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Die Corona-Krise in Afrika | BR24

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Audio: Welche Probleme kommen auf afrikanische Länder zu in der Coronakrise?

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Die Corona-Krise in Afrika

Das Coronavirus hat mittlerweile auch den afrikanischen Kontinent erreicht. Viele Länder haben kein öffentliches Gesundheitssystem oder es funktioniert nur schlecht. Auch Abstand-halten oder Händewäschen ist zum Beispiel im Slum oft nicht möglich.

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Noch gibt es vergleichsweise wenige Coronainfektionen in Afrika, doch das ist laut Experten nur noch eine Frage der Zeit. Die Befürchtungen sind groß, denn wenn schon die europäischen Länder wie Italien, Spanien, Frankreich oder auch Deutschland mit der Menge an Patienten kaum noch zurecht kommen, was bedeutet das dann für Afrika?

„Eines der Epizentren wird Südafrika sein, so weit kann man das jetzt schon ablesen. Die Bevölkerung bereitet sich darauf vor, dass das Virus sich ausbreiten wird.“ Anne Jung, Medico International

Corona-FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten finden sie hier.

Afrika ist ein großer Kontinent mit sehr verschiedenen Ländern, die nicht gut zu vergleichen sind. Doch gewisse Tendenzen gibt es für Afrika dennoch: Die Expertin geht zum Beispiel davon aus, dass es in Afrika schon jetzt mehr Infizierte gibt, als momentan bekannt. Das liegt vor allem daran, dass dort noch kaum getestet wird. Die WHO gibt mit Stand 25.3.2020 eine Zahl von 1.000 Menschen in mindestens 40 afrikanischen Ländern an, die positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden sind.

Händewaschen gegen das Coronavirus schwierig

Eine sehr effektive und kostengünstige Schutzmaßnahme ist das Händewaschen. Doch für viele Menschen in Afrika ist das nur schlecht oder vielleicht gar nicht möglich, vor allem in ländlichen Regionen, so die WHO. Denn nicht überall haben die Menschen unkompliziert Zugang zu fließendem Wasser und Seife.

Und je nachdem, in welches Land man schaut, kommen noch ganz individuelle Probleme dazu. So kann Zimbabwe schon seit vielen Jahren keine zuverlässige Wasserversorgung für seine Bürger zur Verfügung stellen. Und wer kein Wasser hat, kann sich nicht die Hände waschen.

Ausnahmezustand gegen das Coronavirus

Viele Länder reagieren aber schon bei relativ kleinen bekannten Fallzahlen mit strengen Maßnahmen. In der Demokratischen Republik Kongo herrscht der Ausnahmezustand. Dort wurde das neuartige Coronavirus von einem Mitglied der Oberschicht eingeschleppt, der vorher in Frankreich gewesen ist. Jetzt versucht die Regierung, das Überspringen des Virus von den Reichen im Land auf die Armen zu verhindern.

Soziale Distanz im Slum quasi unmöglich

Ein weiteres Problem in Afrika: Gerade in Städten und Slums können die Menschen kaum genügend Abstand zueinander halten, soziale Distanz ist schwierig. Allein im kenianischen Kibera, einem der größten städtischen Slums der Welt, schätzt die UN mit 500.000 bis 700.000 Bewohnern, die in kleinen Hütten leben, die sie sich mit vielen Familienmitgliedern teilen.

Homeoffice ist nur für wenige eine Möglichkeit. Wer nicht mehr arbeiten kann, weil er krank ist oder in Quarantäne muss, macht das ohne funktionierendes Sozialsystem, wie wir das kennen. Viele werden sich wohl dazu entscheiden, trotz des Risikos auf eine Covid-19-Erkrankung zu arbeiten.

Zu wenige Intensivbetten für Covid-19-Erkrankte

Das Gesundheitssystem in vielen Ländern Afrikas ist schlecht ausgebaut. Das betrifft auch reichere Länder wie Südafrika, die nur rund 5.000 Intensivbetten für eine Bevölkerung von 57 Millionen Menschen haben. Zum Vergleich: In Deutschland stehen 28.000 Intensivbetten zur Verfügung.

„Man muss auch da sagen, dass dort die Schutzmaßnahmen an den finanziellen Mitteln hängen. Der überwiegende Teil der Bevölkerung hat keine Krankenversicherung. Vorsorge ist nur für die Reichen möglich.“ Anne Jung, Medico International

Auch in Kenia, einem Land mit rund 50 Millionen Einwohnern, gibt es nur 130 Intensivbetten. Nur wenige Menschen in Afrika haben eine Krankenversicherung. Immerhin, der Test auf SARS-Cov2 ist zum Beispiel in Nigeria kostenlos. Das Problem ist dabei aber eher die niedrige Zahl der Tests, die momentan gemacht wird.

Malaria, Tuberkulose und HIV – während der Coronakrise

Ein weiteres Problem für afrikanische Länder sind Krankheiten, die dort viele Menschen betreffen: Malaria, Tuberkulose oder HIV.

„In Afrika sterben normalerweise eine Million Menschen im Jahr an Tuberkulose. Bei der Ebola-Epidemie haben wir gesehen, dass für diese Leute, auch für die Aidskranken, die Versorgung zusammenbricht.“ Anne Jung, Medico International

Den Regierungen bleibt also momentan nur, die Verbreitung einzudämmen.

„Die Maßnahmen, die ergriffen werden können, werden ergriffen: Die Grenzen sind häufig dicht, die Schulen sind geschlossen, viele Aufklärungsaktivitäten laufen über Social Media.“ Anne Jung, Medico International

Falschinformationen aus den USA führen zu Vergiftungen in Nigeria

Auch aus Afrika gibt es mittlerweile zahlreiche Videos, wie man sich Hände zu waschen hat und Aufklärung darüber, welche Falschinformationen über Messenger-Dienste verbreitet worden sind. Es gibt Berichte aus Nigeria, von Menschen, die sich offensichtlich nach der fehlerhaften Empfehlung des US-Präsidenten Trump mit dem Medikament Chloroquin vergiftet haben.

Erfahrungen aus der Ebola-Epidemie können nützlich sein

Trotz aller Sorgen über die Situation in Afrika gibt es dennoch auch hoffnungsvolle Nachrichten zum Corona-Geschehen. Zum Beispiel aus Ostafrika: Dort haben viele Länder noch lebhafte Erfahrungen mit dem Ebola-Virus und können daraus schöpfen. Dass es wichtig ist, Ansteckungen zu vermeiden, ist in der dortigen Bevölkerung möglicherweise stärker ausgeprägt als zum Beispiel in Deutschland. Doch ob das am Ende einen Ausschlag gibt, ist unklar. Denn durch die Ebola-Epidemie sind in den letzten Jahren auch viele Ärztinnen und Ärzte verstorben, ebenso Pflegepersonal, diese Menschen fehlen jetzt natürlich.

Junge Bevölkerung könnte wenig Symptome zeigen

Zweiter Aspekt, der Afrika betrifft: Die Bevölkerung ist insgesamt viel jünger als in den Industriestaaten. Das bedeutet, es könnte in der großen Masse zu weniger schweren Verläufen kommen. Doch auch hier darf nicht vergessen werden, dass es in manchen Gegenden viele junge Menschen mit HIV oder anderen Vorerkrankungen gibt und dass es auch bei Menschen unter 60 Jahren durchaus zu schweren Verläufen der Covid-19-Krankheit kommen kann.