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Vitamin D Nebenwirkungen Vitamin D gegen einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion?

Wann wir ein Vitamin D-Präparat tatsächlich brauchen und welche Nebenwirkungen das Sonnenvitamin hat. Und ob ein Vitamin D-Präparat in Zeiten der Corona-Pandemie sinnvoll ist.

Stand: 02.11.2020 | Archiv

Mann steht vor untergehender Sonne auf einem Steg bei Chieming | Bild: mauritius images

Vitamin D als Vorbeugung gegen eine Infektion mit dem Corona-Virus?

Immer wieder wird von Herstellern von Präparaten damit geworben, dass Vitamin D vorbeugend gegen eine Infektion mit dem Corona-Virus wirke. Dazu gibt es bis jetzt sehr wenige wissenschaftlich gesicherte Daten. Eine Untersuchung des Queen Elizabeth Hospital Foundation Trust und der University of East Anglia hat den durchschnittlichen Vitamin D-Spiegel in der Bevölkerung von 20 europäischen Ländern mit der Zahl der Covid-19-Fälle und der Todesfälle durch die Infektion miteinander verglichen. Besonders sehr alte Menschen litten unter einem Vitamin D- Defizit und seien gleichzeitig am häufigsten von einem schweren Verlauf von Covid-19 betroffen, stellten die Forscher fest. Sie regen weitere Studien an, um diesen vielleicht bestehenden Zusammenhang aufzuklären.

Einen weiteren Hinweis liefert jetzt eine Studie, die an der Medizinischen Universität Teheran entstanden ist: Die Wissenschaftler um Zhila Maghbooli haben die Vitamin D-Werte von Covid-19-Patienten und den Krankheitsverlauf von 235 Patienten am Sina Hospital in Teheran untersucht. Ergebnis: Von den Patienten über 40 Jahre, die ausreichend mit Vitamin D versorgt waren, starben nur rund zehn Prozent. Von den Patienten, deren Vitamin D-Spiegel unter 30 Nanogramm/Milliliter lag, die also schlechter mit Vitamin D versorgt waren, verstarben 20 Prozent. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D die Komplikationen bei Covid-19-Erkrankungen verringern kann.

Verbraucherzentrale warnt vor hohen Dosen Vitamin D

Zwar sorgt ein ausreichend hoher Vitamin D-Spiegel zusammen mit einer guten Versorgung mit den Vitaminen C, A, B12, B6 und Folat für ein gut funktionerendes Immunsystem, die Verbraucherzentrale Bayern warnt aber vor hohen Dosierungen, für die aktuell geworben wird:

"Empfehlungen wie 'jetzt 5.000 I.E. Vitamin D täglich' (= 125 µg) sind gefährlich, ist das doch mehr als die absolute Obergrenze für eine sichere Zufuhr (Upper Intake Level). Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt sogar nicht mehr als 20 µg (= 800 i.E.) Vitamin D pro Tag."

Verbraucherzentrale

Eine Einnahme von Vitamin D sollte immer mit dem Arzt besprochen werden - gerade auch wegen der benötigten Dosis.

So wirkt Vitamin D im Körper

Vitamin D ist unserem Körper unter anderem für die Härtung unserer Knochen zuständig. Beim sogenannten "Sonnenvitamin " sind sich Mediziner und Wissenschaftler nicht einig, wie hoch die Dosen sein dürfen oder sollen. Und was eine hohe Dosierung von Vitamin D-Präparaten für unsere Gesundheit tatsächlich leisten kann, ist auch noch nicht ganz geklärt. In Studien bewiesen ist, dass eine gute Versorgung mit Vitamin D bei älteren Menschen vorbeugend gegen Stürze, Knochenbrüche und Kraftverlust wirken kann.

Bei Atemwegsinfekten wirkt Vitamin D ebenfalls vorbeugend.

"Dagegen gibt es keine hohe Beweiskraft für eine Risikosenkung für Krebskrankheiten, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Diabetes mellitus Typ 2 durch Vitamin D."

