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Unbesiegbar: Kakerlaken gegen fast alle Insektizide resistent | BR24

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Unbesiegbare Kakerlaken: resistent gegen fast alle Insektizide

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Unbesiegbar: Kakerlaken gegen fast alle Insektizide resistent

Wo es warm, feucht und dunkel ist, fühlen sich Kakerlaken wohl. Die Küchenschaben transportieren Krankheitskeime und sind damit potentiell gesundheitsgefährdend. Das Problem: Sie sind bald unbesiegbar, weil sie gegen viele Insektizide resistent sind.

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Als blinde Passagiere sitzen Kakerlaken gerne auf weit gereisten Lebensmitteln und Kartons, aber auch auf dem Biertragerl vom Getränkemarkt nebenan können sie sich breit machen. Sieht man erst einmal eine über den Küchenboden krabbeln, verstecken sich meist schon hunderte Artgenossen im Raum. Ein Weibchen kann Hunderttausende Nachkommen pro Jahr produzieren. Das Problem: Sie drohen unbesiegbar zu werden, weil kein Insektizid mehr gegen sie wirkt. Das Szenario legt zumindest eine Studie von US-Forschern nahe, die im Scientific Reports Volume 9, Article number: 8292 (2019) veröffentlicht wurde.

Schaben sind extrem anpassungsfähig

Schaben sind Rekordhalter in Sachen Anpassung. Ursprünglich aus Afrika oder Asien stammend, traten sie an Bord der Sklavenschiffe ihren Siegeszug um die Welt an. Seither sind sie überall zu Hause. Sie leben in Haushaltsgeräten, unter dem Parkett, in Fernsehern, in Klimaanlagen und in der Kanalisation. Kakerlaken fühlen sich in Abfällen genauso wohl wie in Lebensmitteln. Deshalb können sie auch dem Menschen gefährlich werden.

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Seit Jahrmillionen leben sie schon auf der Erde, aber irgendwie will sich der Mensch nicht an sie gewöhnen: Kakerlaken gelten vielen als ekelig, gruselig - als Ungeziefer pur. Autorin: Susi Weichselbaumer

Kakerlaken können Krankheitserreger übertragen

An ihren Körpern haften Krankheitserreger wie Pilze, Bakterien, Viren oder parasitische Würmer. Auch Coli-, Typhus- und Milzbrandbakterien wurden in ihrem Kot schon nachgewiesen. So können sie Salmonellen oder Durchfallerreger auf Nahrungsmittel übertragen und dadurch Menschen krank machen.

Krisensicherer Job: Kammerjäger

Von der Schabenplage lebt ein ganzer Berufsstand: der Schädlingsbekämpfer. Immerhin finden sich Schaben in fast 80 Prozent aller deutschen Gaststätten oder Lebensmittelbetriebe und verstecken sich in unzähligen Privatküchen. Verringern kann man das Risiko eines Schabenbefalls vor allem, indem man mögliche Nahrungsquellen entfernt. Essensreste und tierische wie pflanzliche Lebensmittel sollten in verschlossenen Behältern oder im Kühlschrank aufbewahrt werden. Aber auch von Krümeln oder verschütteter Limonade können sich die kleinen Allesfresser ernähren. Alle Räume sollten deshalb regelmäßig gesaugt und nach Möglichkeit feucht gewischt werden.

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Kakerlake - auch Küchenschabe genannt

Kakerlaken entwickeln Resistenzen gegen verschiedene Insektizide

Dass Kakerlaken ausgesprochen widerstandsfähig sind, ist nicht neu. Schon seit den 1950-Jahren gibt es immer wieder Berichte, dass handelsübliche Insektizide ihnen nichts mehr anhaben können. Das Problem dürfte sich zukünftig wohl noch weiter verschärfen. Forscher befürchten, dass die "Deutsche Kakerlake" (Blattella germanica) gegen jede Art von Insektiziden immun wird.

