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Kinderlähmung Grausame, unheilbare Krankheit

In Deutschland ist seit fast 20 Jahren keine Polio-Infektion mehr aufgetreten. Um ein erneutes Aufflammen der grausamen Erkrankung zu vermeiden, wird aber weiterhin zu einer Impfung geraten - vor allem, wenn man viel reist.

Stand: 21.10.2015

Impfung | Bild: picture-alliance/dpa

Eigentlich grassiert Polio weltweit nur noch in zwei Ländern, Afghanistan und Pakistan. Doch mindestens sieben weitere Ländern sind weltweit durch Krankheitsausbrüche gefährdet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt deshalb, sich auch weiterhin impfen zu lassen, denn Kinderlähmung kann tödlich verlaufen und grausame Spätfolgen haben. Eine Auffrischung der Impfung ist empfehlenswert, wenn die Immunisierung schon mehr als zehn Jahre zurückliegt und eine Reise nach Afrika, Asien oder in die Ukraine geplant ist.

Übertragung durch Schmierinfektionen

Verbreitungsgebiete der Kinderlähmung, Stand 2015

Polio ist nicht heilbar. Auslöser der Kinderlähmung sind zwei verschiedene Virustypen aus der Gruppe der RNA-Viren. Ein weiterer Stamm wurde inzwischen ausgerottet. Die RNA-Viren werden hauptsächlich durch Schmierinfektionen (Kot) übertragen: Über Mund und Nase gelangen sie in Magen und Darm, wo sie sich vermehren und über den Blutkreislauf bis ins Rückenmark transportiert werden können. Polio kann zu Lähmungserscheinungen an Armen, Beinen und der Atmung führen. Schlechte hygienische Verhältnisse begünstigen die Ausbreitung.

Impfung im ersten Lebensjahr

Kinder sollten im ersten Lebensjahr gegen Kinderlähmung geimpft werden. Statt des früher verwendeten Lebend-Impfstoffes (Schluckimpfung), bei dem das Risiko einer Erkrankung bestand, wird heute ein inaktivierter Impfstoff (IPV) verwendet. Er wird nicht mehr geschluckt, sondern gespritzt. Der neue Impfstoff gilt als relativ gut verträglich.

Impfmüdigkeit kann fatale Folgen haben

Im Gegensatz zu manch anderen Infektionen ist es nicht ratsam, Polio "durchzumachen", um den Körper abzuhärten. Die Folgen einer Poliomyelitis können grausam sein: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation führt 1 von 200 Polio-Infektionen zu lebenslangen Lähmungen. 5 bis 10 Prozent der Gelähmten sterben, wenn die Atemmuskeln von der Krankheit befallen werden.

Weitaus mehr Menschen aber leiden an den Spätfolgen einer Polio-Erkrankung: 40 Prozent der Erkrankten entwickeln 15 bis 40 Jahre nach einer Erkrankung das sogenannte Post-Polio-Syndrom (PPS). Symptome sind zum Beispiel Muskelschwäche, -schwund, -schmerzen, Nervenschmerzen, Müdigkeit und vermehrtes Frieren.

Poliomyelitis - Kinderlähmung

Verbreitung

Wie häufig ist Kinderlähmung?

Seit 1992 ist in Deutschland keine Polio-Infektion mehr aufgetreten. 1988 hat sich die WHO die weltweite Elimination der Kinderlähmung zum Ziel gesetzt. Heute ist Polio nur noch in Afghanistan, Nigeria und Pakistan weit verbreitet. Die Krankheit bricht allerdings in mindestens sieben anderen Ländern immer wieder aus. Eine Impfung ist daher immer noch wichtig, um eingeschleppte Fälle zu verhindern.

Verlauf

Wie verläuft Kinderlähmung?

In den allermeisten Fällen verläuft die Krankheit ohne Symptome. Vier bis acht Prozent haben leichte Beschwerden wie Fieber, Schnupfen, Darmentzündung und Abgeschlagenheit. Dazu können Nackensteife, Rückenschmerzen und Muskelkrämpfe kommen. Ist auch das Zentralnervensystem von der Infektion betroffen, entwickeln sich die gefürchteten Lähmungen. Dies ist bei einem Prozent der Infizierten der Fall.

Postpolio

Spätfolge Post-Polio-Syndrom

Eine tückische Spätfolge der Krankheit ist das sogenannte Post-Polio-Syndrom. Diese trifft Jahre bis Jahrzehnte nach der ersten Erkrankung 25 Prozent der Patienten. Sie ist gekennzeichnet durch Muskelschwäche und Muskelschwund. Die Betroffenen leiden oft unter Schmerzen in Muskeln und Gelenken, Müdigkeit, vermehrtem Frieren und Nervenschmerzen.

Impfung

Keine Schluckimpfung mehr

Polio ist noch nicht endgültig verschwunden, deshalb wird die Impfung weiterhin empfohlen. Statt einem Lebend-Impfstoff, wird heute ein inaktivierter Impfstoff (IPV[vLS1] ) verwendet. Er wird gespritzt oder bei weltweiten Impfkampagnen als Schluckimpfung verabreicht und gilt als relativ gut verträglich. Für die Impfung stehen verschiedene Kombinationspräparate und ein Einzelimpfstoff zur Verfügung.

Auffrischung

Wann sollte man die Impfung auffrischen?

Nach der Grundimmunisierung im Kindesalter sind im Normalfall keine weiteren Polio-Impfungen nötig. Bestimmten Risikogruppen, bei denen der Kontakt zu Infizierten möglich ist, wird eine Auffrischung empfohlen, wenn die Impfung mehr als zehn Jahre zurückliegt. Das gilt zum Beispiel für Reisende in bestimmte Länder Westafrikas und Asiens.

Verträglichkeit

Wie verträglich ist die Polio-Impfung?

Der Impfstoff alleine ist meist recht gut verträglich. Allgemeinreaktionen wie Rötung, Schmerzen und Schwellungen, grippeähnliche Symptome sowie Magen-Darm-Beschwerden sind selten. Komplikationen wie Fieberkrämpfe sind laut Ständiger Impfkommission (STIKO) Einzelfälle. Grundsätzlich sind Nebenwirkungen abhängig davon, mit welchen anderen Komponenten der Impfstoff kombiniert ist.

Beratung

Lassen Sie sich beraten

Sie sollten immer mit Ihrem Arzt über mögliche Nebenwirkungen sprechen und zusammen mit ihm individuell entscheiden, ob eine Impfung sinnvoll ist und welcher Impfstoff verwendet wird.

Weitere Infos:

Impfempfehlungen und Informationen zu Ihrem Reiseland finden Sie auf folgenden Seiten:


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