Das vermeintliche Wundermittel CDL kann schwere Nebenwirkungen hervorrufen.

Das vermeintliche Wundermittel CDL kann schwere Nebenwirkungen hervorrufen.

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    Chlordioxid ist kein Heilmittel gegen Corona

    Chlordioxid ist kein Heilmittel gegen Corona

    Während der Pandemie verbreitete sich vor allem unter Impfskeptikern der Irrglaube, eine Chlordioxid-Lösung (CDL) könne Krebs, Autismus oder eben auch Corona heilen. Doch Chlordioxid kann schwere Vergiftungen auslösen. Der #Faktenfuchs berichtete.

    Die Zahl der Notrufe wegen einer Chlordioxid-Vergiftung ist seit Pandemiebeginn stark gestiegen. Das Giftinformationszentrum Nord in Göttingen meldet auf Anfrage des NDR einen Anstieg von sieben Notrufen im Jahr 2019 auf 50 im Jahr 2021.

    Manche Impfskeptiker verabreichen CDL auch ihren Kindern. Der #Faktenfuchs hat am 23. Juli 2021 diesen Artikel darüber veröffentlicht:

    Wie manche Impfskeptiker ihre Kinder mit Bleichmittel gefährden

    Um sich vor angeblich gefährlichen Spike-Proteinen von Geimpften zu schützen, nehmen manche Impfskeptiker Bleichmittel ein und geben dieses Mittel auch ihren Kindern. Das kann schwere Konsequenzen haben. Ein #Faktenfuchs.

    Ein Wundermittel soll es sein - eines, das angeblich Krebs, Autismus, Malaria, HIV/AIDS und auch Corona heilen können soll. Umso erstaunlicher mutet es an, dass nur ein kleiner Kreis an den Nutzen dieses Stoffes glaubt; Wissenschaftler und Mediziner gehören nicht dazu. Die Rede ist von "CDL" oder Chlordioxidlösung, einem Mittel, das in der Alternativmedizin für die "Behandlung" verschiedenster Krankheiten empfohlen wird. Es ist auch unter dem Namen MMS bekannt ("Miracle Mineral Supplement"). Bei MMS handelt es sich um Natriumchlorit (mit "t", nicht das normale Kochsalz Natriumchlorid, mit "d") das mithilfe einer Säure dann zu Chlordioxid wird, also CDL. Ein industrielles Desinfektionsmittel, das in geringen Mengen auch zur Trinkwasserdesinfektion eingesetzt wird - auf Reisen, aber auch in Kommunen.

    CDL soll angeblich nicht nur gegen Corona helfen - sondern auch gegen das sogenannte "Impfstoff-Shedding". Das ist eine Falschbehauptung, wonach Geimpfte die Spike-Proteine des Corona-Impfstoffes ausstoßen, welche dann Ungeimpften gefährlich werden könnten. In entsprechenden Telegram-Gruppen wird die Verabreichung von CDL sogar an Kinder und Schwangere empfohlen. Warum das gefährlich ist und auch rechtliche Konsequenzen für Eltern haben kann, hat der #Faktenfuchs recherchiert.

    • Den kompletten #Faktenfuchs-Artikel zu "Impfstoff-Shedding" und warum es sich dabei um eine Falschbehauptung handelt, lesen Sie hier.

    Auf Telegram tauschen sich Menschen dazu aus, wie sie die gesundheitsgefährdende Substanz CDL anwenden.

