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Der Firmensitz von Schaeffler in Herzogenaurach – das Unternehmen hat nun angekündigt, 1.300 Stellen zu kürzen.

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Autozulieferer Schaeffler baut 1.300 Stellen ab

Das Unternehmen Schaeffler mit Sitz in Herzogenaurach baut bis 2026 insgesamt 1.300 Stellen ab, davon 1.000 in Deutschland. Es begründete die Maßnahme am Dienstag mit der Transformation weg von Verbrenner-Antrieben hin zur E-Mobilität.

Der Automobilzulieferer Schaeffler will weltweit 1.300 Stellen abbauen, davon 1.000 in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Herzogenaurach begründet die Maßnahme damit, dass es vor allem im Bereich von Verbrennungsmotoren, der Sparte Automotive Technologies, Überkapazitäten abbauen und Fixkosten reduzieren will. Die Maßnahmen sollen bis 2026 abgeschlossen werden, teilt das Unternehmen am Dienstag mit. Betroffen sind vor allem die Standorte Herzogenaurach, Bühl und Homburg. Laut Schaeffler soll der Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen und sozialverträglich erfolgen.

    Abbau vor allem bei den konventionellen Antrieben

    Es reiche künftig nicht aus, nur technologisch führend zu sein, so der CEO der Sparte Automotive Technologies der Schaeffler AG, Matthias Zink. "Vielmehr sind wettbewerbsfähige Kostenstrukturen entscheidend, um die Transformation weiter zu beschleunigen und Schaeffler konsequent auf die Elektrifizierung des Antriebsstrangs auszurichten. Dies bedeutet im Umkehrschluss auch, die Kostenbasis zu reduzieren und Überkapazitäten abzubauen."

    Das Programm wird nach Angaben von Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld 130 Millionen Euro kosten und soll ab 2026 im Jahr 100 Millionen Euro einsparen. Die Transformation hin zu Elektroantrieben gehe viel schneller als vor Kurzem angenommen – getrieben vor allem von Entwicklungen in China und in den USA, sagte Rosenfeld. Deshalb müssten Überkapazitäten in diesem Bereich abgebaut werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig komme der Aufbau neuer Technologien voran.

    Das angekündigte Transformationsprogramm ist das zweite innerhalb kurzer Zeit bei dem fränkischen Konzern. 2020 hatte er den Abbau von 4.400 Stellen bekanntgegeben. Werksschließungen seien diesmal nicht beabsichtigt.

    In Herzogenaurach Verwaltung, Lager und Forschung betroffen

    Besonders betroffen vom Stellenabbau seien die Unternehmensbereiche Motor-/Getriebesysteme und Lager der Sparte Automotive Technology. Dreiviertel der vom Abbau betroffenen Stellen seien in der Verwaltung sowie in zentralen Funktionen im Bereich Forschung und Entwicklung für Verbrennungsmotoren. Ein Viertel der Stellen, die abgebaut werden sollen, sind in der Produktion angesiedelt. In Deutschland betrifft das im Wesentlichen die Standorte Herzogenaurach, Bühl und Homburg.

    Am Unternehmenssitz in Herzogenaurach soll vor allem bei der Verwaltung "in den Zentraleinheiten der Schaeffler Gruppe" gespart werden. Zudem sind von den Umstrukturierungsmaßnahmen die Lagerfertigung – weil laut Unternehmen sehr kostenintensiv – sowie der Forschungs- und Entwicklungsbereich für Verbrennungsmotoren betroffen. Gestärkt werden sollen dort die Bereiche der E-Mobilität und der Wasserstoff-Forschung. Zudem teilte Vorstandschef Rosenfeld mit, dass Schaeffler ein neues Zentrallabor in Herzogenaurach plane.

    Angst vor Stellenstreichungen in Unterfranken

    Auch wenn die unterfränkischen Standorte in Schweinfurt, Kitzingen und Eltmann scheinbar nicht von den nun angekündigten Stellenstreichungen betroffen sind, macht sich unter den Beschäftigten Sorge breit. Dem Betriebsratsvorsitzenden von Schaeffler in Schweinfurt, Jürgen Schenk, liegen bisher keine Informationen zu geplanten Stellenstreichungen in unterfränkischen Betrieben vor. Dementsprechend werde er sich zunächst weiter auf die aktuell laufende Tarifrunde konzentrieren.

    Der Standort in Eltmann soll, das ist schon lange bekannt, bis Ende 2023 geschlossen werden. Die Mitarbeiter erhalten am Standort Schweinfurt neue Arbeitsplätze.

    Schaeffler rechnet weiter mit Umsatzplus

    Zudem sprach Rosenfeld bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen davon, dass der Auftragseingang bei Lösungen für die E-Mobilität die Erwartungen deutlich übertreffe. Derzeit stünden Aufträge im Wert von 4,7 Milliarden Euro in den Büchern. Geplant seien zwei bis drei Milliarden Euro gewesen. Insgesamt sei das dritte Quartal gut gelaufen, vor allem dank guter Geschäfte im Bereich Industrie. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum demnach um 20,2 Prozent.

    Für das Gesamtjahr bleibt Schaeffler bei seiner Prognose eines Umsatzwachstums von sechs bis acht Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen einen Anstieg um 9,7 Prozent auf 13,9 Milliarden Euro geschafft. Nach drei Quartalen liegt Schaeffler in diesem Jahr bei 11,8 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Sondereffekten sank zugleich von 962 Millionen auf 813 Millionen Euro.

    Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

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