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Am Geburtstags-Festakt von Charlotte Knobloch nahmen zahlreiche Gäste teil, u.a. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

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Geburtstags-Festakt für Charlotte Knobloch

Charlotte Knobloch, Streiterin für jüdisches Leben und Demokratie, ist 90 geworden. Der Festakt zum Geburtstag fand in der jüdischen Gemeinde in München statt. Mit dabei: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Markus Söder.

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Charlotte Knobloch wird 90

Zu ihrem 90. Geburtstag wird Charlotte Knobloch ausgiebig gefeiert. Ihre Familie, Kinder, Enkel und Urenkel planen eine Überraschung. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), Streiterin für jüdisches Leben nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, wird aber auch sehr öffentlich feiern. Zum Festakt am Sonntag kamen Hunderte Gäste, unter ihnen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

Geburtstagsfeier im Herzen der Stadt

Der Festakt begann zunächst mit einer Pressekonferenz der Jubilarin. Die 90-Jährige zeigte sich zuversichtlich, dass "wir die bitteren Themen, die uns die letzten Jahre wirklich auch sehr belastet haben, dass wir die vom Tisch bekommen. Denn sonst habe ich wirklich die Befürchtung, dass die jungen Leute, die hier eine Familie aufbauen wollen, sich große Gedanken darüber machen, wie ihre Zukunft aussieht." Damit spielte Knobloch auf die zunehmenden Übergriffe auf Jüdinnen und Juden in Deutschland an.

Erinnerung wach halten

Antisemitismus die Stirn zu bieten, könne man nicht mit Sonntagsreden. Alle müssten zusammenstehen, die Demokratie zu schützen, sagte Knobloch. "Das ist die Grundlage für die Zukunft unseres Landes, wo auch die jüdische Gemeinde eine kleine Rolle spielt." Dass es überhaupt wieder jüdisches Leben in Deutschland nach 1945 gebe, bezeichnete Knobloch als unerwartet mutiges Signal und eine Liebeserklärung an Deutschland. Die jungen Menschen hätten allen Grund, ihr Land zu lieben. "Vergesst aber nie, was Menschen Menschen antun können," mahnte Knobloch.

"So lange ich kann, mache ich weiter"

Als größten Erfolg ihres Engagements für jüdisches Leben in Deutschland bezeichnet sie den Bau der Synagoge mit jüdischem Gemeindezentrum, Museum und Bildungseinrichtungen. Zwanzig Jahre habe sie gemeinsam mit Mitstreitern hart dafür gearbeitet: "Ohne Grundstück, ohne Geld - es war ein Traum meinerseits, der sich realisiert hat." Nach ihren Plänen in der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, deren Präsidentin sie seit 1985 ist, gefragt, sagte Knobloch: "So lange ich kann, mache ich weiter."

Hochkarätige Redner beim Festakt

Im Anschluss an die Pressekonferenz trafen die Gäste im Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde am Münchner Sankt-Jakobs-Platz ein. Für das Zentrum mit Schule und Synagoge in der Mitte der Stadt, das 2006 eröffnet wurde, hatte Charlotte Knobloch als Präsidentin der Gemeinde jahrzehntelang gekämpft. Statt dem versteckten Gebäude und der Synagoge im Hinterhof einige Hundert Meter entfernt, das jahrzehntelang als Gemeindezentrum diente, kann sie ihren Geburtstag im Herzen der Stadt feiern.

Steinmeier: Knobloch sei ein "Füllhorn der Mitmenschlichkeit"

Zum Festakt in München kam auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. In seiner Gratulationsrede lobte er Charlotte Knobloch, sie habe "diesem Land so viel gegeben". Sie sei ein "Füllhorn der Mitmenschlichkeit" und ein Vorbild wegen ihres nie nachlassenden Engagements für die Versöhnung zwischen Juden und Nichtjuden - "und auch für unsere Demokratie". Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete Knobloch als "Fixstern am bayerischen Firmament". "Sie sind einfach ein toller Mensch!" Knoblochs Tapferkeit mache anderen Menschen so viel Mut. Anschließend hielten auch noch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, Geburtstagsreden für Charlotte Knobloch. Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter begleitete die Feier musikalisch.

Lange Gästeliste

Die Gästeliste für den weiteren Geburtstagsnachmittag am Sankt-Jakobs-Platz war lang: Hunderte Menschen haben zugesagt, viele Wegbegleiter in Charlotte Knoblochs langem öffentlichen Leben. Eine kleine Auswahl: Zugesagt haben der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, die Vizepräsidentin des Bundestags Petra Pau, Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, FC Bayern-Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn, Kulturstaatsministerin Claudia Roth, Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, und Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel.

Langjährige Präsidentin der IKG München und Oberbayern

Die gebürtige Münchnerin Charlotte Knobloch überlebte den Holocaust, weil sie von einer Hausangestellten in Mittelfranken als ihr eigenes Kind ausgegeben wurde. Nach dem Ende des Krieges kehrte Knobloch zurück nach München.

Knobloch ist seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Von 2006 bis 2010 war sie Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Außerdem war sie mehrere Jahre Vizepräsidentin im European Jewish Congress und im World Jewish Congress.

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