuelle Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel - so sieht es jedenfalls die EU. Doch es ist auch klar, dass die Entwicklungsländer den Industriestaaten auf dem Weg des Fortschritts folgen wollen und somit mehr Treibhausgase ausstoßen werden.

Aufschwung ohne Emissionszuwachs

Besonders in Schwellenländern wie China und Indien werden die Emissionen in den nächsten Jahren stark zunehmen, wenn es nicht gelingt, das erwünschte wirtschaftliche Wachstum von der Zunahme der Treibhausgase zu entkoppeln. Doch viele Entwicklungsländer fürchten: Strenge globale Regeln für den Klimaschutz könnten ihr Wirtschaftswachstum bremsen. Das Kyoto-Protokoll hatte die Entwicklungsländer bislang von allen Verpflichtungen ausgenommen. Umso dringender war es, mit dem Abkommen von Paris ein neues globales Klimaabkommen zu finden, dem sich auch Schwellen- und Entwicklungsländer anschließen konnten.

Deutschland enttäuscht die Erwartungen

Und bei uns? Deutschland hat nicht mehr die Vorreiterrolle, die es in Sachen Klimaschutz in den vergangenen Jahren innehatte. Deutschland wird voraussichtlich die selbstgesteckten Klimaschutzziele für 2020 nicht erreichen.

  • Abschluss der Klimakonferenz. nano, 18.12. um 17:45 Uhr, ARD-alpha
  • Weltklimagipfel: Außer Spesen nichts gewesen? Unkraut, 17.12. um 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • Kommentar zum Klimagipfel in Kattowitz. radioWelt, 17.12. um 06:05 Uhr, Bayern 2
  • Geteiltes Echo auf den Klimagipfel in Kattowitz. Rundschau, 16.12.2018 um 18:30 Uhr, BR Fernsehen
  • Unkraut: Klimawandel: Sind wir noch zu retten? 6.11.2017, 19:00 Uhr, BR Fernsehen
  • nano: Klimagipfel Bonn. 7.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Weltklimakonferenz in Bonn – Hält die Aufbruchstimmung an? 7.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • nano spezial: Klimagipfel live. 16.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • IQ - Wissenschaft und Forschung: Klimagipfel in Bonn – Forscher ziehen erste Bilanz. 17.11.2017, 18:05 Uhr, Bayern 2
  • nano-spezial: Klima-Gipfel. 20.11.2017, 16:30 Uhr, ARD-alpha
  • orange: Meer essen Heimat auf - Fidschi und der Kampf gegen den Klimawandel. 6.11.2017, 9:05 Uhr, Bayern 2