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Wie gefährlich sind Brände bei E-Autos wirklich? | BR24

© picture alliance / Dennis Straub/onw-images.de

Symbolbild: Brennendes Auto bei Würzburg

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    Wie gefährlich sind Brände bei E-Autos wirklich?

    Brennen E-Autos leichter als Benziner? Ist es schwieriger, E-Auto-Brände zu löschen? Und ist die Feuerwehr ausreichend vorbereitet? Um Brände bei E-Autos kursieren viele Fragen und Gerüchte. Ein #Faktenfuchs mit Antworten.

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    Um die Sicherheit von E-Autos kursieren viele Gerüchte: Von Wägen, die "aus heiterem Himmel" anfangen zu brennen, ist in Kommentaren auf unseren Plattformen die Rede und von Bränden, die kaum zu löschen seien. Manche unserer User glauben sogar, dass mit der Verbreitung von E-Autos ein "flammendes Inferno" auf uns zukomme. An welchen Gerüchten rund um die Brandgefahr von E-Autos ist etwas dran – und an welchen nicht? Der #Faktenfuchs klärt oft gestellte Fragen.

    © BR24

    User Kommentar auf BR24-Facebookseite

    Die häufigste Ursache für Autobrände ist laut ADAC, dass Kraftstoff oder Öl austritt und auf heiße Autoteile gelangt oder Reibung von Fahrzeugteilen an brennbaren Materialien. Diese Brandursachen sind beim E-Auto praktisch ausgeschlossen.

    Seriöse Statistiken zu Bränden von E-Autos gibt es noch nicht, da der Anteil der E-Autos im Straßenverkehr für aussagekräftige Statistiken noch zu gering ist. Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbands, gibt BR24 gegenüber an, dass es keinen Grund gebe, höhere Fallzahlen bei Bränden von E-Autos anzunehmen.

    Das legen auch Crashtests nahe, die der ADAC mit Verbrennungs- und E-Modellen derselben Baureihe durchgeführt hat. "Das Risiko eines E-Autobrandes im Crashfall ist unseren Einschätzungen zufolge vergleichbar oder eher geringer", sagt eine Sprecherin des ADAC gegenüber BR24. Es gebe keinerlei Hinweis darauf, dass E-Autos leichter brennen als konventionell angetriebene Fahrzeuge.

    ADAC: "Keine Hinweise, dass E-Autos leichter brennen"

    "Die Sicherheit des Hochvolt-Systems und der Fahrzeugbatterien war jederzeit gewährleistet", heißt es in der Auswertung des ADAC, es habe keine Brandgefahr bestanden. Ähnlich äußert sich der DEKRA-Unfallforscher Markus Egelhaaf in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "VKU - Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik": "Unsere Versuche bestätigen, dass es keinerlei Grund gibt, sich im Elektrofahrzeug weniger sicher zu fühlen als im konventionell angetriebenen Pkw."

    Außerdem müssen Fahrzeuge internationalen Sicherheitsnormen entsprechen. Das Kraftfahrtbundesamt teilt auf Nachfrage mit, dass die "UN-Regelung 100" entsprechende Anforderungen definiere. Normen zur Eindämmung von Brandgefahr und Brandschutz sind in dieser Regelung festgelegt. Alle Fahrzeuge müssen diese Normen erfüllen. Sprich: Sobald man ein E-Auto kaufen kann, hat es eine minutiöse Prüfung in Bezug auf Brandentwicklung hinter sich. Fallen Autos durch diesen Test, dürfen sie nicht zugelassen werden.

    Entzünden sich E-Autos ohne Fremdeinwirkung schneller als Verbrenner?

    Kritiker von E-Autos argumentieren oft, dass E-Autos ohne ersichtlichen Grund, beispielsweise in Parkgaragen, anfangen könnten, zu brennen. Der ADAC sieht auch in diesen, wie er betont, seltenen Fällen keinen Unterschied zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

    "Generell kann bei einem technischen Defekt ein E-Auto genauso wie ein Verbrenner von sich aus anfangen zu brennen." ADAC-Sprecherin gegenüber BR24

    Die größte Wahrscheinlichkeit für Probleme besteht beim Überladen der Akkus. Darin sind sich ADAC und Feuerwehrverband einig. Akkus sind auf eine bestimmte Ladedauer und Ladeintesität ausgelegt. Werden sie zu schnell oder zu stark geladen, kann es zu Kurzschlüssen kommen. Das Phänomen ist vor allem von alten oder günstigen Elektroprodukten bekannt.

