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Keine Angst vor Schlangen in Deutschland | BR24

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Eine von Deutschlands Schlangen: die harmlose Ringelnatter - wenn auch nicht für Frösche

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    Keine Angst vor Schlangen in Deutschland

    An Schlangen scheiden sich die Geister. Für den einen sind sie faszinierende Geschöpfe, anderen jagen sie Angstschauer über den Rücken. Dabei sind die Tiere ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems und in ihrem Bestand stark gefährdet.

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    Schlangen haben kein gutes Image - sie gelten als falsch und hinterhältig. Nicht umsonst ist der Ausdruck "du falsche Schlange" in der zwischenmenschlichen Kommunikation nicht gerade als Kompliment zu verstehen. Darüber hinaus scheint die Schlange für alles Elend auf Erden verantwortlich, hat sie doch Eva verführt, den Apfel vom Baum der Erkenntnis zu naschen und so für die Vertreibung aus dem Paradies gesorgt.

    Warum haben wir Angst vor Schlangen?

    Und selbst, wenn man von dieser biblischen Schandtat absehen kann, rufen Schlangen bei vielen Menschen Gefühle wie Ekel und Angst hervor - so wie es wohl sonst nur noch Spinnen schaffen. Woran liegt das? Denn eigentlich sind Schlangen ja ästhetische und faszinierende Tiere. Liegt es daran, dass manche von ihnen eine tödliche Gefahr darstellen? Oder an ihrer geschmeidigen, lautlosen Bewegungsform?

    Die Biologin Maximiliane Schumm, Leiterin des Fachbereichs Didaktik der Biologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, sieht die Gründe der Angst vor Schlangen unter anderem in menschlichen Urängsten begründet:

    "Es gibt eine biologische Urangst vor Schlangen im Menschen. Die hat insofern Sinn, als es ja wirklich gefährliche Schlangen gibt. (…) Außerdem können Schlangen wegen ihrer Hornhaut ihre Augen nicht schließen, haben also einen starren Blick, dafür aber keine Haare und auch keine Gliedmaßen. Menschen können sich mit Schlangen also schlecht identifizieren." Maximiliane Schumm in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA)

    Die Schlange – ein Wesen von ambivalenter Bedeutung

    Die Schlange bedeutete in der Geschichte einerseits Tod, Gift und Verderben, anderseits galt die Schlange aber auch unter anderem wegen ihrer Giftigkeit als Sinnbild von Macht und stand wegen ihrer ständigen Häutungen für Regeneration und Unsterblichkeit, so Schumm. So hat der ärztliche und pharmazeutische Stand die Schlange auch zu ihrem Symbol gemacht - mit dem Schlangenstab, oder besser bekannt als Äskulapstab, um den sich eine Schlange windet. Er soll auf Asklepios (deutsch: Äskulap), den Gott der Heilkunde in der griechischen Mythologie zurückgehen, so zumindest einer der verschiedenen Erklärungsansätze.

    Schlangen gibt es (fast) weltweit

    Schlangen gibt es mit Ausnahme von Arktis, Antarktis, Dauerfrostgebieten und einigen Inseln überall auf der Erde. Es sind mehrere Tausend Arten bekannt, die Längen zwischen etwa zehn Zentimetern und sieben Metern erreichen können. Sie leben durchweg räuberisch und hauptsächlich einzeln - vielleicht macht sie das so unheimlich.

    Schlangen überall zu Hause: In der Luft, im Wasser, an Land

    Schlangen existieren schon seit mehr als 100 Millionen Jahren. Die Abstammung der bein- und armlosen Reptilien ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die meisten Arten legen Eier, es gibt aber auch lebendgebärende. Schlangen sind wie alle Reptilien sogenannte ektotherme Tiere, ihre Körpertemperatur hängt also stark von der Umgebungstemperatur ab. Sie sind in allen Ökosystemen zu Hause. Am Boden, im Wasser, unter der Erde und sogar in der Luft: Es gibt in den Tropen Schlangen, die ihren Körper so abplatten, dass sie damit von Baum zu Baum gleiten können.

    © picture alliance / blickwinkel

    Schmuckbaumnattern gleiten von Baum zu Baum. Bis zu 20 Meter können die Nattern fliegen und dabei schlängeln sie sich S-förmig durch die Luft.

    140.000 Menschen sterben weltweit jährlich an Schlangenbissen

    Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO werden jährlich gut sechs Millionen Menschen von Giftschlangen gebissen. Davon sterben 140.000 der Gebissenen, 400.000 Menschen tragen bleibende Schäden wie Blindheit, Amputationen oder eine posttraumatische Belastungsstörung davon. Aber Schlangenphobiker können aufatmen: Deutschland ist ein (nahezu) sicheres Land.

    © dpa

    Der Taipan lebt in Australien und gilt als die gefährlichste Schlange der Welt: Das Gift nur eines Bisses könnte bis zu hundert Menschen töten.

