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Histaminintoleranz Wenn der Kopf schmerzt nach dem Rotwein

Juckende Haut oder stechende Kopfschmerzen nach einem Schluck Glühwein oder Prosecco? Eine Histaminunverträglichkeit könnte der Grund sein.

Stand: 29.11.2019 | Archiv

Ein Mann, man sieht nur seine Hände, gießt Rotwein in ein Glas | Bild: mauritius-images

Auch, wenn es sich anders anfühlt: Eine Histaminunverträglichkeit, auch Histaminintoleranz (HIT) genannt, ist keine Allergie, sondern eine erworbene Stoffwechselstörung. Histamin ist ein Eiweißstoff, der in unserem Körper produziert wird und als Botenstoff verschiedene Aufgaben hat - zum Beispiel bei Entzündungen oder beim Schlaf-Wach-Rhythmus. Histamin findet sich aber auch in vielen Lebensmitteln. Besonders in solchen, die lange gereift sind - wie Hartkäse, Salami, rohem Schinken oder Fischkonserven oder geräucherter Fisch. Auch Getränke wie Rotwein - und damit auch Glühwein, Prosecco und Bier enthalten Histamin.

Normalerweise ist Histamin in Lebensmitteln kein Problem für den menschlichen Körper, denn es gibt das Enzym Diaminoxidase (DAO). Das regelt den Abbau von Histamin, wenn wir zum Beispiel über die Nahrung zu viel davon aufgenommen haben. Doch nun gibt es eine ganze Reihe an Faktoren, die dafür sorgen, dass in unserem Körper zu wenig von diesem Enzym aktiv zur Verfügung steht: Das sind zum Beispiel Stress, Magen-Darm-Infekte, Alkohol, körperliche Anstrengung, das gleichzeitige Bestehen einer Allergie und die Einnahme von bestimmten Medikamenten wie Acetylsalicylsäure oder Diclofenac. Mediziner vermuten, dass auch die hormonelle Situation dazu führen kann, dass wir auf Histamin von außen - also durch Lebensmittel oder Getränke - urplötzlich mit Beschwerden reagieren.

" ​Auch wir beobachten in unserer Sprechstunde, dass das Beschwerdebild einer Histaminunverträglichkeit zunehmend von Frauen berichtet wird, die sich im Hormonwandel befinden. Leider gibt es hierzu bislang keine wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse, aber es ist durchaus vorstellbar, dass Schwankungen im Hormonhaushalt Auswirkungen auf die Stoffwechselaktivität des Körpers hat."

Dr. Eva Oppel, Allergieambulanz am Klinikum der Universität München

Das erklärt, wieso gerade Frauen, deren Hormonsystem sich rund um die 40 langsam umstellt und in seiner Zusammensetzung schwankt, viel häufiger unter einer Histaminintoleranz leiden als Männer.

Histaminunverträglichkeit Anzeichen

Stechendes Kopfweh, verstopfte oder laufende Nase, Juckreiz oder Pusteln auf der Haut, Bauchschmerzen, Durchfall - all das kann auf eine Histaminintoleranz hindeuten. Kann, muss aber nicht. Und das macht es auch so schwer, eine Histaminunverträglichkeit zuverlässig zu diagnostizieren. Mediziner können meist nur im Ausschlussverfahren zu einer Diagnose kommen. Ein Allergietest zum Beispiel kann klären, ob nicht doch eine Allergie Grund für die Beschwerden ist.

Es gibt aktuell auch keinen Bluttest, der eine HIT zuverlässig feststellen kann.

Lebensmittel mit viel Histamin - Liste

Frische, unverarbeitete Lebensmittel enthalten meist wenig Histamin. Wer viel mit frischen Zutaten viel selbst kocht, ist daher auf der sicheren Seite. Besonders bei Fisch und Fleisch sollten wir unbedingt auf Frische achten. Manche Lebensmittel enthalten viel Histamin oder sorgen dafür, dass im Körper Histamin ausgeschüttet wird (sogenannte Histamin-Liberatoren):

  • Alkoholische Getränke, vor allem Rotwein
  • Käse, besonders lang gereifte Käsesorten wie Emmentaler oder Bergkäse
  • Schokolade/Kakao
  • Rohwurstsorten, z. B. Salami
  • Nüsse, besonders Walnüsse
  • Tomaten (große Mengen von Ketchup!!)
  • Sauerkraut und andere milchsauer eingelegte Gemüsesorten
  • Spinat
  • Fischzubereitungen (z. B. Konserven)
  • Selten z. B. sehr reife Bananen, Zitrusfrüchte, Himbeeren, Erdbeeren

Quelle der Liste: Allergiecentrum Charité Berlin

Bei diesen Lebensmitteln und Getränken müssen sich Menschen mit HIT vorsichtig an ihre eigene Verträglichkeitsmenge herantasten.

Histaminintoleranz - was tun

Wenn Sie vermuten, dass Sie unter einer Histaminintoleranz leiden, weil die Beschwerden immer wieder nach ganz bestimmten Lebensmitteln oder Getränken auftreten, gehen Sie zum Arzt. Suchen Sie Ihren Hausarzt oder einen Allergologen auf. Am besten ist es, wenn Sie Ihrem Arzt bereits bestimmte Lebensmittel nennen können, auf die Sie mit Beschwerden reagieren.

Berichten Sie Ihrem Arzt auch unbedingt darüber, welche Medikamente Sie einnehmen, denn bestimmte Wirkstoffe beeinflussen den Abbau von Histamin im Körper.

So wird Ihr Arzt wahrscheinlich vorgehen:

"Auslassdiäten, langsames Wiedereinführen histaminreicher Kost und gegebenenfalls Provokationstestungen mit Histaminchlorid stellen die tragenden Säulen der Diagnostik dar."

Dr. Eva Oppel, Allergieambulanz am Klinikum der Universität München

Patienten wird meist geraten, über mehrere Wochen hinweg ein Symptom- und Ernährungstagebuch zu führen. Wenn man die Auslöser kennt, gilt es, die Lebensmittel zu meiden, die Beschwerden auslösen. Sind akute Symptome abgeklungen, ist es ratsam, mit der Hilfe einer Ernährungsberaterin eine Umstellung auf histaminarme Kost in Angriff zu nehmen.