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#Faktenfuchs: Water Challenge - neuer Name, alte Risiken | BR24

© DPA/ picture alliance/ Lukas Schulze

Sich nur von Wasser ernähren - in Sozialen Netwerken gilt das als Challenge. Tatsächlich ist es eine "Null-Diät" und sie ist gefährlich

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    #Faktenfuchs: Water Challenge - neuer Name, alte Risiken

    In Sozialen Netzwerken kursiert aktuell die sogenannte "Water Challenge". Man solle 20 Tage lang nichts anderes zu sich nehmen als Wasser. Diese Form der Diät ist in der Wissenschaft seit Jahrzehnten als "Null-Diät" bekannt - Experten warnen vor ihr.

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    In sozialen Netzwerken wie Instagram oder TikTok kursieren seit Wochen Videos und Bilder zu einem vermeintlich neuen Ernährungstrend. Dieser wird entweder als "Water Challenge" oder "Water Fasting" bezeichnet. Im Kern geht es darum, über einen gewissen Zeitraum nichts als Wasser zu sich zu nehmen - bis zu 20 Tage lang.

    Die Nutzerinnen und Nutzer der Plattformen werden meist nicht direkt dazu aufgerufen, an der Challenge teilzunehmen. Dennoch ist die implizite Aufforderung, sich nur noch von Wasser zu ernähren, durchaus zu erkennen. Die deutsche Übersetzung von "Challenge" lautet "Aufgabe" oder "Wettstreit".

    Abnehmen und "sich frei fühlen"?

    In den Posts zur "Water Challenge" beziehungsweise dem Wasserfasten ist die Rede davon, dass das Vorgehen Giftstoffe ausschwemme, man mehr Energie habe und man sich - sollte man es schaffen, zwei Wochen lang nichts als Wasser zu sich zu nehmen - "frei fühlen" werde. Darüber hinaus berichten zahlreiche Nutzerinnen von angeblich drastischen Gewichtsverlusten.

    In der Wissenschaft sei diese Art der Ernährung seit Jahrzehnten bekannt und zwar als sogenannte "Null-Diät", sagt Berthold Koletzko von der Ludwig-Maximilians-Universität München auf Anfrage von BR24. Er leitet die Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung im Haunerschen Kinderspital und ist Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Er empfehle eine Null-Diät nicht zur Gewichtsabnahme, "schon gar nicht bei Kindern und Jugendlichen". Auf Plattformen wie Instagram oder TikTok werden vor allem Heranwachsende angesprochen. TikTok ist bei Schülerinnen und Schülern besonders beliebt.

    Zielgruppe der Challenge: Kinder und Jugendliche

    Während des Verlaufs der Null-Diät verbraucht der Körper zunächst die eigenen Kohlehydratspeicher. Nach rund drei Tagen greift er auf Muskel- und Fettgewebe zurück, um den Energiehaushalt zu decken. Entsprechend komme es, so Koletzko, zu einem "starken Muskelabbau und Verlusten des Knochenmineralsalzgehaltes, die regelmäßig über die Phase der Diät anhalten und oft nicht wieder aufgeholt werden". Das heißt: Die Knochendichte sinkt, die Gefahr der Osteoporose steigt.

    Auch die in der Water Challenge propagierten psychologischen Effekte des Fastens seien bekannt, aber nicht nachhaltig, so der Mediziner Koletzko. Mit dem Ende des Null-Fastens würden sie direkt verschwinden. In den sozialen Netzwerken wird neben dem Gefühl der Freiheit auch die Tatsache betont, dass die Challenge mit starken Kopfschmerzen verbunden sei. Vor allem in den ersten sieben Tagen. Ein erwachsener Mensch kann nur wenige Tage ohne Wasser, aber bis zu 70 Tage ohne Nahrung überleben.

    Anhaltende psychologische Schäden seien nicht zu erwarten, so der Ernährungsmediziner Hans Hauner von der Technischen Universität München. Es sei nicht zu erwarten, dass es "dabei langfristig zu Essstörungen kommt". Dennoch sieht Hauner diese Art der Social-Media-Challenges "sehr kritisch".

    "Das Erreichen eines Schönheitsideals lässt sich nicht erzwingen und setzt Menschen einem unnötigen Stress aus. Die Möglichkeiten der Selbstoptimierung sind sehr begrenzt und haben einen hohen Preis (in vielfacher Hinsicht)." Hans Hauner, Professor am Institut für Ernährungsmedizin, TU München, Klinikum rechts der Isar

    JoJo-Effekt und Gesundheitsrisiken - Gefahren der "Challenge"

    Zu den Gefahren einer Null-Diät zählen Ernährungsmediziner Koletzko und dessen Kolleginnen und Kollegen zufolge: Hyperurikämie (steigende Harnsäure), starke Ketoazidose (vor allem bei DiabetikerInnen gefährliche Übersäuerung des Körpers), Gallensteine, Nierensteine sowie zentralnervöse Nebenwirkungen.

    Auch halte der Gewichtsverlust in der Regel nur kurz an. Nach Ende der Null-Diät stelle sich ein Jojo-Effekt ein. Die verlorenen Kilo seien schnell wieder drauf. Abnehmen durch proteinreiche Ernährung gilt in der Ernährungswissenschaft als deutlich effizienter und ist - im Gegensatz zur Null-Diät - mit deutlich weniger Nebenwirkungen verbunden. In den Sozialen Netzwerken wird in der Regel nicht auf die Gefahren der Challenge hingewiesen.

    Hans Hauner von der TU München betont auf eine BR24-Anfrage, das Wasserfasten sei "für einige Tage akzeptabel". Je länger man jedoch die Diät mache, so Hauner, "desto höher [sei] aber auch das Risiko für Komplikationen".

    Fazit

    Das "Water Fasting" beziehungsweise die "Water Challenge" sind in der Medizin als Null-Diät seit langem bekannt. Zum Abnehmen werden sie nicht empfohlen. Zum einen, weil die Null-Diät als wenig effizient gilt, zum anderen, weil es zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen kann. Bei Kindern und Jugendlichen sehen Experten größere Gefahren (Osteoporose). Die psychologischen Effekte wirken nicht nachhaltig. Für einige Tage sei das Wasserfasten akzeptabel. Je länger man die Challenge jedoch mache, desto größer sei die Gefahr für mögliche Komplikationen.

    Auch BR24 betreibt einen TikTok-Kanal. Dort beleuchten wir ebenfalls die Risiken hinter der "Water Challenge".

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