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Was Kinder freut, schreckt Landwirte: Die Maikäfer fliegen. Rund um Passau verdunkeln sie regelrecht den Himmel. Beim Autofahren prasseln Käfer gegen die Autoscheibe. Und auf ihren Terrassen müssen die Menschen in Deckung gehen.

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Maikäfer im Anflug: Landwirte befürchten "Totalschaden"

Die Bauern im Bayerischen Wald haben Angst. Angst vor dem Maikäfer! Gerade wird vor allem die Region Passau-Freyung von einer regelrechten Maikäfer-Plage heimgesucht. Das ist nur der Anfang - und ein düsterer Vorbote für das nächste Jahr.

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Von
  • Martin Gruber
  • BR24 Redaktion

Landwirte im Bayerischen Wald befürchten eine Maikäferplage. Es gebe viele Anzeichen, dass das Insekt im nächsten Jahr großflächig ganze Wiesen zerstören könnte.

Maikäfer-Schwärme: "Lärm wie von einem Flugzeug"

Im Raum Breitenberg im Landkreis Passau und Neureichenau im Landkreis Freyung-Grafenau haben in den vergangenen Tagen große Maikäferschwärme die Landwirte aufgeschreckt. Reinhard Hofmann und Siegfried Jäger berichten von "Lärm wie von einem Flugzeug" und von einem "furchterregenden Brummen, das der Schädling in der Abenddämmerung besonders über Wiesen und an Lichtkegeln veranstaltet". Hans Koller vom Bayerischen Bauernverband in Passau ahnt Schlimmes:

"Wenn die Maikäfer heuer in dieser Menge unterwegs sind, bedeutet das im nächsten Jahr Totalschaden auf unseren Wiesen." Hans Koller vom Bayerischen Bauernverband in Passau

Die Region im östlichen Landkreis Passau und im Kreis Freyung-Grafenau sei davon besonders betroffen. Koller: "Die Schäden haben sich hier in den letzten Jahren vervielfacht."

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ie Bauern im Bayerischen Wald haben Angst vor dem Maikäfer! Gerade wird vor allem die Region Passau-Freyung von einer regelrechten Maikäfer-Plage heimgesucht. Das ist nur der Anfang - und ein düsterer Vorbote für das nächste Jahr.

Bekämpfung schwierig

Ullrich Benker, Insektenforscher an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), kann die Sorgen der Landwirte nachvollziehen. Heuer sei ein Hauptflugjahr des Feldmaikäfers, der seine Eier jetzt am Boden ablegt: "Daraus schlüpfen die Engerlinge, die im nächsten Jahr die Wurzeln in den Wiesen abfressen, dass die Grasnarbe keinen Halt mehr hat. Die braun werdenden Grünflächen können dann wie Rollrasen abgezogen werden."

Die Bekämpfung des Schädlings sei schwierig, so Benker. Chemische Mittel seien verboten. Und biologische Extrakte wie "NeemAzal" stecken in einem langwierigen Genehmigungsverfahren, weil sie - neben dem Schädling Maikäfer - auch andere Insekten abtöten.

Naturschützer verstehen die Sorgen

Naturschützer sehen das Problem Maikäfer durchaus zwiespältig. Karl Haberzettl vom Bund Naturschutz in Passau sagte dem BR, die Bauern hätten mit ihren Sorgen durchaus recht. Aber: "Chemische Bekämpfung wäre für uns keine Lösung. Wir wissen von Landwirten, dass sie den Maikäfer seit Jahrzehnten natürlich bekämpfen. Zum Beispiel düngen sie jetzt, in der Flugphase, betroffene Wiesen mit etwas Gülle." Dass die Population im Bayerischen Wald größer als anderswo ist und sich das Problem hier verschärft hat, bestätigt auch Haberzettl.

Die Hoffnung bleibt

Bleibt die Hoffnung der Bauern, dass sich ihre Schäden im nächsten Jahr in Grenzen halten. Reinhard Hofmann berichtet von einem "Totalausfall" auf 15 Hektar Wiese vor einigen Jahren. Die Fläche sei restlos kaputt gewesen und habe neu hergerichtet werden müssen. Dazu der Futterausfall. Hofmann: "Das sind 1.000 Euro Schaden pro Hektar. Wenn wir dieses Szenario alle paar Jahre miterleben müssen, werden einige Landwirte pleitegehen."

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