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G4-Schweinegrippe-Virus aus China: Wohl keine Pandemiegefahr | BR24

© picture alliance/Epa Sherwin

Eine neues Schweinegrippevirus namens G4 ist vom Tier auf den Menschen übergesprungen.

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    G4-Schweinegrippe-Virus aus China: Wohl keine Pandemiegefahr

    Chinesische Forscher haben eine neue Art der Schweinegrippe entdeckt, die bisher zwei Menschen infiziert hat. Allerdings wurde das Virus noch nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Experten halten eine gefährliche Pandemie für unwahrscheinlich.

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    Am 29. Juni 2020 haben chinesische Wissenschaftler in der US-Fachzeitschrift PNAS einen Artikel zur neu entdeckten Schweinegrippe veröffentlicht. Seitdem wird gerätselt, welche Auswirkungen auf den Menschen zu befürchten sind.

    G4-Virus ist bereits auf den Menschen übergegangen

    Bislang ist bekannt, dass zwei chinesische Schweinehalter mit dem neu entdeckten Virus G4 infiziert sind. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch hat bisher nicht stattgefunden.

    "Es würden dann die Alarmglocken schrillen, wenn solche Übertragungen vom Schwein auf den Menschen gehäuft vorkämen und vor allen Dingen dann, wenn diese Viren auch weiter von Mensch zu Mensch getragen würden. Das ist bislang keinesfalls beschrieben und nachgewiesen worden." Timm Harder, Institut für Virusdiagnostik am Friedrich-Löffler-Institut in Greifswald

    Das G4-Virus ist kein Corona-Virus, sondern ein Grippe-Virus

    Anders als das neue Corona-Virus gehört das G4-Virus zu den Influenza-Viren. Letztere verändern sich häufiger und verschwinden in der Regel nach einer Grippesaison wieder. Gegen Influenza-Viren gibt es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente. Deshalb sind Influenza-Viren in der Regel besser in den Griff zu bekommen als das neuartige Corona-Virus, für das es noch kaum passende Medikamente und keine Impfung gibt.

    "Ich denke, das ist tatsächlich unter Umständen ein neues Influenza-Virus, das im Rahmen der saisonalen Grippe tatsächlich in Zukunft eine Rolle spielen könnte. Aber ich glaube nicht, dass es jetzt ein echter Pandemie-Erreger ist." Gerd Sutter, Virologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München

    Ein Pandemie-Virus muss grundsätzlich neu sein

    Das Corona-Virus Sars-CoV-2 ist im Gegensatz zum G4-Virus ein völlig neuartiger Erreger, mit dem sich der menschliche Organismus bisher nicht auseinandergesetzt hat. Der Körper ist den neuartigen Corona-Viren schutzlos ausgeliefert.

    "Sars-CoV-2 ist ein völlig neuer Erreger für den Menschen. Das heißt, wir haben überhaupt keine Immunantworten, auf die wir im Endeffekt zurückgreifen können. Da gibt es noch keine erlernten Abwehrmechanismen des Immunsystems." Gerd Sutter, Virologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München

    Grippe-Viren verändern sich, sind aber im Prinzip bekannt

    Seit etwa 500 Jahren treten im Winter Grippewellen auf. Ältere und kranke Menschen können daran sterben - für den Großteil der Bevölkerung besteht aber keine ernsthafte Gefahr. Auch wenn sich Grippe-Viren ständig verändern und man jede Saison neue Impfstoffe dagegen entwickeln muss, sind sie in der Regel doch leichter zu fassen, als ein neuartiges Corona-Virus. Trotzdem sterben auch an Influenza-Viren nach Schätzung der WHO jährlich etwa eine halbe Million Menschen weltweit.

    Schweinegrippe-Pandemie in den Jahren 2009 und 2010

    Das in China gefundene G4-Virus stammt vom Influenza-Virus H1N1 ab. Es ist als Schweinegrippe-Virus bekannt und löste 2009 eine Pandemie aus, die bis 2010 um die Welt ging. Noch ist nicht klar, wie leicht es G4 schaffen könnte, sich von Mensch zu Mensch zu übertragen. Eine Pandemie entsteht erst dann, wenn sich Viren gut vermehren und rasant ausbreiten können. Die schlimmste Influenza-Pandemie, die es je gab, war die Spanische Grippe im Jahr 1918.

    "G4 zeigt offenbar das Potenzial, sich von Mensch zu Mensch verbreiten zu können. Wir haben nur den Vorteil, dass wir durchaus schon Immunschutz in unserer Weltbevölkerung gegen diese Art von Virus haben, sodass wir diesen neuen Influenza-Erreger besser abwehren können." Gerd Sutter, Virologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München

    Kriterien für eine Pandemie

    Damit aus einem Virus ein Pandemie-Virus wird, muss es neu sein. Es muss sich stark vermehren können und sich dann leicht von Mensch zu Mensch übertragen lassen.

    "Wir kennen nicht alle detaillierten Charakteristika, die generell zu einem echten Pandemie-Virus führen. In der Petrischale oder in in-vitro Experimenten können wir zumindest noch keine Aussage treffen, ob sich aus einem Virus mal ein gefährliches Pandemie-Virus entwickeln wird." Gerd Sutter, Virologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München

    Das neue chinesische G4-Virus ist eine neue Spielart des bekannten Schweinegrippe-Virus. Dagegen besteht vermutlich bereits eine gewisse Immunität in der Bevölkerung. Es lässt sich noch nicht abschätzen, wie infektiös G4 tatsächlich ist, also ob es sich leicht von Mensch zu Mensch überträgt. Das ist der Fall, wenn - wie beim neuen Corona-Virus - vor allem die oberen Atemwege betroffen wären. Das G4-Virus ist jetzt im Visier der internationalen Wissenschaftswelt und wird weiter beobachtet.

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