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Bildrechte: BR/Sebastian Grosser

Ob Würzburg, Bamberg, Regensburg oder Passau - all diese Städte sind bei Flusskreuzfahrten äußerst beliebt. Doch seit Corona herrscht Flaute in diesem Tourismuszweig. Vor allem Gäste aus Übersee bleiben aus und die Saison ist obendrein recht kurz.

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Flusskreuzfahrt auf Sicht: Reisen unter erschwerten Bedingungen

Die ersten Flusskreuzfahrtschiffe machen wieder in Bayerns Hafenstädten fest. Wegen Infektionsschutz aber mit weniger Gästen an Bord als vor Corona. Das Ausbleiben der Schiffe hat unter anderem Gästeführern und Einzelhändlern finanziell geschadet.

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Von
  • Sebastian Grosser
  • Martin Gruber

Eine Melodie ertönt an Deck des Flussschiffes NickoSpirit, bevor Kreuzfahrtleiter Ferdinand Selig zu seiner Ansprache ansetzt. "Willkommen in Regensburg, liebe Passagiere." Vor Selig liegt ein Zettel mit mehreren Namen, die wiederum mit unterschiedlichen Farben markiert sind. "Bitte denken sie an Ihre Gruppeneinteilung und vergessen Sie ihre Maske nicht, wenn Sie das Schiff verlassen."

Zu diesem Zeitpunkt haben sich schon mehrere Passagiere am Eingang des Schiffes versammelt, um zur Stadtführung an Land zu gehen. Maximal 14 Personen dürfen in eine Gruppe - Infektionsschutz.

Flussstädte: Anlandungen gehen zurück

Die NickoSpirit ist das erste Flusskreuzfahrtschiff, das dieses Jahr in Regensburg festgemacht hat. Viel später als sonst. Normalerweise beginnt die Flusskreuzfahrtsaison bereits im Frühjahr. Doch Corona hat auch 2021 dem einst boomenden Tourismuszweig einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Das Regensburger Stadtwerk, das das Anlegeufer verwaltet, erwartet gerade einmal etwas um die 100 Anlandungen in diesem Jahr. Ähnlich wie bereits 2020, im ersten Corona-Jahr, dürfte die Stadt wieder nur 100.000 Euro mit den Schiffen umsetzen.

Zum Vergleich: 2019 sind über 1.000 Schiffe in Regensburg angelandet, womit die Stadt einen Umsatzerlös von 1,3 Millionen Euro einfahren konnte.

Harte Zeiten für Gästeführer

An der Donaulände, wo die NickoSpirit festgemacht hat, wartet bereits Michaela Ederer auf die Gäste. Die Gästeführerin hat das erste Schiff und seine Passagiere bereits sehnsüchtig erwartet. "Die letzten Monate waren wirklich eine ganz harte Zeit: Ein Großteil der Gästeführer ist als Freiberufler tätig und auf die Gästeführungen und die Umsätze, die sie damit generieren, angewiesen." In der Hochphase der Pandemie waren bundesweit rund 7.500 Gästeführer beschäftigungslos, sagt Ederer, die auch im Vorstand des Bundesverbands der Gästeführer in Deutschland ist. Viele ihrer Kollegen hätten ihre Altersreserven anzapfen müssen. "Daher freuen wir uns sehr."

Passagiere: Kein Problem mit Infektionsschutz

Während die Gäste mit Audioguides im Ohr dem blauen Täfelchen des Reiseanbieters folgen, um die historische Altstadt von Regensburg zu erkunden, unterhält sich Kreuzfahrtleiter Ferdinand Selig mit den auf dem Schiff verbliebenen Passagieren. Sofern sie nicht im Restaurant oder auf dem Sommerdeck sitzen, tragen alle eine Mund-Nasen-Maske. Vielen der größtenteils älteren Passagiere machen die Infektionsschutzmaßnahmen nichts aus. "Die Gäste sind es ja gewohnt", sagt Selig. "Viele Passagiere kennen es von zuhause. Insofern war die Umstellung sehr unkompliziert."

Für den Anbieter von Kreuzfahrtreisen war die Erstellung eines passenden Hygienekonzepts dagegen eine kleine Herausforderung: Um den Abstand zu wahren, dürfen aktuell auch nur 143 der sonst 170 Passagiere an Bord. Auf der NickoSpirit gibt es sogar ein zertifiziertes Testzentrum, damit sich jeder auf dem Schiff alle 48 Stunden testen lassen kann.

Branche: Ende des Kreuzfahrtbooms?

Während der Anbieter Nicko bereits zuvor überwiegend auf ein deutschsprachiges Publikum gesetzt hat, haben es andere Reedereien schwerer, wie der größte Branchenverband IG Rivercruise auf BR-Nachfrage mitteilt.

Besonders Umsätze von Reedereien, die sich ausschließlich auf Gäste aus Übersee wie USA oder Australien spezialisiert haben, seien letztes Jahr um 100 Prozent eingebrochen. Aber auch diejenigen Schiffe, die zwischen Juli und Oktober 2020 fahren konnten, haben Einbußen zwischen 60 und 70 Prozent zu verzeichnen. "Die Queen würde das Jahr 2020 zum 'annus horribilis' erklären. Die IG Rivercruise schließt sich dem an." Die Prognose für 2021 fällt nicht besser aus. "Die Saison ist nur kurz", so IG Rivercruise. Vereinzelt hätten einzelne Anbieter daher Insolvenz angemeldet, seien allerdings bereits vor der Pandemie in finanzielle Schieflage geraten.

Keine Schiffe: Souvenirläden vor dem Aus

Das ausbleibende Kreuzfahrtgeschäft hat auch Gabriele Winklmeier in Existenznöte gebracht. Die 58-Jährige hat einen Souvenierladen in der Altstadt von Passau. Die Schiff-Touristen aus den USA und Frankreich wären eigentlich ihr Hauptgeschäft. Pandemiebedingt sei letztes Jahr allerdings kaum etwas gegangen, so Winklmeier. "Auch heuer läuft es bisher mies: keine Busse, keine Schiffe, keine Kunden. Jetzt kommen zwar die ersten Kreuzfahrtschiffe, aber die legen alle außerhalb an." Sie werde ihren Souveniershop - nach 17 Jahren - wahrscheinlich aufgeben. Winklmeier blickt mit Wehmut zurück: "Vor drei Jahren war hier noch die Hölle los. 300 Gäste schon in der Früh um acht. Da konnte man noch Geschäfte machen. Heute kann es mir passieren, dass ich keine 30 Euro Umsatz mache."

Kreuzfahrtleiter zieht positive Bilanz

Die Gäste der NickoSpirit werden wohl kein Souvenir mehr im Laden von Gabriele Winklmeier kaufen. In Passau endet die Jungfernfahrt des Flusskreuzfahrtschiffes. Mehrere Busse warten entlang der Anlegestelle, wo bereits die Koffer aufgereiht stehen. Kreuzfahrtleiter Ferdinand Selig, der nach neun Tagen seine Gäste verabschieden muss, zieht eine positive Bilanz. "Es war eine entspannte Reise, auch wenn es unentspannt wirkt. Wir waren gut vorbereitet mit den Tests an Bord. Viele Gäste waren geimpft oder genesen. Das ist natürlich auch eine große Erleichterung für uns."

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