Robert-Koch-Institut (RKI)

Wann besteht ein Vitamin D-Mangel

Generell gilt: Erst, wenn ein Arzt durch eine Blutabnahme tatsächlich einen Vitamin D-Mangel festgestellt hat, sollte man ein Vitamin D-Präparat einnehmen. Die Bestimmung des Vitamin D-Spiegels wird von vielen Krankenkassen nicht bezahlt und kostet zwischen 20 und 30 Euro.

Marker im Blut ist das 25-Hydroxy-Vitamin-D (25-OH-D). "Von einem Vitamin-D-Mangel spricht man bei Serumkonzentrationen des Markers 25-Hydroxyvitamin-D unterhalb von 30 Nanomol pro Liter Serum (30 nmol/l)", so die DGE. Eine ausreichende Versorgung im Hinblick auf die Knochengesundheit wäre ein Wert von 50 nmol/l, so das Robert-Koch-Institut (RKI).

In welchen Lebensmitteln ist Vitamin D

Vitamin D wird nur in geringen Teilen über die Nahrung aufgenommen, nämlich nur zu zehn bis 20 Prozent. "Wenige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen an Vitamin D, zum Beispiel Fettfische wie Lachs, Hering und Makrele, Leber, Eigelb, Wildpilze, Margarine mit Vitamin-D-Anreicherung", schreibt die Stiftung Warentest.

Einige Länder setzen Vitamin D bestimmten Grundnahrungsmitteln zu, zum Beispiel Schweden und Finnland (Milchprodukte). In Deutschland darf Vitamin D nur Margarine zugesetzt werden, für alle anderen Lebensmittel ist ein Vitamin D-Zusatz verboten.

Vitamin D durch Sonneneinstrahlung

Vitamin D kann der menschliche Körper unter Einwirkung von UV-Licht selbst bilden. In unseren Breiten funktioniert das nur in den Monaten von März bis Oktober gut. In den Wintermonaten oder bei Menschen, die sich generell selten draußen aufhalten, kann es zu einer unzureichenden Versorgung mit Vitamin D kommen. Regelmäßig draußen zu sein, hilft, die eigene Vitamin D-Versorgung deutlich zu verbessern. Das gilt besonders auch für Kinder und Jugendliche:

"Eine Sonnenexposition in den Monaten April bis September 2-mal/Woche zwischen 10 und 15 Uhr für 5–30 min mit unbedecktem Kopf, freien Armen und Beinen ist zur adäquaten Vitamin-D-Produktion im Kindes- und Jugendalter (Hauttyp 2 und 3) ausreichend und wird unter der Prämisse der Vermeidung von Sonnenbrand als effektivste Form der Verbesserung des Vitamin-D-Status empfohlen."

Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin (DGKJ e. V.)

Vitamin D-Dosierung - wer braucht Vitamin D-Präparate?

Die Fähigkeit des menschlichen Körpers, Vitamin D zu bilden, nimmt mit dem Alter deutlich ab - ab einem Alter von ungefähr 65 Jahren verringert sich die Fähigkeit der Haut, Vitamin D zu bilden. Doch nicht nur ältere Menschen gehören zu den Risikogruppen, die leichter eine Unterversorgung entwickeln können:

"Personen, die sich bei Sonnenschein kaum oder gar nicht bzw. nur mit gänzlich bedecktem Körper im Freien aufhalten oder Personen mit dunkler Hautfarbe. Zu den Personen, die nicht ausreichend und regelmäßig in die Sonne gehen, gehören insbesondere mobilitätseingeschränkte, chronisch kranke und pflegebedürftige ältere Menschen."

Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Vitamin D Überdosierung

Wenn Vitamin D längere Zeit überdosiert wird, wird das überschüssige Vitamin D in unserem Gewebe gespeichert. Die EFSA hat die tolerierbare Gesamtzufuhrmenge auf 100 Mikrogramm/Tag festgelegt. Eine starke Überdosierung kann schwere Nebenwirkungen hervorrufen:

"Bei einer übermäßig hohen Einnahme von Vitamin D entstehen im Körper erhöhte Kalziumspiegel (Hyperkalzämie), die akut zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen, Erbrechen oder in schweren Fällen zu Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Tod führen können."

RKI

Besprechen Sie sich daher mit Ihrem Arzt, ob bei Ihnen ein Vitamin D-Präparat sinnvoll ist.

Auch bei diesen Vitaminen kann eine Ergänzung sinnvoll sein.


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