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Ist Ibuprofen gefährlich Ab wann nach Corona-lmpfung

Ibuprofen und andere rezeptfreie Schmerzmittel können erhebliche Nebenwirkungen haben. Wie gefährlich sind sie wirklich? Wann Sie frühestens nach einer Corona-Impfung Ibuprofen einnehmen können.

Stand: 16.07.2021 | Archiv

Frau nimmt eine Schmerztablette ein | Bild: mauritius images

Ibuprofen oder Paracetamol - Abstand zur Corona-Impfung

Nach einer Impfung gegen Covid-19 können - wie bei jeder Impfung - Impfreaktionen auftreten. Die häufigsten sind Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit und Kopfweh. Deswegen wird in manchen Impfzentren geraten, erst nach sechs bis acht Stunden ein Schmerzmittel gegen die Impfreaktionen einzunehmen. Fakt ist, es gibt noch keine klare Datenlage zu dieser Frage. Die Empfehlung, sechs bis acht Stunden nach einer Impfung mit der Schmerzmittel-Einnahme zu warten, fußt auf einer Studie aus dem Jahr 2014, die bei Erwachsenen feststellte, dass bei einer Impfung gegen Hepatitis B die Einnahme von Paracetamol vor oder direkt nach der Impfung die Immunantwort beeinflusste, eine Einnahme nach 6 Stunden aber nicht. Ob das auf die Impfungen gegen das Corona-Virus übertragbar ist, ist auch unsicher.

Paracetamol wann nehmen nach Impfung gegen Corona

Das Robert Koch-Institut (RKI) schreibt auf die Frage, ob sich Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen auf die Immunantwort auswirken:

"Die Datenlage zu den COVID-19-Impfstoffen ist aktuell nicht ausreichend, um eine sichere Aussage hinsichtlich eines Einflusses der genannten Medikamente auf die Wirksamkeit (Immunogenität) der Impfstoffe treffen zu können. So kann die Auswirkung der Gabe von Paracetamol an einzelne Proband:innen in den Zulassungsstudien von AstraZeneca und ihre Auswirkung auf die nachfolgende Immunität derzeit nicht beurteilt werden, da dem RKI keine Daten dazu vorliegen. Ebenso verhält es sich mit der in einigen Veröffentlichungen erwähnten Zeitangabe, fiebersenkende Medikamente nicht innerhalb von 6-8 Stunden nach Impfung zu geben."

RKI

Befragen Sie zu diesem Thema am besten die Ärztin oder den Arzt, die oder der Sie impft.

Ibuprofen, Aspirin, Diclofenac - Was ist der Unterschied?

Die verschiedenen Schmerzmittel unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung und damit auch in der Wirkung.

Ibuprofen, Diclofenac und Acetylsalicylsäure (ASS) bzw. Aspirin gehören zu den nicht-steroidalen Antirheumatika, kurz NSAR. Sie hemmen die sogenannte Cyclooxygenase (COX). COX findet immer dann statt, wenn in unserem Körper Gewebe geschädigt wird, etwa durch Verletzungen oder Entzündungen. Die Schmerzrezeptoren werden stimuliert und wir spüren Schmerzen. Wird die COX aber unterdrückt, empfinden wir weniger Schmerz.

Das Problem ist jedoch, dass NSAR auch die COX-Enzyme außerhalb des Gehirns blockieren. Dadurch treten unerwünschte Nebenwirkungen auf, wie die Schädigungen der Schleimhaut in Magen und Zwölffingerdarm. Außerdem beeinträchtigen die drei Schmerzmittel-Sorten auch die Blutgerinnung und erhöhen so die Gefahr von Blutungen. 

Der Vorteil: ASS, Ibuprofen und Diclofenac setzen sich aufgrund ihrer chemischen Struktur in entzündetem Gewebe ab. Dadurch hemmen sie Entzündungen. Diese Eigenschaft fehlt dem Paracetamol.

Paracetamol gehört im Gegensatz dazu zu den Analgetika und wirkt nur Fieber senkend und schmerzlindernd. Wie genau Paracetamol wirkt, weiß die man bis heute nicht genau. Fest steht, dass es seine schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung hauptsächlich im zentralen Nervensystem entfaltet, also im Rückenmark und im Gehirn. Auf die Cyclooxygenase hat Paracetamol keinen Einfluss.

Kurz gesagt: Ibuprofen, Diclofenac und Asprin wirken blutverdünnend, helfen aber gegen Schmerzen und Fieber und auch bei Entzündungen. Paracetamol wirkt nur gegen Schmerzen und Fieber.

Wie gefährlich ist Ibuprofen?

Medikamente mit dem Wirkstoff Ibuprofen gehören zu den bekanntesten rezeptfreien Schmerzmitteln in Deutschland. Sie wirken fiebersenkend, gegen Kopfschmerzen und auch bei Arthrose oder Muskelschmerzen kann man Ibuprofen nehmen.

Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Tabletten mit Acetylsalicylsäure sind rezeptfrei erhältlich, können also in der Apotheke gekauft werden, ohne dass Schmerzgeplagte vorher mit einem Arzt sprechen müssen.

Ibuprofen gefährlich - Nebenwirkungen

Allerdings sind die Nebenwirkungen von Ibuprofen nicht unerheblich: Magen- oder Darmprobleme und sogar Nierenschäden. Immer wieder werden auch Fälle bekannt, in denen Menschen nach der Einnahme von Schmerzmitteln Magenblutungen bekamen.

"Es muss nicht die lange eingenommen werden oder eine hohe Dosis sein - Ibuprofen und Acetylsalicylsäure erhöhen das Risiko für Magen-Darm-Blutungen, das muss einem bewusst sein", sagt Prof. Dr. Jörg Schelling, Allgemeinmediziner und ehemaliger Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der LMU München. Wer also bereits Probleme im Magen-Darm-Bereich hatte oder hat, sollte bei der Einnahme besonders vorsichtig sein.

Aber auch ein anderes Risiko sollten Anwender von Schmerzmitteln einkalkulieren: Forscher aus Dänemark bestätigten 2017 mit einer Studie den Verdacht, dass Schmerzmittel auf der Basis von Ibuprofen und Diclofenac auch zu Herzproblemen bis hin zum Herzstillstand führen können. Jörg Schelling: "Die Daten zeigen, dass vermutlich unter längerer Einnahme, sprich über mehrere Monate, das Risiko für Herzanfälle und Schlaganfälle tatsächlich etwas erhöht ist."

Ist Ibuprofen gefährlich und macht unfruchtbar?

Eine weitere, allerdings kleine Studie zeigt, dass Männer bei einer regelmäßigen Einnahme von Ibuprofen vermindert fruchtbar sind. Ein internationales Forscher-Team untersuchte 31 Männer im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. 14 der Probanden nahmen täglich circa 600 Milligramm Ibuprofen zu sich, die anderen bekamen Placebos.

Wie die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichten, konnte bereits nach 14 Tagen eine erste hormonelle Veränderung festgestellt werden. Diese kann für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch für Impotenz verantwortlich gemacht werden.

Das Schmerzmittel manipulierte die Hormonproduktion der Keimdrüsen. Es folgte eine Zunahme des Fortpflanzungshormons Lutropin, was zu einem Ungleichgewicht im Testosteron-Haushalt führte. Eine Verknüpfung, die schließlich eine verminderte Fruchtbarkeit bei den Probanden hervorrief. Tatsächlich fügen die Forscher hinzu, dass dieser Effekt nur bei einer hohen und regelmäßigen Einnahme von Ibuprofen eintreten würde.

Ibuprofen - Diclofenac - gleich gefährlich

Auch mit Diclofenac sollten Sie vorsichtig sein - in einer Langzeit-Studie der Universität Aarhus wurde nachgewiesen, dass die regelmäßige Einnahme von Diclofenac das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall dramatisch erhöht. Die dänischen Forscher kommen zu dem Schluss, dass Diclofenac nur noch auf Rezept erhältlich sein sollte. In Schweden wird Diclofenac seit 1. Juni 2020 nur noch nach ärztlicher Verschreibung an Patienten verkauft. In Deutschland und auch in fast allen anderen EU-Ländern ist Diclofenac rezeptfrei erhältlich. Es gibt momentan auch keine Pläne, das zu ändern. 

Schmerzmittel - wie einnehmen?

"Man muss auch ganz klar sagen, bei normaler Anwendung und bei entsprechender Vorsicht, bei Berücksichtigung der Risikofaktoren und eventuell Rücksprache mit dem Arzt, bevor man es erstmalig oder langfristig nimmt, sind diese Medikamente verhältnismäßig sicherer als viele andere", sagt Jörg Schelling über die gängigen rezeptfrei erhältlichen Schmerzmittel.

"Generell heißt es bei allen freiverkäuflichen Schmerzmitteln: Länger als drei Tage am Stück sollte man sie nicht einnehmen. Sind die Probleme dann nicht weg, sollte man ohnehin zum Arzt gehen."

Jörg Schelling

Gerade bei den rezeptfreien Mitteln ist es für Schelling deshalb wichtig, dass Patienten eine regelmäßige (und nicht vom Arzt verordnete) Einnahme überprüften und sich im Zweifelsfall an einen Arzt oder auch Apotheker wenden.

Ibuprofen - andere Medikamente Wechselwirkungen

Ibuprofen darf nicht zusammen mit bestimmten anderen Medikamenten eingenommen werden - weil sich sonst die bestehende Gefahr für Blutungen im Darm noch erhöht. Es wird abgeraten, Ibuprofen zusammen mit Kortison-Präparaten, gerinnungshemmenden Medikamenten oder Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI einzunehmen. Auch Menschen, deren Nieren erkrankt sind, sollten auf Ibuprofen besser verzichten.


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