Verschiedener Einsatz von Insektiziden gegen die Schaben

In der Studie behandelten die Wissenschaftler drei verschiedene Schabenkolonien in einem Zeitraum von sechs Monaten. Dabei wurden verschiedene Strategien unter Verwendung von drei verschiedenen Insektiziden gefahren: Die Kakerlaken wurden entweder mit einem einzigen Insektizid, mit einem Mix von Wirkstoffen oder abwechselnd mit drei Insektiziden behandelt.

Das Ergebnis der Studie: Die Gabe aus einem Mix aus zwei insektiziden bringt überhaupt nichts, die Schaben haben sich sogar vermehrt. Wurden verschiedene Insektizide abwechselnd gegeben, hat sich die Schabenpopulation zumindest nicht vermehrt. Wurde nur ein Wirkstoff verwendet, überlebten bis zu zehn Prozent der Kakerlaken.

Resistent gegen mehrere Insektizide innerhalb einer Generation

Das Beunruhigende: Innerhalb einer Generation können Kakerlaken, die nur gegen einen Wirkstoff resistent sind, auch gegen andere Wirkstoffe immun werden. Die überlebenden Tiere können innerhalb weniger Monate erneut große Populationen aufbauen. Kakerlaken leben im Schnitt circa 100 Tage, sodass sich eine Resistenz schnell entwickeln kann. Und die Gene der widerstandsfähigsten Kakerlaken werden an die nächste Generation weitergegeben. Die Tiere allein mit Chemie zu behandeln dürfte daher bald aussichtslos sein.

Glukose gegen Schaben funktioniert auch nicht mehr

Aber auch andere Mittel versagen: Seit Mitte der 1980er versucht man, Schaben mithilfe von Fressfallen Herr zu werden. Diese Fallen enthalten Zucker als Lockstoff, meist Glukose. Wissenschaftler der North Carolina State University fanden 2013 in einer Untersuchung mit den Deutschen Schaben heraus, dass diese Fallen immer ineffektiver werden. Der Grund: Bei einem Teil der Schaben wird durch die Glukose inzwischen der Bitter-Rezeptor aktiviert, ähnlich wie bei Koffein und anderen Bitterstoffen. Die Glukose ist für diese Schaben nicht mehr attraktiv: Der Geruch wird nicht mehr mit Nahrung assoziiert, sondern mit einer Gefahr.

Fakten zu Kakerlaken: klein, fies und unkaputtbar

  • Das Erfolgsrezept der Kakerlake ist ihr fester, einteiliger Chitinpanzer: Der schützt sie perfekt gegen Zerstörung, Schmutz, Krankheitserreger und Verdunstung.
  • Kakerlaken sind blitzschnell. Sie entfliehen allem, was sie bedroht in einem atemberaubenden Tempo. In einer halben Sekunde erreicht sie ihre Maximalgeschwindigkeit von rund sechs Kilometer pro Stunde. Umgerechnet auf die Größe einer Kakerlake - bei der "Deutschen Kakerlake" nur anderthalb Zentimeter - ist es enorm: Pro Sekunde läuft sie das Hundertfache ihrer Körperlänge!
  • Kakerlaken sind wendig: Selbst bei Vollgas könnten sie auf einer Ein-Euro-Münze wenden. Bis zu 25-mal wechselt eine flüchtende Schabe pro Sekunde die Richtung.
  • Kakerlaken wollen vor allem eines: fressen. Sie werden von einem sehr feinen Geruchssinn geleitet. Die Antennen sind bei den meisten Schabenarten das wichtigste Sinnesorgan. Manche haben dazu noch in den Beinen Sensoren für Erschütterung - sehr hilfreich für ein ungestörtes Mahl!
  • Manche Schaben haben eine Vorliebe für Zucker, etwa in Obst. Andere Kakerlakenarten haben sich eher auf Fleisch spezialisiert. Doch eigentlich frisst eine Schabe so gut wie alles!
  • Obwohl eigentlich Einzelgänger, haben Kakerlaken gerne und oft Sex. Alle vier Wochen legt eine Schabe hierzulande fünfzig Eier.
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Schleckermaul Kakerlake