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Bildrechte: BR/Rilk Film/SWR/Andreas Laschober

Die Wiederansiedelung der einst ausgerotteten Biber in Bayern ist eine Erfolgsgeschichte des Natur- und Umweltschutzes. Doch nicht alle freuen sich darüber. Mit dem Biberberater unterwegs ...

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Der Biber ist zurück – und hat Freunde, Feinde und Fürsprecher

Rund 100 Jahre lang war er in Bayern ausgerottet: der Biber. Seine Wiederansiedlung ist eine Erfolgsgeschichte. Allein im Landkreis Rosenheim leben rund 750 Biber. Doch das Tier mit hohem Schutzstatus ist umstritten: Sympathieträger oder Schädling?

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Von
  • Julia Binder

Es ist ein idyllisches Moorgebiet, das Freimoos, zwischen Halfing und Amerang. Eines der rund 40 Reviere von Karl-Michael Günsche. Er ist ehrenamtlicher Biberberater in den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf.

Und aus diesem Grund öfter hier unterwegs - an seinem Arbeitsplatz, den er sich mit dem Biber teilt, wie Günsche es ausdrückt: "Hier arbeiten der Biber und ich, der Biber meistens dann, wenn ich heimgegangen bin. Da wartet er ab. Ich hab aber auch schon gesehen, wie er mich beobachtet hat beim Arbeiten, nach dem Motto: Was strengst du dich an? Ich mach's heute Nacht eh wieder anders."

Biber - Was überwiegt: Nutzen oder Schaden?

Und er macht es gut, sagt der Biberberater. Durch einen mehr als einen Meter hohen, extrem stabilen Damm zum Beispiel hat er einen kleinen See aufgestaut. In dem wuselt und wimmelt es vor Amphibien, ganze Schwärme von Libellen und Schmetterlingen steigen auf. Der perfekte Lebensraum für viele Tiere, die auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten stehen. Wenn man bezahlen müsste, was der Biber hier erschafft, "dann müssten wir sehr viel Geld in die Hand nehmen", sagt der Biberberater Karl-Michael Günsche.

Dennoch müsse auch er bei seiner Aufgabe immer abwägen: Wie hoch ist der Nutzen durch den Biber? Wie hoch auf der anderen Seite aber auch der Schaden? Denn natürlich freuen sich nicht alle darüber, dass der Biber die Landschaft umgestaltet, indem er fällt, staut und frisst.

Bei großen Schäden: Hilfe aus dem Biberschadensfonds

Die Landwirte, deren Wiesen direkt an den Biber-Wald angrenzen, sind teilweise nicht so gut auf das Tier zu sprechen. Immer wieder mal können sie ihre Flächen nicht bewirtschaften, weil der Biber so viel Wasser aufstaut, dass die Wiesen einfach viel zu nass sind. Doch damit das Tier, das in Bayern, Deutschland und der EU einen sehr hohen Schutzstatus genießt, nicht vom Sympathieträger zum Schädling wird, ist vorgesorgt.

Geschädigte sollen nicht auf einem Schaden sitzen bleiben. Deswegen gibt es zwei Möglichkeiten für Ausgleichszahlungen. Für Schäden in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft hat das Bayerische Umweltministerium einen Biberschadensfonds eingerichtet, in dem jährlich Gelder in Höhe von insgesamt 550.000 Euro zur Verfügung stehen. Einzelbäume, die stark verbissen sind, werden beispielsweise ersetzt. Wenn ein Biber in ein Mais- oder Weizenfeld eindringt und dort viel frisst, gibt es ebenfalls eine Entschädigung für den Eigentümer. Im vergangenen Jahr wurden dem Landratsamt Rosenheim 42 Schäden gemeldet und über 26.000 Euro aus dem Biberschadensfonds ausbezahlt.

Da Privatpersonen nicht auf diesen Fonds zugreifen können, bietet der Landkreis Rosenheim noch eine zusätzliche Hilfe an. Er zahlt auf freiwilliger Basis bis zu 50 Euro, um zum Beispiel einen im Garten umgebissenen Obstbaum zu ersetzen. Auch das wurde im vergangenen Jahr öfters genutzt. Der Landkreis zahlte insgesamt 350 Euro aus.

Biberberater setzt auf Vergrämung statt Abschuss

Die Konflikte zwischen Biber und Mensch halten sich, bei den meisten Revieren, in Grenzen. Zumindest im Landkreis Rosenheim. Dazu trägt auch der ehrenamtliche Biberberater Günsche wesentlich bei. Er will verhindern, dass Biber "entnommen" werden müssen, wie es so vornehm heißt. Im Klartext: Dass sie abgeschossen werden. Das sei wirklich nur die letzte Möglichkeit, so Günsche. Vorher versucht der Biberberater in vielen Gesprächen und mit Methoden wie der Vergrämung eine passende Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Und man hoffe zudem auf die Natur, sagt Günsche. Dass die Natur es regeln werde. Denn wenn alle Reviere besetzt seien, dann könne das dazu führen, dass der Biber sich nicht mehr vermehrt. Im anderen Fall sei das schwieriger: "Umgekehrt, je mehr Biber ich entnehme, umso mehr reize ich den Biber zur Nachproduktion. Je mehr Holz ich entnehme, umso mehr wird der Biber verbeißen, um wieder nachzubauen."

Also ist Karl-Michael Günsche weiterhin tags und nachts unterwegs in seinen rund 40 Biber-Revieren, um nach dem Rechten zu sehen, bei Konflikten zu vermitteln, zu entwässern, wenn der Biber allzu viel flutet. Und vor allem, um für Verständnis für den Biber zu werben, um aufzuzeigen, was der Biber alles Gutes tut.

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