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Mehr Corona-Tote wegen Blutdrucksenkern? | BR24

© picture alliance/Klaus Rose

Blutdrucksenker stehen im Verdacht, Covid-19 zu befördern.

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    Mehr Corona-Tote wegen Blutdrucksenkern?

    ACE-Hemmer zur Senkung des Blutdrucks stehen im Verdacht, dass sie dem neuartigen Corona-Virus die Pforten öffnen und dadurch die Sterblichkeit erhöhen könnten. Trotzdem empfehlen Experten, die Medikamente nun keinesfalls eigenmächtig abzusetzen.

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    Der US-amerikanische Tropenmediziner James H. Diaz von der Louisiana State Universität veröffentlichte am 18. März 2020 im Journal of Travel Medicine die These, dass Blutdrucksenker das Risiko für einen schweren Verlauf bei Covid-19 erhöhen könnten.

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Eine hohe Sterblichkeit bei Menschen mit Bluthochdruck

    Seit die Corona-Krise Todesopfer fordert, fällt auf, dass unter anderem Menschen mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen besonders betroffen sind. Sie haben weniger Reserven als Gesunde. Aber es taucht immer wieder die Frage auf, ob auch die Blutdrucksenker, die diese Patienten regelmäßig einnehmen, den Verlauf der Krankheit ungünstig beeinflussen könnten. In Deutschland nimmt jeder Zweite im Alter über 55 Jahren solche Arzneien ein.

    Blutdrucksenker erhöhen die Zahl der Enzyme ACE2

    Die Hypothese lautet: Das neuartige Coronavirus kann mit bestimmten Medikamenten leichter in die Körperzellen eindringen und Schaden anrichten. Um in die Zellen zu kommen, braucht es einen Türöffner. Ein Eiweißstoff - das Enzym ACE2 - dient generell als Eintrittspforte in die Zellen. Blutdrucksenkende Mittel, aber auch Nieren- und Diabetesmedikamente, erhöhen die Zahl dieser Eiweiße auf der Zelloberfläche. Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass dadurch auch mehr Coronazellen Zutritt bekommen - insbesondere zu Lungenzellen.

    Herzkranke, Diabetiker und Nierenkranke besonders von Covid-19 betroffen

    Der Mediziner James H. Diaz stützt seine Hypothese auf Tierversuche mit den entsprechenden Medikamenten, die dazu geführt haben, dass sich die Zahl der Enzyme ACE2 geringfügig erhöht hat. Außerdem beruft er sich auf eine Analyse aus China, die mit 1.099 Patienten im Dezember 2019 und Januar 2020 durchgeführt worden war. Es zeigte sich, dass es bei Patienten mit Bluthochdruck, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Diabetes und chronischen Nierenerkrankungen häufiger zu schweren Verläufen bei Covid-19 gekommen ist. Das legt den Verdacht nahe, das die eingenommenen Medikamente die Covid-19 Erkrankung befördern könnten, ist aber noch nicht ausreichend bewiesen.

    Kranke sollen ihre Medikamente keinesfalls absetzen

    Experten warnen eindringlich davor, dass Kranke ihre Medikamente nun absetzen, um eine mögliche Corona-Infektion abzuwenden, weil dadurch das Risiko an ihrer Grunderkrankung zu versterben, enorm steigen würde. Herz-Kreislauf-Patienten und andere Menschen mit Vorerkrankungen brauchen in der Corona-Krise besonderen Schutz.

    "Patienten, die wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit blutdrucksenkenden Arzneien behandelt werden, sollten die Einnahme ihrer Medikamente nicht abbrechen, sondern Menschenmassen, und alle Personen mit Atemwegserkrankungen während des aktuellen Covid-19-Ausbruchs vermeiden, um das Infektionsrisiko zu verringern." James H. Diaz von der Louisiana State Universität

    Auch bei Ibuprofen ist die Datenlage noch zu dünn

    Beim Schmerzmittel Ibuprofen gab es kürzlich die Meldung, dass es bei einer Covid-19-Erkrankung ebenfalls zu einer höheren Sterblichkeit führen würde. Wenige Tage später nahm die WHO ihre Warnung vor Ibuprofen zurück, weil die Datenlage zu dünn sei.

    "Auf der Basis der heute vorhandenen Informationen rät die WHO nicht von der Einnahme von Ibuprofen ab." WHO auf Twitter

    Gleiches gilt für die Hinweise, dass Blutdrucksenker einen negativen Einfluss auf den Krankheitsverlauf bei Covid-19 haben könnten. Das muss erst mit weiteren Fallstudien belegt werden. Gerade für Menschen mit Vorerkrankungen wäre es besonders wichtig, ein Medikament gegen Covid-19 einsetzen zu können. Dafür sind einige mögliche Arzneien im Rennen, aber derzeit noch nicht für das neue Corona-Virus zugelassen.

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