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    Dass die Behandlung von Kindern mit CDL in Telegram-Gruppen diskutiert wird, darauf macht eine Twitter-Userin aufmerksam. In ihrem Tweet schreibt sie:

    "Ich bin entsetzt. Covid-Shedding Telegram Gruppen verbreiten nicht nur Falschinformationen und Panik, sondern es wird auch propagiert, kleinen Kindern (in diesem Fall 3 und 6 Jahre alt) Chlordioxid als Schutz gegen Geimpfte zu verabreichen. Diese Gruppen sind _nicht_ harmlos". Die Userin sammelt verschiedene Beispiele aus Telegram-Gruppen. Auf Nachfrage stellte sie dem #Faktenfuchs die Links zu den Nachrichten zur Verfügung. Sie meldete die Nachrichten auch an Telegram, bislang habe es von Telegram aber noch keine Reaktion gegeben, wie die Userin dem #Faktenfuchs mitteilte (Stand 21.07.2021).

    In den Telegram-Gruppen finden sich mehrere Beispiele dafür, wie die Behandlung von Kindern mit CDL diskutiert wird: "Ich und meine Kinder nehmen CDL täglich", schreibt eine Telegram-Userin. Eine andere: "Im Kindergarten sind jetzt fast alle Erzieher geimpft, ich merke, dass mein Sohn ab und an Bauchschmerzen hat und Halsschmerzen… Ich gebe ihm seitdem auch CDL, es wird besser."

    Chlordioxid-Lösung ist nichts anderes als Bleichmittel und kann schwere Schäden verursachen

    In vielen dieser Gruppen wird fälschlicherweise behauptet, mit CDL könne man sich kaum vergiften - und eventuelle Symptome wie Erbrechen oder Durchfall seien "Entgiftungssymptome", die zeigten, dass das Produkt "wirke". Doch CDL ist nicht der harmlose Wirkstoff, als der er von jenen, die an seine Wirksamkeit glauben, dargestellt wird. Tatsächlich handelt es sich bei CDL um so etwas wie Chlorbleiche, sagt der Toxikologe Florian Eyer vom Giftnotruf München dem #Faktenfuchs: "Das ist eine Chemikalie, die unter anderem in Bleichmitteln Verwendung findet." Zum Beispiel zum Bleichen von Papier. Übelkeit und Erbrechen seien kein Zeichen, dass das Mittel wirkt. "Das ist halt ein Zeichen der Toxizität, nichts anderes", sagt Eyer - also der Giftigkeit des Mittels.

    Und diese Chemikalie kann - da sind sich alle vom #Faktenfuchs befragten Fachleute und Behörden einig - Schäden im Körper anrichten, zum Beispiel dann, wenn CDL getrunken wird, eine häufige Form der Anwendung. Dabei werden mehrere Tropfen CDL in ein Glas Wasser gegeben.

    Die von Anhängern beschriebenen "Entgiftungssymptome" wie Übelkeit oder Durchfall seien ernstzunehmende Schäden, so Eyer, da CDL eine starke Reizwirkung auf die Schleimhäute habe. Es könne deshalb zu Verätzungen im Mund-und-Rachen-Bereich sowie in Speiseröhre und Magen kommen. Im Interview mit dem NDR warnt der Pharmakologe Bernd Mühlbauer, die Einnahme von CDL könne zu sogenannten Nekrosen im Mund oder der Speiseröhre führen. Mühlbauer ist Direktor am Institut für Klinische Pharmakologie am Klinikum Bremen-Mitte. Da "stirbt Gewebe ab und das kann ziemlich weh tun", wird er vom NDR zitiert.

    Auch Komplikationen wie Krampfanfälle und Leberschäden seien laut dem Toxikologen Eyer möglich, die Atmung oder die Atemwege könnten zuschwellen - was potentiell lebensbedrohlich sei. Und: CDL könne im Körper giftig wirken, weil es die roten Blutkörperchen schädigen kann und so Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt würden.

    “Im Prinzip ist das eine Substanz, die nichts im Körper verloren hat.” Florian Eyer, Giftnotruf München

    Die Geschichte von CDL

    "Entdeckt" wurde das vermeintliche "Wundermittel" CDL 1996 von Jim Humble, einem ehemaligen Scientology-Mitglied. Humble behauptet, während seiner Zeit als Goldgräber in Südamerika CDL als Mittel gegen Malaria eingesetzt zu haben und damit sich und seine Mitreisenden geheilt zu haben. 2010 gründete er die "Genesis II Church of Health & Healing", die CDL als "heiliges Sakrament" betrachtet.

