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Wie stark bedrohen Katzen die Vogel-Welt? | BR24

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Katzen jagen gerne Vögel. Kann man sie deshalb für das Artensterben von Vögeln verantwortlich machen und sie zu Hause einsperren? Ein Verbot, dass sicher nicht allen Katzenbesitzern gefallen würde.

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Wie stark bedrohen Katzen die Vogel-Welt?

Manche halten Katzen für fiese Raubtiere, die massenhaft Singvögel, Kröten und Mäuse töten. Wegen ihnen höre man weniger Vogelgezwitscher. Umweltschützer sagen: Ja, Katzen sind ein Faktor. Eine andere Entwicklung bedrohe die Vogel-Welt aber mehr.

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Unsere heimische Vogelwelt ist in Gefahr - vielleicht auch durch Katzen: Sie töten in Deutschland laut Schätzungen bis zu 200 Millionen Vögel, sagt der NABU, und in den letzten zehn Jahren sind auch zwölf Millionen Brutpaare verschwunden. Aber sind sie wirklich schuld daran, dass es immer weniger Singvögel gibt? Der Landesbund für Vogelschutz ist vorsichtig:

"Katzen sind sicherlich ein Faktor, aber sie sind mit Sicherheit nicht der bedrohende Faktor für unsere Umwelt." Sophia Engels, Landesbund für Vogelschutz (LBV)

Insektensterben: Jungvögel verhungern im Frühjahr

Die industrialisierte Landwirtschaft und das Insektensterben seien für die Vögel viel gefährlicher, so der Landesbund für Vogelschutz. Denn die Jungvögel fressen im Frühjahr ausschließlich Insekten, und wenn die ihnen fehlen, müssen sie verhungern. Dazu kommt der Lebensraumverlust:

"Das sieht man daran, dass die Vögel, denen es am Schlechtesten geht, in der Agrarlandschaft leben. Die haben teilweise ganz fatale Bestandseinbrüche hinnehmen müssen. Das sind nicht die Arten, die von Katzen betroffen sind." Sophia Engels, Landesbund für Vogelschutz (LBV)

Verwilderte Katzen müssen jagen

Trotzdem sind Katzen für Vögel ein Problem: Besonders problematisch sind die Tiere, die keine Besitzer mehr haben und verwildert sind. Sie streunen draußen herum, pflanzen sich fort und müssen jagen, um sich zu ernähren. Geschätzt zwei Millionen herrenlose Katzen gibt es in Deutschland. Sie müssten aufwendig eingefangen und kastriert werden und sie bräuchten natürlich ein neues Heim.

Hauskatzen, die auch nach draußen dürfen, sogenannte Freigänger, jagen nur zum Zeitvertreib und aus dem Jagdtrieb heraus und nicht, weil sie hungrig sind. Das wäre hauptsächlich dann ein Problem, wenn es in einer Siedlung zum Beispiel sehr viele Katzen gibt.

Katzenbesitzer müssen ihre Katze beschäftigen

Damit auch normale Freigänger nicht so häufig auf Vogeljagd gehen, müssen sich ihre Besitzer besondere Mühe geben. Denn Katzen sind Raubtiere mit einem Jagdtrieb. Den wollen sie auch ausleben – aber am besten mit einem intelligenten Spielzeug im Wohnzimmer.

"Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel solche Bälle, die in irgendwelchen Formen kreisen, das ist dann der Mausersatz. Oder auch solche Dinge, in die man Leckerchen hinein tut, dass die Katze dann eben versuchen muss, das mit der Pfote rauszukriegen." Frank Weber, Ladeninhaber einer Zoohandlung

Katzen nicht immer rauslassen

Wichtig wäre laut Tierschutzorganisationen, dass Katzen von Mitte Mai bis Mitte Juli in den Morgenstunden nicht rausgelassen werden, denn zu diesen Zeiten sind die meisten Jungvögel unterwegs, die gerade erst flügge werden. Man könnte einer Katze auch ein kleines Glöckchen umhängen, dann werden Altvögel vor ihnen gewarnt. Katzen mögen das aber nicht besonders.

Bäume mit Vogelnestern können auch mit speziellen Manschettenringen geschützt werden, dann können die Katzen nicht mehr an ihnen hinaufklettern. Stachelige und dornige Sträucher wie Wildrosen im Garten sind ebenfalls ein idealer Ort für Vögel, um ihre Nester zu bauen.