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Auf Tiktok und Twitter berichten mehrere Frauen, dass ihre Brüste nach der Corona-Impfung größer geworden seien.

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    #Faktenfuchs: Größere Brüste durch Corona-Impfung?

    Nach dem Pieks zwei Körbchengrößen mehr - davon berichten TikTok-Userinnen. Inwiefern es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen größeren Brüsten und der Corona-Impfung geben kann, klärt der #Faktenfuchs.

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    Von
    • Karen Bauer

    Auf Tiktok und Twitter berichten mehrere Frauen, dass ihre Brüste nach der Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff größer geworden seien. "Habe im Übrigen seit der Impfung größere Möpse", twittert etwa eine Userin. "I swear on god I’m almost 2 cup sizes bigger" schreibt eine andere Userin in ihrem TikTok-Video mit dem Hashtag #pfizervaccine und zeigt als vermeintliche Beweise Bilder ihres Dekolletés. "Diese Biontitten-Impfung will ich auch", schreibt eine Twitter-Userin.

    Ob diese Statements und Videos ernst gemeint sind oder nur ein Gag, lässt sich nicht immer zweifelsfrei sagen. Manche Userinnen vermuten jedoch als Grund für die plötzlich größeren Brüste geschwollene Lymphknoten.

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    Auf Tiktok und Twitter berichten mehrere Frauen, dass ihre Brüste nach der Corona-Impfung größer geworden seien.

    Schwellen nach einer Impfung die Lymphknoten an?

    Tatsächlich können Lymphknoten nach einer Impfung anschwellen, das Paul-Ehrlich-Institut listet dies als eine mögliche Impfreaktion auf seiner Webseite auf. Danach kam diese Impfreaktion bei bei den Impfstoffen Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Astrazeneca in weniger als einem Prozent der Fälle vor, bei Moderna jedoch in mehr als zehn Prozent der Fälle.

    Zwei Körbchengrößen mehr nach der Impfung?

    Auch Gynäkologen der Frauenklinik am Universitätsklinikum Rechts der Isar beobachteten bei geimpften Patientinnen eine mehr oder weniger starke Anschwellung der Lymphknoten im Achselbereich, schreibt die Direktorin Marion Kiechle in einer Mail-Antwort an den BR24 #Faktenfuchs. Die Schwellungen zeigten sich etwa bei Untersuchungen per Ultraschall, Computertomographie oder Mammographie, so Kiechle. Allerdings beobachten sie und ihre Kollegen die Schwellung lediglich im Achselbereich und einseitig - auf der Seite des jeweils geimpften Arms.

    "Eine Vergrößerung der Brüste haben wir bislang weder gesehen, noch hat das je eine unserer Patientinnen berichtet. Meines Erachtens gibt es auch keine medizinische Begründung für eine Anschwellung oder gar Vergrößerung der Brüste durch eine Corona-Impfung." Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik Uniklinik Rechts der Isar

    Ulrike Protzer, Direktorin am Institut für Virologie der TU München, schließt sich dieser Einschätzung an: "Uns wurde das noch nie berichtet, ich kenne keine objektivierbaren Daten dazu und man findet auch in den Datenbanken zu Nebenwirkungen dazu keine Einträge."

    Temporäre Wassereinlagerungen durch Schwellung der Lymphknoten möglich

    Eine sogenannte "reaktive Lymphknotenvergrößerung" bei geimpften Patientinnen haben Gynäkologen auch am Brustzentrum Klinikum Nürnberg beobachtet - in einzelnen Fällen auch kontralateral, also auf der entgegengesetzten Seite des geimpften Arms, sagt Oberarzt Thorsten Koch.

    Wenn die Lymphknoten infolge der Immunreaktion anschwellen, wird der Abfluss der Lymphflüssigkeit gestört, erklärt Koch im Telefongespräch mit dem BR24 #Faktenfuchs. Dadurch könne es zu einer temporären Wassereinlagerung kommen, so Koch. Dies könnte zu einer vorübergehend vergrößerten Brust führen, so seine Einschätzung. Allerdings sei die Schwellung nur vorübergehend und auch die Wassereinlagerung sollte spätestens nach wenigen Wochen wieder abklingen. Und auch Thorsten Koch hatte bislang keine Patientin, die von größeren Brüsten nach einer Corona-Impfung berichtet hätte.

    Brustuntersuchung nach der Impfung: Das ist zu beachten

    Dokumentierte Fälle impfbedingt vergrößerter Brüste gibt es laut den von uns befragten Gynäkologen also bislang nicht. US-Radiologen haben sich nun in ersten Studien mit Fällen von impf-bedingt geschwollenen Achsellymphknoten befasst. Die Wissenschaftler sehen darin ein “diagnostisches Dilemma” für Radiologen: Denn geschwollene Lymphknoten könnten auch ein Zeichen für Erkrankungen wie etwa Krebs sein.

    Wer kurz nach der Impfung zu einer Brustuntersuchung geht, der sollte seinem behandelnden Arzt Bescheid sagen, empfehlen die US-Forscher daher. Nur wenn die behandelnden Ärzte von einer kurz zuvor erfolgten Impfung wissen, können sie die Schwellungen bei der Diagnose richtig einschätzen und möglicherweise unnötige Folgeuntersuchungen wie Biopsien vermeiden.

    Fazit:

    Als Immunreaktion auf eine Impfung können die Lymphknoten im Achselbereich anschwellen. Dadurch kann die Lymphflüssigkeit schlechter abfließen und es könnte dazu kommen, dass sich Wasser in der Brust einlagert. Dies könnte zu einer vergrößerten Brust führen - allerdings sind den vom #Faktenfuchs befragten Gynäkologen bislang keine derartigen Fälle bekannt.

    Vergrößerte Lymphknoten können allerdings auch Anzeichen für andere Erkrankungen, wie etwa Krebs, sein. Um Fehldiagnosen zu vermeiden, sollten behandelnde Ärzte vor Brustuntersuchungen über eine kürzlich erfolgte Impfung informiert werden.

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