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Masern - eine häufig unterschätze Infektionskrankheit | BR24

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Masern - eine häufig unterschätze Infektionskrankheit

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Masern - eine häufig unterschätze Infektionskrankheit

Ab 1. März gilt eine Impfpflicht gegen Masern. Eltern müssen dann vor dem Eintritt ihrer Kinder in die Kita oder Schule nachweisen, dass ihre Kinder gegen Masern geimpft sind. Die Masern-Impfpflicht ist umstritten, aber aus vielen Gründen sinnvoll.

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Öffentlichkeit und Fachleute haben über die Einführung einer Masern-Impfpflicht lange kontrovers diskutiert. Jetzt kommt sie. Ab 1. März müssen Eltern vor dem Eintritt ihrer Kinder in die Kita oder Schule nachweisen, dass ihre Kinder gegen Masern geimpft sind. Auch Mitarbeiter medizinischer Einrichtungen oder Gemeischaftseinrichtungen sind von der Impfpflicht betroffen. Doch warum sind Masern so gefährlich und inwieweit schützt eine Impfung vor der Erkrankung? Antworten zu den wichtigsten Fragen einer Maserninfektion.

Was sind Masern?

Masern sind eine hochansteckende Infektionskrankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Lange Zeit galten Masern als typische Kinderkrankheit, immer häufiger infizieren sich jedoch auch Jugendliche und Erwachsene mit dem gefährlichen RNA-Virus. Bei ihnen ist der Verlauf der Krankheit meist schwerer als bei Kindern.

Wie werden Masern übertragen?

Das Virus wird über Tröpfchen in der Atemluft übertragen. Sprechen, Husten oder Niesen eines Infizierten kann für eine Übertragung des Virus schon genügen. Denn um sich mit dem Virus anzustecken, reicht es aus, keimhaltiges Sekret einzuatmen. Über die oberen Atemwege oder die Augenbindehaut kann der Erreger in den Blutkreislauf gelangen. Auch der direkte Kontakt mit dem infektiösem Sekret aus Rachen oder Nase ist ansteckend. Das Trinken aus demselben Glas eines mit dem Virus Infizierten oder die Benutzung desselben Bestecks kann daher ebenfalls für eine Ansteckung ausreichen.

Bis zu zwei Stunden kann der Erreger in der Luft überleben. Laut Robert-Koch-Institut und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte führt der Kontakt mit Masernviren bei nahezu 100 Prozent der Fälle zu einer Infektion, bei über 95 Prozent kommt es zu einem Krankheitsausbruch mit Symptomen.

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Warum Masern so gefährlich sind

Was sind die Symptome von Masern?

Zu den typischen anfänglichen Anzeichen einer Infektion gehören grippeähnliche Symptome wie Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen und trockener Husten. Hinzu kommen Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Bauchschmerzen sowie Lichtempfindlichkeit verbunden mit einer Bindehautentzündung, die sich vor allem durch tränende Augen bemerkbar macht.

In einer zweiten Phase der Erkrankung kommt es - etwa drei bis fünf Tage nach Auftreten der ersten Symptome - zu dem für Masern typischen Hautausschlag. Das Gefährliche daran: Schon mehrere Tage bevor der Hautausschlag auftritt, ist der Infizierte für andere Personen hochansteckend - aber weiß bis dahin in der Regel noch gar nichts von seiner Erkrankung.

Was sind die Auswirkungen einer Maserninfektion?

In den meisten Fällen heilen Masern problemlos aus. Bei 10 bis 20 Prozent der Erkrankten kommt es laut Robert-Koch-Institut und dem Bundesverband für Kinder- und Jugendärzte allerdings zu Komplikationen. Gefürchtet ist dabei vor allem die sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), eine Gehirnentzündung. Sie tritt zwar nur sehr selten als Folge einer Maserninfektion auf – etwa in sieben Fällen bei 100.000 Erkrankungen – endet aber immer tödlich. Das Tückische an dieser Folgeerkrankung: Sie tritt erst sechs bis acht Jahre nach der Infektion mit dem Masernvirus auf.

