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Mehr Abstand durch Alkoholverbote? | BR24

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An einem lauen Sommerabend in einer bayerischen Altstadt - da fließt auch einiges an Alkohol! Gleichzeitig weichen die Hygiene- und Abstandsregeln auf. Bamberg machte gute Erfahrungen mit Alkoholverboten.

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Mehr Abstand durch Alkoholverbote?

Zum Schutz vor einer Corona-Ausbreitung gilt in Hamburg in manchen Stadtvierteln ein Trinkverbot im öffentlichen Raum. In Bayern hat Gesundheitsministerin Huml die Kommunen ermutigt, Alkoholverbote zu prüfen. Doch was bringen sie?

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Die Infektionsfälle steigen. Teilweise, weil Menschen aus Risikogebieten zurückkehren, teilweise, weil viele es mit den Abstandsregeln nicht mehr so ernst nehmen. Wenn Alkohol zusätzlich im Spiel ist, steigt die Stimmung und sinkt die Vorsicht.

Alkoholverbot zum Schutz vor Corona - richtig oder falsch? Darüber haben wir in einem BR24Live diskutiert.

Alkoholverbot in Bamberg

In Bamberg hat man schon vor einigen Wochen reagiert, nachdem es vermehrt zu Partys mit Alkohol gekommen war. Jetzt gilt in der Innenstadt ein Alkoholverbot. Trinken ist nur noch in Gaststätten erlaubt.

"Wir haben wegen der Corona Pandemie festgestellt, dass das stark wieder stattgefunden hat, auch im öffentlichen Raum", so Jonas Glüsenkamp, der Zweite Bürgermeister von Bamberg. "Klar, die Menschen haben ein Bedürfnis, sich zu treffen und sich wieder auszutauschen, gleichsam ist die Situation so, dass wir darauf angewiesen sind, die Abstände durchzusetzen. Deswegen haben wir eine Allgemeinverfügung erlassen."

Kontrollverlust während Corona besonders gefährlich

Die Maß im Biergarten, der Aperol Spritz auf dem Stadtplatz, der Sekt bei der Geburtstagsfeier - ganz normal. Alkohol ist eine gesellschaftlich akzeptierte Droge - mit durchaus weitreichenden Folgen im Gehirn, erklärt der Psychiater und Suchtforscher von der Universität München, Tobias Rüther: "Wenn Sie so wollen, ist Alkohol ein Psychopharmakon, ein Rauschmittel, ein Medikament, das die Psyche beeinflusst. Auf verschiedene Arten, aber chemisch das Gehirn beeinflusst." Es führe vor allen Dingen zu einer Enthemmung im Gehirn.

Alkohol lockert deswegen die Stimmung - aber genau das ist in Zeiten von Corona gefährlich. Denn Menschen kommen sich dann wieder näher. Im schlimmsten Fall bewirken die Prozente, laut Tobias Rüther, Distanzlosigkeit und letztendlich völligen Kontrollverlust.

Verlagern Alkoholverbote nur das Problem?

Die Frage ist freilich, wer sich von einem Verbot abschrecken lässt. Menschen mit einem schweren Alkoholproblem sicher nicht, die würden sich dann eher zum Trinken woanders zurückziehen. Aber ein Verbot im öffentlichen Raum ist zumindest ein Signal, meint Rüther: "Eine gute Politik hat auch immer solche Verbote. Natürlich ist das eine gesellschaftliche Aussage, dass man auf öffentlichen Plätzen nicht mehr trinkt."

Alkoholverbote sind nicht neu. Zum Beispiel darf am Hauptbahnhof München seit dem vergangenen Jahr nicht mehr getrunken werden. "Es ist zumindest so, dass es nicht mehr so präsent ist, der Alkohol und, dass es da zumindest weniger Schlägereien und Rangeleien gibt", stellt Rüther fest. "Was glaube ich noch nicht untersucht ist: ob das jetzt irgendwo anders hingeschoben worden ist."

Positive Bilanz in Bamberg

Bamberg hat das Alkoholverbot in der Innenstadt nach drei Wochen wieder aufgehoben. Bürgermeister Glüsenkamp ist zufrieden: "Sicher löst es nicht alle Probleme. Aber unser Fazit ist schon nach den drei Wochen, das hat uns auch die Polizei zurückgemeldet, dass eine Entspannung eingetreten ist."

Alkoholverbote können also zumindest vorübergehend die Lage in Party-Hotspots beruhigen und für mehr Abstand in Zeiten der Pandemie sorgen.

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