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Zupacken anstatt zuhören: Anstelle eines Studiums hat sich Laura Attenberger trotz Einser-Abi für eine Lehre auf dem Bau entschieden.

Bildrechte: BR/Renate Roßberger
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Einserabiturientin macht Maurerlehre

Nach dem Abitur geht es für viele an die Uni. Laura Attenberger aus dem Kreis Cham hat ein Spitzenabi geschrieben - und wählt trotzdem einen ganz anderen Weg: Anstelle eines Studiums hat sie sich für eine Lehre auf dem Bau entschieden.

Von
Renate RoßbergerRenate RoßbergerBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Laura Attenberger aus Zenching im Landkreis Cham hat heuer ihr Abitur mit einem Notenschnitt von 1,1 gemacht. Trotzdem hat sich die 18-Jährige nicht für ein Medizin- oder Jurastudium entschieden, sondern für etwas ganz Bodenständiges: eine Maurerlehre.

Ihr Onkel weckte den ungewöhnlichen Berufswunsch

Laura Attenberger schrieb schon in der vierten Klasse bei Berufswunsch "Maurer" in ihr Freundebuch. Schuld daran war ihr Onkel Alexander Macht, der selbst Maurer ist und seine kleine Nichte schon als Kind in den Baumarkt oder auf die Baustelle mitnahm.

"Das hat mich einfach begeistert, die ganzen Maschinen, die es da gibt, das ganze Werkzeug und wofür man es hernehmen kann. Ich mag es außerdem, in der Arbeit dreckig zu werden." Laura Attenberger, angehende Maurerin

Baustellenalltag mit Blasen an den Füßen

In den ersten Wochen ihrer Lehre bekam die 18-Jährige Blasen an den Füßen von den schweren Sicherheitsschuhen und war jeden Abend todmüde. Die Umstellung von Gymnasium auf Baustellen-Alltag war hart: "Am Anfang war ich wirklich sehr kaputt. Da bin ich zum Teil schon um sieben Uhr oder halb acht Uhr abends ins Bett gegangen, weil ich so fertig war. Es geht halt auch schon früh los, sechs Uhr früh oder halb sieben in der Firma und das haut schon rein, wenn man gewohnt ist, dass man um acht Uhr in die Schule geht und immer sitzt."

Inzwischen liebt es die 18-Jährige, dass sie so viel an der frischen Luft arbeiten kann. Mauern hochziehen und Betonieren gefällt ihr zum Beispiel besser als drinnen Verputzen. Sie ist stolz darauf, dass sich an ihren Händen inzwischen schon ein bisschen Hornhaut gebildet hat.

Als Frau im Männerteam – klappt das?

Baustellen sind immer noch weitgehend Männersache. In ihrer Berufsschulklasse gibt es außer Laura nur noch eine zweite Frau, deren Eltern aber eine Baufirma haben. Auch für die Baufirma Schönberger in Faustendorf bei Arnschwang war es Neuland, einen weiblichen Maurerlehrling einzustellen. Aber es läuft gut: "Laura ist taff", findet Erika Schönberger, die mit ihrem Mann ein Bauunternehmen mit 13 Beschäftigten leitet. "Was man ihr sagt, macht sie sofort. Man muss es ihr auch nicht zwei- oder dreimal erklären. Und sie ist auch kräftig."

Bauarbeit nicht mehr so anstrengend wie früher

Jungs, die nach der Mittelschule mit 16 Jahren eine Maurerlehre anfangen, seien am Anfang auch nicht gerade stark, sagt die Firmenchefin. Das ist für den Beruf auch nicht allein entscheidend. "Heutzutage ist es am Bau sowieso nicht mehr so anstrengend, wie man es vielleicht von früher in Erinnerung hat, dass man zum Beispiel viel schleppen muss", findet auch Laura Attenberger. Man habe Hebebühnen oder einen Kran, die einem die Arbeit erleichtern. "Wenn es dann wirklich ein Problem gibt, wird mir immer geholfen – von den stärkeren Männern unter uns", so die angehende Maurerin.

Die 18-Jährige - 1,72 Meter groß und schlank - langt aber bei der Arbeit auch selber hin, bestätigen ihre Arbeitskollegen: "Da können sich andere Lehrbuben eine Scheibe abschneiden", findet einer von Laura Attenbergers Arbeitskollegen. "Es ist eigentlich recht angenehm und mal was anderes, als nur männliche Mitarbeiter."

Später vielleicht doch ein Bauingenieurstudium

Ihr Freundeskreis, ihre Eltern und auch ihre Lehrer am Gymnasium fanden es fast alle gut, dass Laura erst einmal eine handwerkliche Ausbildung machen will. Ihr Freund Sebastian, von Beruf Elektrotechniker, bestärkte sie in ihrem Berufswunsch. Laura will ihre Lehre auch nicht verkürzen, was mit Abitur möglich wäre, sondern die drei Jahre voll durchziehen. Sie möchte den Beruf "von der Pike auf" lernen und erst dann entscheiden, wie es weitergeht. Wegen ihres Einserabiturs denkt sie allerdings schon an ein anschließendes Bauingenieurstudium – "sonst habe ich mein Abi ja ganz umsonst gemacht", lacht Laura. Aber denkbar wäre auch, den Meister zu machen, also doch ganz im Handwerk zu bleiben.

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