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Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wurde vor 75 Jahren eingeweiht

Bildrechte: BR/Henrik Ullmann
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Vor 75 Jahren wurde die KZ Gedenkstätte Flossenbürg eingeweiht

Der Pfingstsonntag am 25. Mai 1947 ist ein wichtiger Tag in der Aufarbeitung des Dritten Reichs: An dem Tag wurde die KZ Gedenkanlage in Flossenbürg eingeweiht. Sie soll an die Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers erinnern.

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Thomas  MuggenthalerThomas MuggenthalerBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Vor 75 Jahren, am Pfingstsonntag, den 25. Mai 1947, wurden in Flossenbürg zur Erinnerung an die Opfer des ehemaligen Konzentrationslagers eine Kapelle und eine Gedenkanlage eingeweiht. Es war in Europa eine der ersten Gedenkstätten am Ort eines ehemaligen KZ. Darauf weist die Stiftung Bayerische Gedenkstätten hin, unter deren organisatorischem Dach sich heute die KZ-Gedenkstätten Dachau und Flossenbürg befinden.

Am 23. April 1945 befreite die US-Armee das KZ Flossenbürg. Sie traf rund 1.500 kranke Häftlinge an, oder solche wie den Sozialisten Leo Mistinger aus Wien, die sich bei den Kranken versteckt hatten. Rund 15.000 Häftlinge trieb die SS in den berüchtigten Todesmärschen in Richtung des KZ Dachau.

Überlebende errichten ersten Gedenkort

Amerikanische Militärstellen richteten nach der Befreiung in den Baracken des KZ zunächst ein Kriegsgefangenlager für SS-Angehörige ein. Danach erfolgte die Umwandlung in ein Transitcamp für polnische Displaced Persons (DPs). Die polnischen Überlebenden waren es auch, die in Flossenbürg im Stile eines Kreuzweges im sogenannten Tal des Todes eine Gedenkanlage errichteten. Später geriet Flossenbürg in Vergessenheit und galt als "vergessenes KZ". Auf dem ehemaligen Appellplatz wurde eine Fabrik gebaut, auf den Fundamenten der Baracken Wohnhäuser.

Sozialwohnungen im "vergessenen KZ"

Der Gedenkort war auf einen Bereich beschränkt, der sich in der NS-Zeit außerhalb des eigentlichen Lagers befand, wie das Gefängnis, den sogenannten Bunker und das "Tal des Todes" mit dem Krematorium. Die Anlage firmierte als "Grab- und Gedenkstätte", war der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung zugeordnet und präsentierte sich wie ein großer Friedhof mit viel Grün. Lediglich eine kleine Ausstellung im ehemaligen Lagergefängnis, von dem auch der größte Teil abgebrochen worden war, informierte die Besucher. In der Kommandantur, dem Symbol des KZ, waren Sozialwohnungen untergebracht. Um das Areal kümmerte sich ein Gärtner, damals der einzige Beschäftigte in der "Grab- und Gedenkstätte".

Umgestaltung auf Druck ehemaliger Häftlinge

Nach der Gedenkfeier zur Befreiung des KZ vor 50 Jahren begann 1995 vor allem auf Druck ehemaliger Häftlinge die Umgestaltung des ehemaligen Lagers. Das waren Persönlichkeiten wie Milos Volf aus Prag, Charles Dekeyser aus Belgien, Jack Terry aus den USA, der aus Polen stammt und als Jude nach Flossenbürg verschleppt worden war oder Celina Wojnarowicz aus Warschau, die in Plauen in einem Außenlager von Flossenbürg inhaftiert war. Die französische Firma Alcatel, die das Areal im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben hatte, bot es dem Freistaat Bayern für eine symbolische Mark an.

Gedenkstätte nimmt Formen an

Danach wurde das Fabrikgebäude auf dem Appellplatz abgerissen, genauso wie ein nachträglich errichteter Querbau, der die Häftlingsküche mit der Häftlingswäscherei verband. Es wurde eine eigenständige KZ-Gedenkstätte geschaffen mit wissenschaftlichem und pädagogischen Personal. Das Lagerareal wurde umgestaltet und wieder als ehemaliges KZ erkennbar gemacht. In der ehemaligen Häftlingswäscherei wurde 2007 eine Dauerausstellung zur Geschichte des KZ eingerichtet, in der ehemaligen Häftlingsküche gegenüber 2010 die Ausstellung "Was bleibt?" über die Nachkriegsgeschichte des Ortes sowie der ehemaligen Häftlinge wie Leszek Zukowski aus Warschau oder Steve Israeler aus New York.

Die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg wurde vor 75 Jahren eingeweiht.

Bildrechte: dpa/Armin Weigel

Heute anerkannte KZ-Gedenkstätte

Teil der Gedenkstätte wurde auch das ehemalige Casino der SS, in dem ein Café sowie Seminarräume eingerichtet wurden und das 2021 von der Architektenkammer mit dem Bayerischen Staatspreis in der Kategorie "Bauen im Bestand" von 1900 bis 1945 ausgezeichnet wurde. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) würdigte in diesem Jahr als Rednerin beim Gedenkakt zur Befreiung des Lagers am 24. April 2022 die innovative Arbeit der Gedenkstätte, die etwa mit der Ausstellung "Was bleibt?" nicht nur nachzeichnet, was bis zur Befreiung geschehen ist.

Steinbruch soll Teil der Gedenkstätte werden

Die Entwicklung der Gedenkstätte ist keineswegs abgeschlossen, sie steht zudem vor einer neuen Ära. Wenn Ende 2024 der Pachtvertrag einer privaten Firma für den KZ-Steinbruch endet, soll der Steinbruch Teil der Gedenkstätte werden. Damit wird die Gedenkstätte "noch einmal deutlich erweitert", so Karl Freller, Direktor der Stiftung der Bayerischen Gedenkstätten. Im Steinbruch stehen mehrere Originalgebäude aus der KZ-Zeit. Es gibt kein anderes "Steinbruch-KZ" mit einem vergleichbaren Baubestand. Um sich einen Eindruck von dem Areal machen zu können, hat die Gedenkstätte einen hohen Metallturm, das Kunstwerk "Sichtung", in der Nähe des Steinbruchs aufgestellt, der für Besucher geöffnet ist.

Bereits heute nutzt die Gedenkstätte das Verwaltungsgebäude der SS für den Steinbruch, das sogenannte DESt-Gebäude der Deutschen Erd- und Steinwerke, das zwischen dem Ort und dem Steinbruch liegt.

Das sogenannte DESt-Gebäude am ehemaligen KZ Flossenbürg.

Bildrechte: BR/Thomas Muggenthaler

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