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Am 1. Juni 2016 kam es in der Stadt Simbach am Inn und in Markt Triftern zu einem verheerenden Hochwasser.

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Fünf Jahre nach der großen Flut im Kreis Rottal-Inn

Die Wassermassen kamen unfassbar schnell: Nach Starkregen versinken 2016 Teile der Stadt Simbach am Inn und des Marktes Triftern in einem gewaltigen Hochwasser. Sieben Menschen starben. Die Folgen der Katastrophe sind auch nach fünf Jahren sichtbar.

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Von
  • Konstantin König
  • Katharina Häringer
  • Christian Riedl
  • Martin Gruber

Der 1. Juni 2016 hat die Stadt Simbach am Inn und den Markt Triftern im Landkreis Rottal-Inn auf einen Schlag verändert. Nach einem heftigen Starkregen rauscht eine meterhohe Flutwelle durch Simbach. In Triftern schwillt der Altbach derart an, dass der Ortskern geflutet wird. Es sind die eher kleinen Bäche und Flüsse, die nach dem Starkregen die ungeheuren Wassermassen mit sich führen.

Sieben Menschen verlieren ihr Leben

In Simbach starben fünf Menschen in den Fluten, in den nahen Gemeinden Julbach und Triftern eine Frau und ein Mann. Die überschwemmte Fläche war zeitweise doppelt so groß wie der Chiemsee. Autos wurden wie Spielzeug weggeschwemmt, Häuser liefen in kürzester Zeit voll, durch die Gärten trieben Baumstämme. Mehr als 5.000 Haushalte waren von der Flut betroffen, bei der ein Sachschaden von rund 1,25 Milliarden Euro entstand.

Dammbruch in Simbach am Inn

Um 13.45 Uhr bricht vor fünf Jahren in Simbach am Inn der Straßendamm zum Schulzentrum. Nicht der große Inn ist für die Katastrophe verantwortlich, sondern der kleine Simbach, der der Stadt ihren Namen gibt. Die Flutwelle bahnt sich ihren Weg in die Innenstadt. Auf dem Weg wird auch die B12 fast vier Meter unter Wasser gesetzt. Lastwagen bleiben stecken, Autos treiben davon.

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Überflutete Lkw und Pkw auf der B12 bei Simbach

Das Wasser steigt in Windeseile

Weil das Wasser so schnell kommt, werden in Simbach fünf Menschen derart überrascht, dass sie sich nicht mehr retten können und sterben. Die örtlichen Feuerwehren sind zu diesem Zeitpunkt schon im Dauereinsatz. Eine Anwohnerin erinnert sich: "Das Wasser ist gestiegen, gestiegen und gestiegen. Gott sei Dank bin ich nicht in den Keller gegangen, da wäre ich nicht mehr rausgekommen." Eine Nachbarin der Frau ertrinkt in den Fluten.

Schutzmaßnahmen im Bau

Die Stadt hat nach der Katastrophe Hochwasserschutzmaßnahmen ergriffen. Für 40 bis 45 Millionen Euro wird das Bachbett des Simbachs verbreitert. Das Bächlein schlängelt sich in engen Kurven durch die Stadt und mündet in den Inn. Ein Teil der Maßnahmen sei bereits fertiggestellt, sagt Bürgermeister Klaus Schmid (CSU).

Unterstützt wird die Stadt bei den Planungen unter anderem von Experten der Universität für Bodenkultur in Wien, die die Hochwasserkatastrophe, der ein 37-stündiger Regen und ein Dammbruch vorausgingen, damals rekonstruiert hatten.

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Klaus Schmid, Bürgermeister von Simbach am Inn (CSU), steht mit einem Plan in dem von der Flut betroffenen Ortsteil

Kleiner Bach wird zum reißenden Fluss

Auch in Triftern sorgt ein kleines Gewässer für die große Katastrophe. Der Altbach schwillt durch den Starkregen zu einem 200 Meter breiten, reißenden Fluss an. Straßen werden unterspült oder zerstört und der komplette Ortskern überschwemmt. Mit Motorbooten und Hubschraubern müssen Menschen aus ihren Häusern gerettet werden, weil die Wassermassen sie eingeschlossen haben. Kinder müssen in der Turnhalle der Schule übernachten, weil sie nicht nach Hause können. Im betroffenen Landkreis Rottal-Inn wird der Katastrophenalarm ausgelöst, Technisches Hilfswerk und auch Bundeswehr werden zur Hilfe eingesetzt. Feuerwehren aus ganz Niederbayern und auch aus Österreich kommen zur Unterstützung ins Rottal.

Hilfsbereitschaft als Lichtblick

Bei all der Trauer, den Verlusten und der Tragik des Hochwassers wird schon kurz nach der Flut ein Lichtblick erkennbar: Die Hilfsbereitschaft für die Opfer der Flutkatastrophe im Landkreis Rottal-Inn ist überwältigend. Unzählige Freiwillige rücken mit Eimern und Schaufeln an, schippen tagelang Schlamm und schleppen kaputte Möbel aus den Häusern. Andere bringen Semmeln und Getränke. Der Freistaat Bayern unterstützt die Geschädigten mit einem Soforthilfeprogramm.

Hochwasserschutz in Triftern kommt nur langsam voran

In Triftern kommt der Bau des Hochwasserschutzes am Altbach aber nur langsam voran, kritisiert Bürgermeisterin Edith Lirsch (ÖDP): "Die Menschen warten jetzt schon seit fünf Jahren, dass ein Hochwasserschutz kommt. Sie sind in dem Bewusstsein, dass die staatlichen Hilfen, die man 2016 ja wirklich über die Geschädigten hat ausfließen lassen, dass das nicht mehr passiert. Sie wissen, diese Hilfen werden nicht mehr kommen." Für den Hochwasserschutz werden zusätzliche Grundstücke benötigt. Die Verhandlungen laufen noch.

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Tagelanger Dauerregen hatte einen Damm brechen lassen. In den Wassermassen kamen in Simbach und Umgebung sieben Menschen ums Leben. Seitdem werden die Hochwassermaßnahmen verstärkt, um die Stadt gegen eine neue Jahrhundertflut zu wappnen.

💡 Was hat die Hochwasser-Katastrophe ausgelöst und was hat sich danach geändert?

Experten sind nach der Hochwasser-Katastrophe zu dem Schluss gekommen, dass Wetterextreme in Kombination mit baulichen Mängeln die Flutkatastrophe ausgelöst haben. Am Simbach war nach den ausufernden Regenfällen ein wichtiges Abflussrohr durch Treibholz versperrt, das Wasser staute sich dahinter. Später kam es zu einem Dammbruch, der das Wasser in die Stadt fluten ließ.

Der Landkreis hat seitdem mobile Hochwasser-Warnanlagen angeschafft. Es wurden neue Warn-Routen ausgearbeitet. Für den Katastrophenfall hat die Feuerwehr verschiedene Lautsprecherdurchsagen vorbereitet, die im Notfall eingesetzt werden und die Anwohner zielgenau warnen können. Der Simbach wird nach und nach umgebaut - und dem Fluss mehr Raum zum Fließen gegeben.

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