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Was die Reproduktionszahl R bedeutet | BR24

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Auf einen Wert wird im Zusammenhang mit Corona immer wieder geschaut: die Reproduktionszahl

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Was die Reproduktionszahl R bedeutet

Eine Zahl wird immer wieder genannt, wenn es um die Ausbreitung des Coronavirus geht: die Reproduktionszahl von Covid-19. Was sagt diese Zahl eigentlich aus?

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Zunächst: Es gibt nicht eine Reproduktionszahl sondern mindestens zwei: die Basisreproduktionszahl R0 und die effektive Reproduktionszahl R.

Wie schnell verbreitet sich ein Virus?

Am Anfang einer Epidemie steht R0. Dieser Mittelwert sagt aus, wie viele Menschen eine infizierte Person ansteckt, wenn noch niemand in der Bevölkerung immun ist, es keinen Impfstoff gibt und auch keine Maßnahmen zur Eindämmung des Virus getroffen sind. Für Covid-19 hat das Robert Koch-Institut diese Basisreproduktionszahl R0 nach verschiedenen Studien zwischen 2,4 und 3,3 verortet. Im Durchschnitt steckt also jeder Infizierte ca. drei Personen an.

Anhand der Basisreproduktionszahl lässt sich die Dynamik einer Epidemie abschätzen. Bei der Spanischen Grippe 1918 lag der Wert ähnlich hoch wie bei SARS-CoV-2, bei 2 bis 3. Bei Polio zum Beispiel beträgt die Reproduktionsrate ca. 5 bis 6, bei Masern ungefähr 15.

Die effektive Reproduktionszahl

Mitten im Pandemie-Geschehen ist die effektive Reproduktionszahl R im Fokus: Sie gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter unter den aktuellen Bedingungen im Durchschnitt ansteckt. Deshalb kann sie sich auch ändern, wenn etwa Kontaktbeschränkungen erlassen oder gelockert werden.

Anfang März lag sie laut Robert Koch-Institut bei einem Wert von ungefähr 3, etwa seit dem 22. März stabilisierte sie sich um den Wert 1. Sie bildet ab, dass Maßnahmen zur Eindämmung des Virus getroffen wurden und inzwischen eine wachsende Zahl von Menschen die Corona-Erkrankung durchgemacht hat, wieder genesen und voraussichtlich immun ist. Ein Impfstoff würde ebenfalls dafür sorgen, dass die Reproduktionszahl sinkt.

Exponentielles Wachstum oder Rückgang

Das Ziel ist, R dauerhaft unter 1 zu halten. Denn solange die Zahl über 1 ist, verbreitet sich das Virus exponentiell. Wenn die Zahl bei 1 ist, steckt jeder Infizierte im Schnitt einen an. Somit bleibt die Zahl der Kranken konstant. Bei einem Wert unter 1 wird die Ausbreitung abgebremst.

© BR / Gut zu wissen

R - die Reproduktionszahl gilt als wichtigste Kenngröße dafür, wie gut wir das Coronavirus im Griff haben. Sie gibt an, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt - rein statistisch. Doch die Zahl hat auch ihre Tücken.

Wie wird die Reproduktionszahl berechnet?

Die genaue Berechnung der Reproduktionszahl ist schwierig, da sie stark von den verfügbaren Informationen abhängt. Zum Beispiel gibt es auch Krankheitsverläufe ohne Symptome, die nicht erkannt und gemeldet werden. Eine Rolle spielt auch die Anzahl an Tests, die durchgeführt werden.

Ohne Annahmen und Schätzungen kommt man also nicht aus. Das RKI nimmt für die Berechnung an, dass zwischen der Infektion einer Person bis zur Infektion der von ihr angesteckten Folgefälle eine mittlere Zeitspanne von vier Tagen vergeht. Somit werden, vereinfacht gesagt, die gemeldeten Neuinfektionen eines Tages mit den Neuinfektionen von vor vier Tagen verglichen. Die Reproduktionszahl bildet aktuell jeweils das Infektionsgeschehen vor etwa einer bis zwei Wochen ab.

Die Reproduktionszahl 7-Tage-R

Seit dem 14. Mai gibt das Robert Koch-Institut zusätzlich zu R eine geglättete Reproduktionszahl heraus: 7-Tage-R. Bei einer kleineren Anzahl von Neuerkrankungen, wie wir sie inzwischen erleben, sorgen einzelne Ausbrüche für verhältnismäßig starke Schwankungen der Zahl R. Um Trends zuverlässig abbilden zu können, bezieht sich der Wert 7-Tage-R auf einen längeren Zeitraum und gleicht tagesaktuelle Schwankungen dadurch aus.

Eine Kennziffer unter vielen

Im Pandemie-Geschehen ist die Reproduktionszahl aber nur eine relevante Größe. Die Dunkelziffer, also die nicht erfassten Fälle, spielt eine Rolle, genau wie die Zahl der Neuinfektionen insgesamt und der Anteil der immunen Menschen in der Bevölkerung.