    Die "Genesis II Church" ist deshalb so wichtig, weil über sie mit CDL viel Geld gemacht wird. Prominentes Mitglied ist Mark Grenon, der gemeinsam mit seinen Söhnen laut der amerikanischen Nachrichtenagentur Bloomberg News etwa 30.000 Dollar im Monat mit dem Verkauf von Miracle-Mineral-Supplement-Produkten, verdient hat, gewissermaßen die "Vorstufe" von CDL. Zu Beginn der Corona-Pandemie behauptete Grenon, man könne Covid-19 mit MMS heilen.

    Das Ergebnis: Seine Einnahmen verdreifachten sich quasi über Nacht, berichtete Bloomberg News. Sie wurden noch weiter in die Höhe getrieben, als der damalige US-Präsident Donald Trump spekulierte, MMS bzw. CDL könne das Coronavirus im Körper abtöten. Seine Äußerung kam nach Recherchen der britischen Zeitung "Guardian" kurz nachdem Mark Grenon von der "Genesis II Church" dem Präsidenten einen Brief geschrieben und von der angeblichen Heilwirkung von CDL berichtet hatte. Im Juli 2020 wurden zwei von Grenons Söhnen wegen des Vertriebs von MMS-Produkten von der US-amerikanischen Behörde "Food and Drug Administration" (FDA) festgenommen, Mark Grenon hielt sich zu dem Zeitpunkt in Kolumbien auf. Im April 2021 wurde die Familie wegen des betrügerischen Marketings und Vertriebs von MMS-Produkten angeklagt. Sollten sie schuldig gesprochen werden, drohen ihnen laut FDA bis zu 17,5 Jahre Gefängnis.

    Chlordioxid-Lösung ist kein zugelassenes Arzneimittel

    Diejenigen, die CDL bewerben oder vertreiben, heben die desinfizierende Wirkung von CDL hervor, die Krankheitserreger im Körper abtöten soll. Doch diese Wirkung ist nicht nachgewiesen, warnt der Toxikologe Eyer vom Giftnotruf München. "Diejenigen, die das vertreiben, die preisen das ja als eine Art von Medizinprodukt an und haben aber bislang erstens niemals einen Beweis erbracht, dass es tatsächlich wirkt. Und zum anderen haben sie auch die ganzen Regularien für die Zulassung eines Arzneimittels nie durchlaufen", so Eyer.

    Anhänger von CDL würden hier zumindest der Aussage widersprechen, dass es keine Beweise gebe. Schließlich fänden sich im Netz einige Berichte von begeisterten Nutzern von CDL bzw. MMS. Diese Berichte gibt es zwar, es handelt sich dabei aber nicht um wissenschaftliche Beweise - wie etwa medizinische Studien oder regelmäßige Untersuchungen es wären. So kann nicht nachvollzogen werden, ob überhaupt eine Besserung eingetreten ist - und ob man diese auf CDL zurückführen kann.

    Behörden warnen vor CDL

    Klar ist dagegen, dass verschiedene europäische Behörden schon seit Jahren vor einer Einnahme von MMS bzw. CDL warnen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stuft MMS-Produkte als "bedenklich" ein, weil der begründete Verdacht bestehe, dass sie so, wie sie angewendet werden, schädliche Wirkung haben, die über ein vertretbares Maß hinaus gingen. Laut §5 Arzneimittelgesetz ist es verboten, bedenkliche Arzneimittel in den Verkehr zu bringen oder bei einem anderen Menschen anzuwenden. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat vor einer Einnahme von MMS dringend abgeraten.

