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Erlanger Studie zeigt dramatischen Gletscherschwund in den Alpen | BR24

© picture alliance/chromorange

Der Große Aletschgletscher, größter Gletscher der Alpen

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Erlanger Studie zeigt dramatischen Gletscherschwund in den Alpen

Die Gletscher der Alpen haben von 2000 bis 2014 etwa ein Sechstel, also rund 17 Prozent, ihres Eisvolumens eingebüßt. Das sind mehr als 22 Kubikkilometer. Besonders betroffen sind die Schweizer Alpen und Alpen-Randgebirge.

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Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Geografen der Universität Erlangen-Nürnberg. Das ist dramatisch, weil mithilfe einer neuen Mess-Methode erstmals alpine Gletscher in Frankreich, der Schweiz, Österreich und Italien sowie das Gletschervolumen im Ganzen analysiert werden konnte, nicht wie üblich einzelne Gletscher oder Regionen. Die Studie wurde am 25. Juni 2020 im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht.

Fläche und Höhe der Alpen-Gletscher vermessen

Für ihre Studie verglichen die Forscherinnen und Forscher dreidimensionale Geländemodelle aus Daten des deutschen Radarsatelliten TanDEM-X und der deutsch-amerikanischen Shuttle Radar Topograhpy-Satellitenmissionen und kombinierten sie mit Änderungen der Gletscherausdehnungen aus optischen Aufnahmen der Landsat-Satelliten der NASA. Das ermöglichte den Geografen die Fläche und Höhe der Gletscher fast gleichzeitig zu vermessen und damit "das Gletschervolumen im Ganzen zu betrachten", sagt Christian Sommer von der Universität Erlangen-Nürnberg.

Besonders betroffen: Schweizer Alpen und Alpen-Randgebirge

Die Schweizer Alpen haben die größten Gletscherflächen und gleichzeitig die größten Schmelzraten, bilanziert Sommer. Die Oberfläche des größten Gletschers der Alpen, dem Großen Aletschgletscher im Schweizer Wallis, schmolz um mehr als fünf Meter pro Jahr in den unteren Lagen. In den höchsten Lagen der Zentralalpen war keine Eisschmelze festzustellen. Das gilt allerdings nicht für sogenannte Randgebirge: Dort schwanden die Gletscher auch in höheren Lagen.

"Das spricht dafür, dass die Randbereiche die ersten Regionen sein werden, die künftig eisfrei sind." Christian Sommer, Universität Erlangen-Nürnberg

Schmelzwasser-Vorhersage im Sommer möglich

Die neue Mess-Methode ermöglicht es, die Entwicklung der meisten der knapp 4.000 Gletscher in den Alpen sichtbar zu machen. Aber nicht nur das: Es ist nun auch möglich, die Menge an Schmelzwasser in den Sommermonaten vorherzusagen. Dieses hat großen Einfluss auf die Wasserversorgung und Energiegewinnung vieler Länder.

"Das hat Auswirkungen über den Alpenraum hinaus, weil es Einfluss auf den Wasserhaushalt einiger großer europäischer Flusssysteme mit Ursprung in den Alpen hat." Christian Sommer
© BR-Studio Franken/Schülein, Simone

Die Gletscher der Alpen sind in den vergangenen Jahren extrem geschrumpft. Das haben Wissenschaftler der Friedrich-Alexander Universität in Erlangen in einer Studie nachweisen können. Besonders stark betroffen sind demnach die Schweizer Alpen.

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© Bayerischer Rundfunk

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