    Bei E-Autos ist "ein Überladen technisch nahezu unmöglich", sagt eine Sprecherin des ADAC. Die Wagen sind auch elektrisch gegen Fehlerströme und Kurzschlüsse abgesichert. Bei einem Fehler wird die Stromzufuhr unterbrochen.

    Überladen – bei E-Autos "technisch nahezu unmöglich"

    Doch wie groß ist die Gefahr, dass ein E-Auto brennt, das nicht gerade geladen wird? "Ohne Fremdeinwirkung ist ein Entzünden eines E-Autos nahezu ausgeschlossen", betont Knorr vom Deutschen Feuerwehrverband. Wenn das Auto trotzdem Feuer fängt, dann könne es sein, dass ein anderes Gerät, wie zum Beispiel ein Handy im Auto, den Brand auslöst – oder dass die Batterie bereits vor dem Abstellen des Wagens stark beschädigt wurde und ein innerer Zersetzungsprozess einsetzen könnte. Dieser Prozess könnte sich auch beim Parken fortsetzen und einen Brand verursachen.

    Kritisch kann es laut ADAC dann werden, wenn die Antriebsbatterie etwa durch einen Unfall beschädigt worden ist. Im schlimmsten Fall könnten die Batteriezellen "durchgehen". Das wäre der sogenannte "Thermal Runaway". Dann brenne die Antriebsbatterie und sei nur schwer zu löschen. Aus diesem Grund betreiben die Hersteller laut ADAC einen immer größeren technischen Aufwand, die Batteriepacks im Unterboden der Fahrzeuge vor Deformation zu schützen.

    Neue Autos brennen stärker als ältere

    Grundlegende Unterschiede gibt es zwischen neuen und älteren Autos – unabhängig von ihren Antriebsformen: Aktuelle Modelle brennen in der Regel stärker als ältere. Das liegt unter anderem an verbauten Materialen, die leicht brennbar sind. Der Feuerwehrverband nennt als Beispiele Kunststoffe zur Wärme- und Geräuschdämmung – aber auch für die immer aufwändigere Innenausstattung in modernen Wägen. Auch Reifen würden immer dicker und enthielten mehr Gummi als früher. Gummi, so der Feuerwehrverband, ist leicht brenn- und schwer löschbar. "Reifenbreiten, die früher den Sportwagen vorbehalten waren, laufen heute regelmäßig auf Mittelklasse-KFZ", berichtet Knorr vom Feuerwehrverband.

    Kann man E-Auto-Brände schwerer löschen?

    Laut der Feuerwehr München ist der Löschaufwand bei brennenden Autos durchaus vergleichbar, egal ob E-Auto oder nicht. Aber bei einem Vollbrand müsse die Feuerwehr mit der Batterie eines E-Autos anders umgehen als mit einem Tank. E-Autos lösche man ausschließlich über das Kühlen der brennenden Batterie.

    Wasser ist dabei weiterhin das beste Mittel, da es über die größte Kühlwirkung verfüge. "Die Löscharbeiten finden sozusagen innerhalb der Batterie statt, um die Ausbreitung des Feuers auf weitere Batteriezellen zu stoppen", schreibt Dekra-Unfallforscher Markus Egelhaaf. Dazu können auch neue Techniken wie "Löschlanzen" zum Einsatz kommen. Diese werden direkt in die Batterie geschlagen, um ein Übergreifen des Brandes auf andere Batteriezellen zu verhindern.