    Das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) warnte erst im Oktober 2020 vor CDL bzw. MMS Produkten, und schreibt mit Bezug auf die vielen Krankheiten, die angeblich mit CDL behandelt werden können:

    "Produkte, welche die angeführte, behauptete Wirkung von MMS bzw. CDL/CDS erzielen könnten, sind per Definition Arzneimittel und dürfen nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn deren Wirksamkeit und Sicherheit im Rahmen von klinischen Prüfungen belegt und in einem behördlichen Zulassungsverfahren bestätigt worden sind." Österreichisches Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG)

    Für die Chlordioxid-Produkte lägen keinerlei derartige Daten vor, schreibt die Behörde. Folglich sei die klinische Wirksamkeit und somit auch die Sicherheit nicht erwiesen und es gebe keine Zulassung als Arzneimittel. Gleiches gilt in Deutschland. "Für die genannten Produkte bestehen schwere Sicherheitsbedenken", so die österreichische Behörde weiter.

    16.000 Fälle einer Chlordioxid-Vergiftung zwischen 2014 und 2019 in den USA

    Die amerikanische "Food and Drug Administration" (FDA) hat in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Gefahr, die von MMS- bzw. CDL-Produkten ausgeht, aufmerksam gemacht. Laut der amerikanischen Nachrichtenagentur Bloomberg News, das sich auf die FDA beruft, gab es in den USA innerhalb der Jahre 2014 bis 2019 insgesamt 16.000 Fälle von Chlordioxid-Vergiftung in den USA, darunter 2.500 Fälle von Kindern unter zwölf Jahren. Ob diese Vergiftungen alle mit der bewussten Verabreichung von CDL in Zusammenhang standen, wird allerdings nicht ausgeführt.

    In Deutschland sind die gemeldeten Zahlen deutlich geringer. Das BfR registrierte bis dato nur wenige Vergiftungen mit MMS. In den vergangenen fünf Jahren liegt dem BfR sogar nur eine Mittelung vor - ein Kleinkind hatte versehentlich MMS geschluckt und entwickelte "mittlere bis schwere Symptome". Das BfR weist in der E-Mail an den #Faktenfuchs aber auch darauf hin, dass diese Zahlen das vollständige Vergiftungsgeschehen möglicherweise nicht vollständig widerspiegeln, weil Ärzte Vergiftungen nur selten meldeten.

    Florian Eyer vom Giftnotruf München erzählt im Gespräch mit dem #Faktenfuchs, dass sie beim Giftnotruf etwa zwei bis drei Anrufe pro Monat zu CDL bekämen. Da seien jedoch auch Anrufer dabei, die sich CDL gekauft haben und sich vor der Einnahme noch einmal informieren wollten. Im März und April 2020, also den ersten Monaten der Corona-Pandemie, sei die Zahl der Anrufer auf fünf bis zehn pro Monat gestiegen, dann aber auch wieder zurückgegangen.

    Beim "Goldenen Aluhut", einer gemeinnützigen Organisation, die über Verschwörungsideologien aufklärt, schätzt man die Zahl der Menschen, die in Deutschland CDL einnehmen, auf grob 10.000. Die genaue Zahl sei schwer zu erfassen, weil CDL frei verkäuflich über das Internet erhältlich ist, sagt Rüdiger Reinhardt, Experte für medizinische Verschwörungsmythen beim "Goldenen Aluhut", dem #Faktenfuchs. In der Pseudo-Medizin sei CDL bzw. MMS seit Jahren eine "ganz große Nummer" und in der "Schwurbelszene" sehr verbreitet.

    Auch rechtliche Konsequenzen sind für Eltern denkbar

    Auffällig in den Telegram-Gruppen ist, dass die Behandlung von Kindern und Babys mit CDL diskutiert wird, genauso wie die Anwendung während der Schwangerschaft oder Stillzeit - häufig mit dem Ergebnis, das CDL angeblich unbedenklich sei.

