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Neue Studie: Kernkraft kein Mittel gegen Klimawandel | BR24

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Kernkraftwerke gehen nicht mit einem reduzierten Kohlenstoffdioxid-Ausstoß ihres jeweiligen Landes einher.

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    Neue Studie: Kernkraft kein Mittel gegen Klimawandel

    Atomkraft trägt nicht dazu bei, die Kohlenstoffdioxid-Emissionen eines Staates zu senken – die Verwendung von Erneuerbaren Energien hingegen schon. Zu diesem Schluss kommen Forscher in einer neuen Studie.

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    Wie können wir Energie gewinnen, ohne dabei fossile Brennstoffe wie Kohle oder Gas zu verbrennen? Diese erhöhen den Kohlenstoffdioxidanteil in der Erdatmosphäre immer weiter und heizen den Treibhauseffekt an.

    Kein Kohlenstoffdioxid bei Windrad und Co.

    Bislang gibt es zwei Antworten auf diese Frage. Die eine lautet: Erneuerbare Energien. Windrad, Offshore-Windpark, Photovoltaik und Co. haben die erfreuliche Eigenschaft, kein Kohlenstoffdioxid bei ihrer Energieerzeugung freizusetzen.

    Kein Kohlenstoffdioxid bei Kernkraft

    Eine weitere Antwort lautet aber auch: Atomkraft. Denn ein Atomkraftwerk erzeugt seine Energie aus dem Zerfall energiereicher Atomkerne in weniger energiereiche Atomkerne, Kohlenstoffdioxid ist nicht im Spiel. Zwar hat Deutschland kurz nach dem Reaktor-Unglück von Fukushima im Jahr 2011 den Ausstieg aus der Kernenergie und damit die Energiewende beschlossen. Derzeit gibt es hierzulande eher die Debatte, wo der über die Jahrzehnte zusammengekommene radioaktive Atommüll endgültig gelagert werden könnte.

    Aber Befürworter der Kernenergie fragen: Könnten Atomkraftwerke nicht dazu beitragen, die Kohlenstoffdioxid-Emissionen eines Staates zu senken?

    Diese "Nukleare Klimaverbesserungshypothese" haben nun Benjamin Sovacool von der University of Sussex und Kollegen in einer im Fachmagazin "Nature Energy" erschienenen Studie überprüft.

    Auswirkungen auf die weltweite Energiepolitik

    "Es gab dazu schon viele Studien", erklärt Sovacool. "Denn die Antwort hat weltweit Auswirkungen auf die Energiepolitik der verschiedenen Länder."

    Allerdings waren die meisten dieser Arbeiten bislang nur auf einzelne Länder, beispielsweise Frankreich oder Deutschland, fokussiert. Darüber hinaus werden derartige Studien oft von Organisationen wie Greenpeace auf der einen Seite oder der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA auf der anderen Seite durchgeführt. "Aber wir als Wissenschaftler sind unabhängig", sagt Sovacool.

    Atomkraft vs. Erneuerbare Energien in der Analyse

    Sovacool und seine Kollegen verwendeten für ihre Analyse nur öffentlich verfügbare Datensätze, die die Jahre von 1990 bis 2014 abdecken. Sie untersuchten nicht einzelne Länder, sondern gruppierten sie in zwei Kategorien: diejenigen, die Atomkraftwerke – in der Studie waren das dreißig Länder – betreiben sowie diejenigen, die Erneuerbare Energien verwenden, das waren in der Studie 123 Länder. Manche Länder waren auch in beiden Kategorien vertreten.

    Indem sie eine sogenannte Regressionsanalyse durchführten, konnten die Forscher herausfinden, inwiefern die Kohlenstoffdioxid-Emission eines Landes mit der Methode der Energieerzeugung zusammenhängen – also ob die Art der Energieerzeugung mit höheren oder niedrigeren Kohlenstoffdioxid-Emissionen einhergeht.

    Kernkraft trägt nicht zur Senkung der Kohlenstoffdioxid-Emissionen bei

    So fanden sie heraus, dass ihre Daten die "Nukleare Klimaverbesserungshypothese" nicht bestätigen können. Anders ausgedrückt: Kernkraft trägt nicht dazu bei, die Kohlenstoffdioxid-Emissionen eines Landes zu senken.

    Bei den Erneuerbaren Energien hingegen sah das schon ganz anders aus: Denn diese gehen tatsächlich mit verringerten Kohlenstoffdioxid-Emissionen der Länder einher. "Und das ist kein kleiner Effekt", betont Götz Walter von der International School of Management ISM in München. "Wir sprechen hier von einer mittleren Effektstärke."

    Der Effekt der Erneuerbaren Energien

    Zum Vergleich: Die Forscher betrachteten zusätzlich noch, inwieweit die Kohlenstoffdioxid-Emission eines Landes von seinem Bruttosozialprodukt abhängt – und fanden einen positiven Zusammenhang, was heißt: je größer das Bruttosozialprodukt, desto mehr Kohlenstoffdioxid trägt das Land in die Erdatmosphäre ein. Dieser Zusammenhang ist wohlbekannt, in der Analyse war das ein sogenannter starker Effekt, der über ein Viertel der Kohlenstoffdioxidemissionen erklären kann.

    Die Erneuerbaren Energien kamen nun mit rund zehn Prozent auf eine mittlere Effektstärke und die Kernkraft auf gar keine.

    Ein überraschendes Ergebnis für die Energiepolitik

    "Dass wir wirklich keinerlei Effekt der Kernkraft auf eine Reduktion der Kohlenstoffdioxid-Emissionen gefunden haben, ist ziemlich überraschend", sagt Benjamin Sovacool. "Wir haben darüber hinaus herausgefunden, dass sich Erneuerbare Energien und Kernkraft nicht gut 'vertragen', eines scheint auf die Kosten des anderen zu gehen. Ein Land kann nicht Beides gleichzeitig gut machen."

    Dafür sprechen zumindest die Daten aus der Vergangenheit. Für die Zukunft würde das bedeuten: Ein Land müsste sich entscheiden, welche Art von Energieerzeugung es nutzen will – und sich dann entweder für Erneuerbare Energien oder Kernkraft entscheiden. Und wenn dieses Land an der Senkung von Kohlenstoffdioxid-Emissionen interessiert ist, wie sie beispielsweise der Pariser Klimavertrag vorschreibt, dann deuten die jetzigen Ergebnisse darauf hin, dass Atomkraft keine geeignete Methode dafür ist.

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