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Ist Ibuprofen gefährlich? Deshalb sollten Sie mit Schmerzmitteln vorsichtig sein

Ibuprofen und andere rezeptfreie Schmerzmittel können erhebliche Nebenwirkungen haben. Wie gefährlich sind sie wirklich?

Stand: 27.08.2018

In der Hand einer Frau liegen mehrere weiße Tabletten.  | Bild: picture-alliance/dpa

Wie gefährlich ist Ibuprofen?

Medikamente mit dem Wirkstoff Ibuprofen gehören zu den bekanntesten rezeptfreien Schmerzmitteln in Deutschland. Sie wirken fiebersenkend und gegen Kopfschmerzen und auch bei Arthrose oder Muskelschmerzen.

Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Tabletten mit Acetylsalicylsäure sind rezeptfrei erhältlich, können also in der Apotheke gekauft werden, ohne dass Schmerzgeplagte vorher mit einem Arzt sprechen müssen.

Ibuprofen Nebenwirkungen

Allerdings sind auch die Nebenwirkungen nicht unerheblich: Magen- oder Darmprobleme und sogar Nierenschäden. Immer wieder werden auch Fälle bekannt, in denen Menschen nach der Einnahme von Schmerzmitteln Magenblutungen bekamen.

"Es muss nicht die lange, hohe Dosis sein, sondern Ibuprofen und Acetylsalicylsäure erhöhen das Risiko für Magen-Darm-Blutungen und tatsächlich auch schon bei einer kurzen Anwendung – das muss einem bewusst sein", sagt Jörg Schelling, Gründungsdirektor des Instituts für Allgemeinmedizin an der LMU München. Wer also bereits Probleme im Magen-Darm-Bereich hatte oder hat, sollte bei der Einnahme besonders vorsichtig sein.

Aber auch über ein anderes Risiko sollten sich Anwender von Schmerzmitteln bewusst sein: Forscher aus Dänemark bestätigten Anfang des Jahres mit einer Studie den Verdacht, dass Schmerzmittel auf der Basis von Ibuprofen und Diclofenac auch zu Herzproblemen bis hin zum Herzstillstand führen können. Jörg Schelling: "Die neuen Daten zeigen jetzt, dass vermutlich unter längerer Einnahme, sprich über mehrere Monate, das Risiko für Herzanfälle und Schlaganfälle tatsächlich etwas erhöht ist."

Macht Ibuprofen unfruchtbar?

Eine neue Studie zeigt, dass Männer bei einer regelmäßigen Einnahme von Ibuprofen vermindert fruchtbar sind. Ein internationales Forscher-Team untersuchte 31 Männer im Alter von 18 bis 35 Jahren. 14 der Probanden nahmen täglich circa 600 Milligramm Ibuprofen zu sich, die anderen bekamen Placebos.

Wie die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichten, konnte bereits nach 14 Tagen eine erste hormonelle Veränderung festgestellt werden. Diese kann für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch für Impotenz verantwortlich gemacht werden.

Das Schmerzmittel manipulierte die Hormonproduktion der Keimdrüsen. Es folgte eine Zunahme des Fortpflanzungshormons Lutropin, was zu einem Ungleichgewicht im Testosteron-Haushalt führte. Eine Verknüpfung, die schließlich eine verminderte Fruchtbarkeit bei den Probanden hervorrief. Tatsächlich fügen die Forscher hinzu, dass dieser Fall nur bei einer hohen und regelmäßigen Einnahme von Ibuprofen eintreten würde.

Schmerzmittel - wie einnehmen?

"Man muss auch ganz klar sagen, bei normaler Anwendung und bei entsprechender Vorsicht, bei Berücksichtigung der Risikofaktoren und eventuell Rücksprache mit dem Arzt, bevor man es erstmalig oder langfristig nimmt, sind diese Medikamente verhältnismäßig sicherer als viele andere", sagt Jörg Schelling über die gängigen rezeptfrei erhältlichen Schmerzmittel.

"Generell heißt es bei allen freiverkäuflichen Schmerzmitteln: Länger als drei Tage am Stück sollte man sie nicht einnehmen. Sind die Probleme dann nicht weg, sollte man ohnehin zum Arzt gehen."

Jörg Schelling, Gründungsdirektor des Instituts für Allgemeinmedizin an der LMU München.

Gerade bei den rezeptfreien Mitteln ist es für Schelling deshalb wichtig, dass Patienten eine regelmäßige (und nicht vom Arzt verordnete) Einnahme überprüften und sich im Zweifelsfall an einen Arzt oder auch Apotheker wenden.


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