    Doch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin rät "nachdrücklich und klar von einer Einnahme ab" und teilt die Warnhinweise der Behörden, wie eine Sprecherin der Fachgesellschaft auf eine Anfrage des #Faktenfuchs antwortete. Chlordioxid-Behandlungen seien für Kinder besonders gefährlich, schrieb die FDA in einer Warnung, weil sie bei der Einnahme von CDL ein höheres Risiko für Nebenwirkungen hätten.

    Das bestätigt der Toxikologe Florian Eyer. Gerade bei Babys sei eine Behandlung mit CDL besonders kritisch, denn die Schleimhäute von Babys seien noch empfindlicher. Hinzu komme, dass sie sich am Anfang häufig verschluckten und das CDL dann auch in die Lunge oder die Atemwege geraten könne. "Eine Anwendung bei den jüngsten und vulnerabelsten (also verletzlichsten; Anm.d.R) Menschen unserer Gesellschaft ist indiskutabel", sagt Eyer.

    Auch bei Schwangeren sei potentiell alles, was der Mutter schade, für das ungeborene Kind schlecht, sagt der Toxikologe. Insbesondere, wenn das CDL die roten Blutkörperchen der Mutter angreife, sei das für das Ungeborene gefährlich.

    Die Behandlung von Kindern mit CDL könne rechtliche Konsequenzen haben, schätzt die Anwältin Juliane Hilbricht, die sich auf Familienrecht spezialisiert hat.

    Laut Hilbricht kommt es strafrechtlich darauf an, welche konkrete Gefährdung durch die Behandlung mit CDL eintritt. Das könne eine Verletzung der Fürsorgepflicht sein. Wenn das Kind wegen einer Vergiftung behandelt werden müsse, sei das sogar eine Art der Körperverletzung.

    Eltern müssten auch mit sorgerechtlichen Konsequenzen rechnen. Das Familienrecht sei auf die Schulmedizin ausgelegt, daran orientierten sich auch Gerichte. CDL ist kein zugelassenes Medikament und es gibt behördliche Warnungen. Deshalb "würde ein Familiengericht, wenn es von so etwas erfahren würde, sicherlich auch sorgerechtliche Maßnahmen gegen die Eltern unternehmen", sagt Hilbricht im Gespräch mit dem #Faktenfuchs. Dabei würde erst einmal mit den Eltern gesprochen und sie würden die Weisung bekommen, mit der CDL-Behandlung aufzuhören. Halten sie sich nicht daran, kann es nach der Einschätzung von Hilbricht sogar so weit gehen, dass man den Eltern die sogenannte Gesundheitssorge, einen Teil des Sorgerechts, entzieht. "Ein Familiengericht und auch ein Strafgericht würde das nicht zulassen, dass man hier ein Kind mit so einer Art und Weise behandelt", sagt Hilbricht.

    Intention der Eltern täuscht nicht über schädliche Behandlung hinweg

    Bei der Bewertung solcher Fälle spiele die Intention der Eltern allerdings auch eine Rolle. Wenn Eltern ihre Kinder mit CDL gegen Corona behandeln würden, hätte das eine andere Qualität, als sie gegen "Impfstoff-Shedding" zu behandeln. "Corona-Erkrankungen, die gibt es ja wenigstens. Das heißt, sie würden etwas Reales damit behandeln." Eine Behandlung von Impfstoff-Shedding mit CDL sei dagegen im doppelten Sinne schlecht: Zum einen werde es präventiv gegen eine Sache eingesetzt, die gar nicht existiere und zum anderen handele es sich auch noch um eine schädliche Behandlung. "Es spielt schon eine Rolle, mit welchem Impuls Eltern das tun. Aber das vermag nicht darüber hinweg zu täuschen, dass - auch, wenn man es gut meint - in diesem Fall eine ganz gefährliche Behandlung gemacht wird." Deshalb würden Gerichte darauf auch klar reagieren.