    Größere Menge Löschwasser bei E-Autos

    Bei E-Autos müsse man mehr Wasser zum Löschen verwenden, da das Wasser direkt in den Akku gelangen muss. Hierfür können circa 3.000 (11.356 Liter) Wasser (direkt auf die Batterie gerichtet) nötig sein, wie der Elektro-Auto-Hersteller Tesla im Notfall-Informationsblatt zum Model S schreibt. Zum Vergleich: Bei einem normalen Fahrzeugbrand würden zum Löschen laut Feuerwehr München mehrere hundert Liter Wasser reichen. Ein standardmäßiges Löschfahrzeug der Feuerwehr fasst 1.600 Liter Wasser. Das größere Tanklöschfahrzeug kann bis zu 4.000 Liter Wasser aufnehmen.

    Eine Besonderheit bei bereits abgebrannten E-Autos besteht im Abtransport. Dieser sei komplizierter und aufwändiger als bei einem Benziner oder Dieselwagen. Es bestehe die Gefahr, dass eine äußerlich gelöschte Batterie im Inneren noch "lebe", wie so Feuerwehrmann Knorr sagt. Wenn die Batterie nicht ausreichend lange gekühlt werde, könne sich der chemische Prozess wieder zu einem Feuer entwickeln. Spätestens nach 24 Stunden gehe aber keine Gefahr mehr von der Batterie aus.

    Wie gut sind Feuerwehr und ADAC auf Brände von E-Autos vorbereitet?

    Die Feuerwehr bereite sich sowohl mit speziellen Löschtechniken, als auch mit technischen Lösungen auf die Bekämpfung von Batteriebränden bei Elektrofahrzeugen vor. Wichtig sei, so der deutsche Feuerwehrverband, ein spezieller Wasserstrahl. Dieser muss aus einzelnen Tröpfchen bestehen, damit keine Spannung von elektrischen Anlagen auf die Einsatzkräfte überspringen kann. Für die Einsatzkräfte reiche die übliche Ausrüstung aus Feuerwehrschutzanzug und Atemschutz auch bei Bränden von E-Autos vollkommen aus.

    Auch der ADAC bereitet laut Eigeninformationen seine Mitarbeiter in Hochvoltschulungen auf Unfälle und Brände von E-Autos vor. Sie müssen erkennen, was beschädigt ist – und ist es die Batterie, holen sie die Feuerwehr dazu, die die Berechtigungen zum Abtransport gefährlicher Güter besitzt.

    FAZIT:

    E-Autos brennen nach Angaben von ADAC und Feuerwehrverband weder heftiger noch nach aktuellem Wissensstand häufiger als Autos mit Verbrennungsmotoren. Laut Kraftfahrtbundesamt fahren nur Autos auf der Straße, die eine detaillierte Normenprüfung bestanden haben – dazu zählen auch Vorgaben zum Brandschutz. Einen Brand ohne Fremdeinwirkung, zum Beispiel in der Parkgarage, halten Experten für sehr unwahrscheinlich. E-Autos unterscheiden sich in den Anforderungen beim Löschen und beim Abtransport der Autowracks von Verbrennungsmotoren. Zu Beachten ist, dass die Batterie auch nach dem Löschen noch gekühlt wird, damit das Feuer nicht erneut aufflammt. Deswegen braucht es mehr Wasser oder eine andere Löschtechnik.

    💡 Was macht der #Faktenfuchs?

    Der #Faktenfuchs ist das Faktencheck-Format des Bayerischen Rundfunks. Wir gehen Gerüchten auf den Grund - und wir beantworten Fragen. Die Journalistinnen und Journalisten im #Faktenfuchs-Team klären absichtlich verbreitete Falschmeldungen oder sich haltende Gerüchte auf. Die Ideen für unsere Artikel kommen vor allem aus den Social Timelines und Kommentarspalten. So erklärt sich die Vielfalt der Themen beim #Faktenfuchs: Politik, Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft, Landwirtschaft oder Medizin. Wirken Inhalte verdächtig oder tritt der Breaking-News-Fall ein, dann prüfen wir auch Bilder oder Videos auf ihre Echtheit und ihren Faktengehalt. Hier erklären wir das ausführlicher. Warum eigentlich "Faktenfuchs"? Wir arbeiten mit einer Software, dem “factfox”. Sie hilft uns, die Fakten im Internet besser zu verbreiten.

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