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Zuckerberg-Anhörung vor dem US-Kongress | BR24

© picture-alliance/dpa

Zuckerberg

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    Zuckerberg-Anhörung vor dem US-Kongress

    Mark Zuckerberg musste sich im US-Kongress unangenehmen Fragen stellen, vor allem nach mehr Datenschutz. Die Antworten klangen aber allzu sehr wie all die früheren, oft leeren Versprechen, als dass sie noch jemand glauben wollte.

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    Mark Zuckerberg musste sichtlich schlucken, als Senator John Thune eingangs die Vorwürfe an Facebook wiederholte: Die zwielichtigen, manipulativen Praktiken der Firma Cambridge Analytica, die mutmaßlich zig Millionen US-Wähler zu beeinflussen versucht hat - und mehr als zwei Milliarden potenziell von solchen Praktiken betroffene Facebook-Nutzer. Facebook habe Werkzeuge geschaffen, um diese Menschen manipulieren zu können. "Wie werden Sie Daten Ihrer Nutzer in Zukunft besser schützen? Wie werden Sie die Menschen darüber informieren, wie Sie das genau tun werden?", waren nur zwei der bohrenden Fragen Thunes.

    Zuckerberg gibt sich reumütig

    Als Zuckerberg zu antworten begann, wirkte der Facebook-Chef gut vorbereitet. "Wir haben unsere große Verantwortung nicht erkannt. Das war ein Fehler. Es war mein Fehler", gab er sich zunächst reumütig. In Zukunft gehe es darum, nicht nur tolle Werkzeuge zu entwickeln, sondern auch sicherzustellen, dass diese für gute Zwecke eingesetzt würden. Zuckerberg nannte zum Beispiel die #MeToo-Bewegung, die sich maßgeblich über Facebook organisiert habe; oder auch die Möglichkeit für etliche kleine Unternehmen, über Facebook einfach eine große Zahl von Kunden zu erreichen.

    Warum sollte man Facebook jetzt glauben?

    Der im Livestream von Bloomberg zur Anhörung mit eingeblendete Aktienkurs Facebooks zeigte während der Befragung einen Trend nach oben. Die Kongress-Abgeordneten ließen sich nicht so leicht beeindrucken. Facebook entschuldige sich seit mehr als zehn Jahren ständig für irgendetwas und gelobe Besserung, hakte einer nach. Wirklich passiert sei nie etwas. Warum solle man ihm, Zuckerberg, jetzt glauben?

    Künstliche Intelligenz soll helfen

    Zuckerberg erklärte, dass es jetzt anders sei. Die aktuelle Weltlage mit immer mehr Fake News und Manipulationsversuchen, auch immer mehr Hasskommentaren, habe zu einem Umdenken bei der Unternehmensphilosophie geführt. Man nehme diese Dinge nun sehr ernst. So entwickle man beispielsweise Software, Künstliche Intelligenz, die problematische Texte, Bilder und Videos oder auch Fake Accounts automatisch erkenne.

    Zuckerberg in der Defensive

    Und es gab viele weitere Fragen: Wie steht es um den Datenschutz bei Facebooks Tochterfirmen Whatsapp und Instagram? Gibt es Verbindungen zu Palantir, dem vom Trump-Unterstützer und Tech-Investor Peter Thiel mitgegründeten Unternehmen, das Big-Data-Analysen unter anderem für Geheimdienste oder Kunden aus der Finanzindustrie durchführt? Mark Zuckerberg bügelte alle Bedenken in seiner gewohnten Manier ab. Wo er es nicht konnte, versprach er ausgleichende Maßnahmen für die Zukunft. Doch die altbekannte Taktik schien nicht mehr so recht zu ziehen.

    „Warum sollten wir Ihnen weiterhin erlauben, sich selbst zu regulieren?“, fragte einer. Er habe nichts gegen Regulierungen, so lange diese richtig seien, antwortete Zuckerberg eher ausweichend und kleinlaut.

    US-Politik will Ergebnisse sehen

    Schon zu Beginn der Fragerunde hatten mehrere Abgeordnete die große Verantwortung von Facebook und der gesamten Tech-Industrie beschworen: Wenn diese die Daten ihrer Nutzer nicht gewissenhaft schütze, sei dies eine Bedrohung demokratischer Werte, ja der Demokratie an sich. Wenn die Unternehmen die Daten nicht schützen könnten, müsse und werde der Staat es tun, so die klare Drohung. Es scheint, als wolle die US-Politik nun tatsächlich Ergebnisse sehen.

    Ankündigungen sind nicht mehr genug

    Kurz vor der Anhörung hatte der Facebook-Chef bereits Maßnahmen angekündigt, mit denen er seinen Kritikern zumindest ein bisschen den Wind aus den Segeln zu nehmen suchte. So kümmere sich in Zukunft mehr Personal um die Sicherheit der Daten der Nutzer. Zudem habe man Geldprämien ausgelobt, wenn jemand eine unerlaubte Datenweitergabe etwa durch App-Betreiber an Dritte melde. Ob sich die US-Politik von Zuckerbergs Ankündigungen ein weiteres Mal beeindrucken lässt, scheint nach dem heutigen Abend zumindest ungewiss.

    (Autor: Florian Regensburger)