    Fälle in Deutschland

    Damit sich Gerichte aber überhaupt mit diesen Fällen beschäftigen, müssen Jugendämter Hinweise darauf erhalten. Meist passiert das laut Hilbricht über Bekannte, die etwas mitbekommen, oder über Kindergärten und Schulen, wo eine Behandlung mit CDL auffällt.

    In Deutschland gab es beispielsweise im Jahr 2014 einen Fall, bei dem sich das Jugendamt wegen einer "Behandlung" mit MMS einschaltete. In Monheim am Rhein hatten Eltern ihren drei Kleinkindern MMS verabreicht. Gemeinsam mit den Eltern wurde damals ein Schutzkonzept aufgestellt, das durch kinderärztliche Untersuchungen kontrolliert wurde. Die rbb-Sendung Kontraste zitierte die Leiterin des Jugendamt Monheim damals folgendermaßen:

    “Wir haben ganz klar entschieden, dass dieses Mittel gesundheitsgefährdend ist und die Gabe an Kinder eine Kindeswohlgefährdung darstellt und dementsprechend sind wir dann auch vorgegangen. Und das haben wir genauso gewertet wie eine Misshandlung, eine Missbrauchssituation und sind entsprechend auch den Eltern begegnet.” Leiterin des Jugendamt Monheim im rbb

    Doch wie ist das in Bayern? Seit Beginn der Pandemie sind dem Bayerischen Landesjugendamt nach eigener Aussage keine solchen Fälle gemeldet worden. Auch das bayerische Sozialministerium, das in engem Austausch mit der Landesjugendhilfe steht, wisse nichts von solchen Vorfällen, wie es in der Antwort auf eine #Faktenfuchs-Anfrage heißt.

    Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums schreibt in einer E-Mail an den #Faktenfuchs, "dem Gesundheitsministerium wurden bislang keine Hinweise von Ärzten oder Einrichtungen übermittelt, dass Kinder im Zuge der Corona-Pandemie mit Chlordioxidlösung (CDL) behandelt werden."

    Fazit

    Um sich und ihre Kinder gegen angebliches "Impfstoff-Shedding" zu schützen, nehmen Impfskeptiker Chlordioxidlösung - abgekürzt CDL - ein. Dabei handelt es sich um ein Bleichmittel und industrielles Desinfektionsmittel. Es gibt keinerlei Beweise, dass CDL wie behauptet gegen Krankheiten hilft. Als Medikament ist CDL nicht zugelassen. Die Einnahme kann zu schweren Nebenwirkungen führen. Wird CDL geschluckt, sind Verätzungen, Übelkeit, Durchfall oder Leberschäden möglich. Die Behörden warnen deshalb vor der Einnahme.

    Besonders gefährlich kann das Mittel für Kinder und Jugendliche sein. Für Eltern, die ihre Kinder mit CDL behandeln, kann das laut der Familienrechtsanwältin Juliane Hilbricht rechtliche Konsequenzen haben, sofern sie dem Jugendamt bekannt werden. Obwohl in Telegram-Gruppen die Behandlung von Kindern mit CDL diskutiert wird und die Substanz in der Corona-Pandemie prominent vom damaligen US-Präsidenten Donald Trump als vermeintliches Heilmittel gegen SARS-CoV-2 dargestellt wurde, sind den Jugendämtern in Bayern seit Beginn der Pandemie keine solchen Fälle bekannt.

    Disclaimer: 23.07.21 08:20h: Überschrift und Teaser wurden durch das Wort "manche" ergänzt.

    Disclaimer 03.03.22 15:35h: In Überschrift, Teaser und an verschiedenen Stellen im Text wurde das Wort "Chlorbleiche" durch "Bleichmittel" ersetzt. CDL ist zwar "so etwas wie Chlorbleiche", aber nicht damit identisch. Wir haben das konkretisiert.

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