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Ein Leben für die Schimpansen: Jane Goodall wird 85 | BR24

© picture alliance / © Bruce Coleman/Photoshot/ Fotograf: K & K Ammann

Schimpansenforscherin Jane Goodall kämpft auch mit 85 Jahren noch unermüdlich für den Schutz und die Rechte großer Menschenaffen.

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Ein Leben für die Schimpansen: Jane Goodall wird 85

Ihre Forschungen über die Menschenaffen machten sie nicht nur weltberühmt, sondern revolutionierten auch die Verhaltensforschung. Jane Goodall, die am 3. April 85 Jahre alt wurde, ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich.

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Ab 1960 beobachtete sie über Jahrzehnte das Verhalten von Schimpansen im Gombe National Park in Tansania und stellte mit ihren Erkenntnissen nicht nur unser Wissen über die Menschenaffen auf den Kopf. Jane Goodall setzte sich auch auf ungewöhnliche Weise als Wissenschaftlerin in einer Männerdomäne durch. Für ihren Einsatz zum Schutz der Menschenaffen wurde die Britin mehrfach ausgezeichnet, von ihren Anhängern wird sie als Ikone des Natur- und Umweltschutzes verehrt. Noch immer tourt sie für ihr Anliegen unermüdlich um die Welt - trotz ihrer 85 Jahre.

Von der Sekretärin zur Schimpansenforscherin

Eigentlich deutete zunächst nichts im Leben von Jane Goodall auf eine große Forscherkarriere hin. Nach der Schule ließ sich die am 3. April 1934 in London geborene und später in Bournemouth aufgewachsene Goodall zur Sekretärin ausbilden. Ohne Geld und ohne Studienabschluss reiste die Britin auf Einladung eines ehemaligen Mitschülers 1957 erstmals nach Kenia. Erst die Bekanntschaft mit dem britischstämmigen Paläontologen Louis Leakey sollte aber ihr Leben verändern: Leakey animierte sie dazu, gemeinsam mit den Forscherinnen Diane Fossey und Birute Galdikas eine Langzeituntersuchung über Menschenaffen durchzuführen.

Goodall revolutionierte Verhaltensforschung

Während Diane Fossey das Verhalten von Gorillas untersuchte und Birute Galdikas sich mit Orang-Utans beschäftigte, begann Jane Goodall ab 1960 über Schimpansen zu forschen. Der Gombe National Park in Tansania wurde für viele Jahre zu Goodalls neuer Heimat. Ihre Beobachtungen dort revolutionierten die Verhaltensforschung: So konnte sie belegen, dass Menschenaffen bei der Nahrungssuche beispielsweise Zweige benutzen, um Termiten aus Löchern zu angeln. Dies war eine wissenschaftliche Sensation, da bis dahin die Ansicht vorgeherrscht hatte, nur Menschen könnten Werkzeuge herstellen und verwenden.

Und Jane Goodall konnte dank ihrer Studien einen weiteren, bis in die 1960er-Jahre existierenden Irrglauben aus der Welt schaffen: Schimpansen sind - anders als bis dahin vermutet - keine friedlichen Vegetarier, sondern Fleischfresser, die sogar Kriege gegen andere Affengruppen führen.

"All diese Erkenntnisse haben unser Bild von der Einzigartigkeit des Menschen schwer erschüttert", sagt Tobias Deschner vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig in einer Mitteilung anlässlich des Geburtstages von Jane Goodall

Eigenwillige Pionierin: Goodall gab den Schimpansen Namen

Nicht nur, weil Goodall jung, hübsch und ohne Studienabschluss war, musste sie von ihren männlichen Kollegen für ihre Studien zunächst heftige Kritik einstecken. Ihr wurde auch deshalb Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen, weil sie den von ihr beobachteten Tieren nicht - wie bis dahin bei Forschungen üblich - Nummern, sondern Namen gab.

Goodall promovierte ohne Hochschulstudium

Goodall ließ sich von den Anfeindungen ihrer Kollegen aber nicht beirren. Ganz im Gegenteil. Mithilfe einer Ausnahmegenehmigung von der Universität Cambridge promovierte sie und erhielt 1965 den Doktortitel in Ethologie, Verhaltensforschung, ohne je regulär an einer Hochschule studiert zu haben.

Überzeugt vom menschenähnlichen Wesen der Schimpansen

Die Schimpansenforscherin wollte mit ihrem Engagement vor allem zu einem besseren Verständnis und zum Schutz unserer nächsten Verwandten beitragen. Denn Jane Goodall war schon früh überzeugt, "dass wir Menschen nicht die Einzigen mit Persönlichkeit sind, mit Verstand und Emotionen", wie sie in zahlreichen Interviews immer wieder beteuerte.

1977 gründete sie deshalb das "Institute for Wildlife Research, Education and Conservation", das inzwischen in 22 Ländern vertreten ist. Mitte der 1980er-Jahre begann sie, sich verstärkt für den Schutz des Lebensraums der Tiere und für sanften Tourismus einzusetzen. 1991 rief sie die inzwischen in über 100 Ländern vertretene Aktion "Roots & Shoots" (Wurzeln und Sprösslinge) ins Leben, um nachfolgende Generationen für ihr Anliegen zu sensibilisieren.

© Jochen Steiner, radioWelt/BR

Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten im Tierreich: Dieses Wissen geht auf eine Frau zurück - auf Jane Goodall. Die britische Verhaltensforscherin war die erste, die Schimpansen direkt im ost-afrikanischen Urwald beobachtet hat.

"Jane" - die Doku über das Leben der Jane Goodall

Das Leben und die Arbeit von Jane Goodall ist auch Stoff einiger Dokumentarfilme. Besonders eindrucksvoll ist die Dokumentation "Jane", die am 8. März 2018 in Deutschland startete. Sie zeigt Originalaufnahmen des niederländischen Filmemachers Hugo van Lawick. Er war 1962 nach Tansania gereist, um die Arbeit von Goodall zu dokumentieren. Während der Dreharbeiten verliebten sich die beiden, heirateten und bekamen 1967 einen Sohn. Regisseur Brett Morgen erhielt für seine Arbeit 2018 den BAFTA Award für den besten Dokumentarfilm des Jahres.

Schimpansen heute gefährdeter als 1960

Bis heute kämpft Jane Goodall unermüdlich für die Rechte und den Schutz der großen Menschenaffen. Genutzt hat es wenig. Heutzutage sind Schimpansen sehr viel gefährdeter als 1960, als Goodall mit ihrer Arbeit in Afrika anfing.

"Vor 50 Jahren gab es weltweit noch 1,5 Millionen Schimpansen." Tobias Deschner, Schimpansen-Experte beim Max-Planck-Institut in Leipzig

Durch das Verschwinden ihres Lebensraums und durch Wilderei sind es laut Deschner heute nur noch rund 100.000 Tiere. Jane Goodall will dennoch weitermachen, solange es ihr möglich ist.

"Mein Job ist es, anderen Hoffnung zu geben." Schimpansenforscherin Jane Goodall

Jane Goodall - ihre Ehrungen und Preise

Für ihren Einsatz zum Schutz der großen Menschenaffen wurde Jane Goodall 2002 zur UN-Friedensbotschafterin ernannt, 2006 erhielt sie die Jubiläumsmedaille der UNESCO und 2017 den Ehrenpreis beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

© Bayerischer Rundfunk

Jane Goodall revolutionierte unser Naturverständnis. Der Film "Jane" ist ein intimes Porträt einer Wegbereiterin, die sich den Widrigkeiten widersetzte, um eine der am meisten bewunderten Naturschützerinnen der Welt zu werden.