Auch andere Komplikationen sind nach einer Maserninfektion möglich. So kann eine schwere Form einer Lungenentzündung auftreten, die sogenannte Riesenzellpneumonie, oder die sogenannte Masern-Einschlusskörper-Enzephalitis, eine im Vergleich zur SSPE etwas weniger gefährliche Entzündung des Gehirns. Beide Komplikationen führen in etwa 30 Prozent der Fälle zum Tod.

Forscher aus England, Holland und den USA konnten in neueren Studien, die im November 2019 in den Fachblättern Science und Science Immunology veröffentlicht wurden, allerdings auch belegen, dass eine Maserninfektion - selbst wenn sie scheinbar schadlos überstanden wurde - unser Immunsystem über lange Zeit schwächt.

© picture alliance / imageBROKER/ Fotograf: Ulrich Niehoff

Masern sind beileibe keine harmlose Kinderkrankheit. Die Einführung der Impfpflicht insbesondere für Kinder soll die Infektionsgefahr verringern.

Wie werden Masern diagnostiziert?

Wegen der starken Ähnlichkeit der Symptome zu Röteln, Ringelröteln und Scharlach muss zur Absicherung der Diagnose von Masern eine Blutuntersuchung gemacht werden, bei der die entsprechenden Antikörper als Zeichen einer Maserninfektion festgestellt werden können. Die Gefahr: Wegen der grippeähnlichen Symptome im Anfangsstadium der Erkrankung werden Masern oft nicht erkannt und falsch behandelt.

Wie verläuft die Therapie einer Infektion?

Bei einer Maserninfektion vor Ausbruch der Krankheit schützt eine sogenannte postexpositionelle Impfung vor einer Erkrankung. Bei abwehrgeschwächten Personen ist innerhalb von 2–3 Tagen nach Kontakt mit dem Virus die Verabreichung von verschiedenen Eiweißen, sogenanntem humanem Immunglobulin, als Prophylaxe möglich.

Sind die Masern ausgebrochen, helfen Ruhe und absolute Schonung sowie eine immunstärkende Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Bei entsprechenden Symptomen sollte man aber auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Masernimpfung: Was empfiehlt die STIKO?

Die Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt eine erste Masernimpfung zwischen dem vollendeten 11. bis zum 14. Lebensmonat. Eine zweite Masernimpfung, um einen zuverlässigen Schutz zu gewährleisten, sollte nach Empfehlung der STIKO im Alter von 15 bis 23 Monaten erfolgen. Sie kann bereits vier bis sechs Wochen nach der ersten Impfung durchgeführt werden. Meist wird bei beiden Impfungen ein Kombinationsimpfstoff verwendet, der gleichzeitig auch gegen Mumps und Röteln (MMR) wirkt. Wer nach 1970 geboren ist, nur einmal oder gar nicht geimpft ist, sollte nach Empfehlung der STIKO eine Masernimpfung nachholen. Das gilt auch generell für Personen, die nicht wissen, ob sie jemals geimpft wurden.

Wie häufig treten Masern in Deutschland auf?

Seit Einführung der Meldepflicht der Masern im Jahr 2001 wurden in Deutschland acht Todesfälle aufgrund einer Masernerkrankung registriert. Komplikationen der Infektionserkrankung waren häufiger: Ihr Anteil lag in den vergangenen Jahren zwischen 1,1 und 8,4 Prozent aller gemeldeten Masernerkrankungen. Zwischen 2008 bis und 2018 wurden bundesweit 10.508 Masernerkrankungen erfasst, die meisten (2.465) im Jahr 2015.

Was empfiehlt die WHO?

Durch die Masernimpfung konnte die Zahl der Erkrankungen in der Vergangenheit stark reduziert werden - von 1980 bis 2013 um über 95 Prozent. Bedingt durch die Impfmüdigkeit in den Industrieländern und die globale Migrationsbewegung sind die Masernfälle weltweit in den vergangenen Jahren wieder um 30 Prozent angestiegen. Die WHO hat deshalb im Januar 2019 die Masern zur Bedrohung der globalen Gesundheit erklärt. Sie empfiehlt, Erwachsenen zu prüfen, ob sie einen Impfschutz haben.

© Yvonne Maier / Bayerischer Rundfunk

Sollen wir uns gegen Masern impfen?

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