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Ein Mann steht auf einem Steg am See bei nebeligen. trüben Wetter.

Ein Mann steht bei nebeligem Wetter auf einem Steg

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Stimmungstief im Herbst: Winterblues oder Depressionen?

Alle Jahre wieder - je kürzer die Tage, desto dunkler wird die Stimmung. Kommt das Stimmungstief saisonal regelmäßig, handelt es sich vermutlich um eine Winterdepression. Die ist keine Ausrede für schlechte Laune, sondern eine anerkannte Erkrankung.

Von
Marlene RiedererMarlene Riederer
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Etwa jeder dritte bis vierte Deutsche kennt ein psychisches Stimmungstief in der dunklen Jahreszeit. Tritt es in zwei oder mehr aufeinander folgenden Jahren auf, spricht man von SAD: "Seasonal Affective Disorder", übersetzt: jahreszeitliche Störung der Stimmungslage. Man nennt die SAD umgangssprachlich auch Winterdepression, Winterblues, Herbstblues oder Novemberblues.

Symptome einer Winterdepression

Typisch für eine Winterdepression ist ein erhöhtes Schlafbedürfnis - besonders am Morgen. Dazu kommen Antriebslosigkeit und eine gedrückte Stimmung sowie generell eine depressive Grundstimmung.

Zwei Drittel der Betroffenen leiden zudem an Appetitzunahme bis hin zu Heißhunger, wobei Süßigkeiten als Stimmungsaufheller eine besondere Rolle spielen. In manchen Fällen führt der Novemberblues auch zu beruflicher Leistungsabnahme und sinkender Libido. Die Ausprägungen reichen von einer leichten Befindlichkeitsstörung bis hin zu einer deutlich depressiven Verstimmung.

Stellt man solche Symptome fest, sollte man vorab die Frage klären, ob die Verstimmung andere als saisonale Ursachen haben kann, etwa berufliche oder familiäre Probleme. Wenn man das ausschließen kann und die Symptome länger als zwei Wochen anhalten, kann eine Erkrankung infrage kommen.

Das Gehirn sagt: Es ist Nacht

Die Ursache für Stimmungstiefs und SAD ist primär Lichtmangel. Licht ist der wichtigste Taktgeber für den Menschen. Die Netzhaut unseres Auges dient nicht nur dem Sehen, sondern sie empfängt auch "Lichtsignale", die im Gehirn biochemische Vorgänge steuern. Das Auge teilt dem Gehirn mit, ob es Tag oder Nacht ist. Heißt die Information "Nacht", produziert das Gehirn müde machendes Melatonin. Die Aktivität des Körpers wird auf Sparflamme geschaltet. Außerdem drückt ein hoher Melatoninspiegel im Körper die Stimmung. Tagsüber wird das Melatonin wieder abgebaut. Dafür wird während der hellen Stunden vermehrt Serotonin gebildet - unser "Glückshormon": Dieses aktiviert den Körper und hebt die Stimmung.

Mit Licht, Luft und Bewegung gegen den Winterblues

Ideal wäre es, jeden Tag ein bis zwei Stunden im Freien zu verbringen. Auch bei trübem Wetter ist genügend Licht vorhanden, um unser Tagesprogramm zu aktivieren. Für viele allerdings ist das mit einem normalen Tagesablauf nicht zu vereinbaren. Deshalb sollte man jede Gelegenheit nutzen, ans Tageslicht zu kommen: Auch ein Spaziergang in der Mittagspause kann die Stimmung heben. Neben Licht tankt man dabei auch Sauerstoff, was in Kombination mit der Bewegung Herz und Kreislauf anregt. Auch das wirkt gegen Trägheit.

Licht durch Tageslichtlampen

Hilft der Aufenthalt im Freien alleine nicht, können spezielle Tageslichtlampen mit hellem weißem Licht eingesetzt werden. Eine normale Zimmerlampe reicht dazu nicht aus. Sie hat zum einen nur eine Lichtstärke von etwa 100 Lux, zum anderen hat das künstliche Licht ein anderes Spektrum. Sonnenschein draußen erreicht oft mehrere 1.000 Lux.

Jeder fünfte Deutsche hat schon mal Erfahrungen mit Depressionen gemacht.

Bildrechte: BR/Julia Müller

Mehr Licht reicht bei Depressionen nicht

Bei nicht-saisonalen Depressionen hilft die Lichttherapie nicht. Wer sich das ganze Jahr hindurch mit erdrückenden Stimmungstiefs und starker Antriebslosigkeit quält, sollte unbedingt seinen Hausarzt aufsuchen. Neben Traurigkeit treten bei Depressionen auch meist uncharakteristische körperliche Symptome auf wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Erschöpfung.

Gegen Depressionen gibt es zwar kein Allheilmittel, doch kann man sie mit einer Kombination aus Therapie und Medikamenten in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen. Allerdings: Ein vertrauensvolles Verhältnis zum Arzt ist dabei genauso wichtig wie Geduld und Beharrlichkeit.

Reden, Reflektieren, Nachspüren

Ziel einer Therapie ist es, Gefühlen und Gedanken einen Raum zu geben, die man im Alltag verdrängt, und die sich deshalb nur auf Umwegen bemerkbar machen können. In einer Therapie bekommt man vom Psychotherapeuten Hilfe beim genaueren Hinsehen, Hinterfragen und Verstehen. Was meist ein erster Schritt in Richtung Heilung ist.

Antidepressiva: kein Suchtpotential

Bei einer medikamentösen Therapie bekommt man Antidepressiva. Diese machen entgegen der landläufigen Meinung nicht abhängig. Bei depressiven Menschen ist die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen gestört, weil bestimmte Botenstoffe nicht genügend vorhanden sind. Allerdings weiß man nicht sofort, welcher Botenstoff bei welchem Patient gestört ist. Deshalb müssen die Betroffenen oft verschiedene Antidepressiva ausprobieren, bevor eine lindernde Wirkung eintritt.

Bin ich nur "schlecht drauf" oder schon mitten in einer Depression? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen während der Pandemie.

Bildrechte: Sven Simon/ Picture Alliance

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