    Keine Angst vor heimischen Schlangen

    Zumindest in Deutschland ist die Angst vor Schlangen unbegründet. Hierzulande leben sieben Schlangenarten mit teils eng begrenzten Vorkommen: die Ringelnatter, die Glatt- oder Schlingnatter, die Würfelnatter, die Äskulapnatter, die Barren-Ringelnatter sowie die Kreuzotter und die Aspisviper. Davon sind nur die Otter und Vipern giftig. Die Aspisviper lebt ausschließlich im südlichen Schwarzwald. Die Kreuzotter ist weiter verbreitet. Sie kommt im norddeutschen Tiefland, im Mittelgebirge und in den alpinen Gegenden oberhalb der Baumgrenze vor. Wohl fühlt sie sich in Heide- und Moorlandschaften, besonders auf den Ostseeinseln Rügen und Hiddensee - und überall dort, wo sie sich aufwärmen kann.

    Biss einer Kreuzotter: Für Gesunde in der Regel kein Problem

    Einem gesunden Erwachsenen können ihre Bisse kaum etwas anhaben. Aufpassen sollten allerdings Kinder, kranke und alte Menschen, für sie kann das Gift durchaus lebensgefährlich werden. Deshalb sollte man nach einem Biss, der sehr schmerzhaft sein kann, umgehend einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. In den vergangenen 60 Jahren ist allerdings nur ein Todesfall bekannt geworden: Eine 81-jährige Frau wurde 2004 auf Rügen gebissen und ist verstorben - allerdings an einer allergischen Reaktion. Denn Bienen- und Wespenallergiker können auch auf das Gift der Kreuzottern und Aspisvipern allergisch reagieren.

    Wenn es durch eine allergische Reaktion zu einer Schwellung der Atemwege kommt, sollte die Schwellung gekühlt werden. Eine schlechte Idee ist es, die Wunde abzubinden oder auszusaugen, wie man es aus alten Western kennt. Rufen Sie vielmehr den Rettungswagen und versuchen Sie, sich die Schlange vom Aussehen zu merken. Das verletzte Körperteil grundsätzlich tief und ruhig halten und die Wunde desinfizieren.

    © picture alliance/Daniel Karmann/dpa

    Eine Kreuzotter

    Der Biss der Aspisviper

    Das Gift der Aspisviper ähnelt dem der Kreuzotter und kann im Extremfall ebenfalls tödlich sein. Nach einem Biss der Giftschlange können Atemnot und Herzbeschwerden auftreten.

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    Eine Aspisviper

    So vertreiben Sie die Schlangen beim Spaziergang

    Zur Beruhigung: Die heimischen Schlangen beißen allenfalls zur Notwehr und verfolgen einen nicht. Wer trotzdem Sorge hat: Mit hohem Schuhwerk und langer Hose beim Wandern in besiedelten Gebieten und einem kräftigen Schritt, der die sensiblen Schlangen durch die Erschütterung verschwinden lässt, geht man auf Nummer sicher. Im Winter hausen Deutschlands Schlangen übrigens in Baumstümpfen, zwischen Felsblöcken oder in Wurzelballen. Selbstverständlich sollte daher sein, nicht in Löcher und Spalten zu fassen. (Achtung: Hunde!)

    Schlangen sind wichtig fürs Ökosystem

    Schlangen fressen Nagetiere und helfen so zu verhindern, dass diese sich unkontrolliert vermehren. "Schlangen sind bei uns wesentliche Vertilger von Nagetieren wie Mäusen, sie regulieren also aus Menschensicht Schädlingspopulationen. (…) Dadurch tragen sie (…) auch zur Verbreitung von Pflanzensamen bei, die die Nager gefuttert haben. Und Schlangen sind auch selbst Nahrung - von Störchen, Greifvögeln, Füchsen und Igeln zum Beispiel." Maximiliane Schumm
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    Schlange frisst eine Maus

    Mangelnder Lebensraum gefährdet den Bestand der Schlangen

    Deswegen müssen die Reptilien auch geschützt werden, denn die Tiere sind bedroht. Bis in die 1960er-Jahre gab es Prämien für getötete Tiere. Auch wenn die Tiere heutzutage gesetzlich geschützt sind, hilft ihnen das wenig. Ihr Problem sind nicht mehr die "Kopfgeldjäger", sondern die Zerstörung ihres Lebensraums. Sie finden kaum noch Platz zum Leben. Genau hier kann jeder einzelne etwas tun: Wer einen großen Garten hat, sollte wilde Ecken zulassen und einen Teich anlegen, vielleicht lässt sich dann die Ringelnatter blicken, rät Maximiliane Schumm .

    Eine Langzeitstudie an verschiedenen Kreuzotterpopulationen im Fichtelgebirge ergab nach Angaben des bayerischen Landesamts für Umwelt in einem Zeitraum von 25 Jahren einen Rückgang der Tiere um 90 Prozent. Auch in anderen Regionen Deutschlands seien nach Beobachtungen von Schlangen-Fachleuten die Bestände kontinuierlich gesunken, so Reptilienexperte Hubert Laufer vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

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