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Einer Studie zufolge hätten bis Weihnachten 16.000 bis 21.000 Corona-Infektionen vermieden werden können, wenn die Demos abgesagt worden wären.

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    Studie: Querdenken-Demos haben zu mehr Infektionen geführt

    Hätte der Anstieg der Coronavirus-Infektionen im Herbst verhindert werden können? Zumindest teilweise, wie eine Studie nahelegt. Denn Anti-Corona-Demos haben dazu beigetragen, dass sich das Virus in Deutschland stark ausbreiten konnte.

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    • BR Wissen

    Waren die Demonstrationen von Gegnern der Corona-Maßnahmen Superspreader-Events? Sind sie schuld am Anstieg des Infektionsgeschehens im November und Dezember? Das haben Forscher des ZEW Mannheim und der Humboldt-Universität zu Berlin in einer Studie untersucht. Ihre Schätzung: Bis Weihnachten hätten 16.000 bis 21.000 Covid-19-Infektionen verhindert werden können, hätten diese Demos nicht stattgefunden.

    Was sind Superspreading-Events?

    Bei Superspreading-Events, also "Superverteilungsereignissen", steckt ein Infizierter mehrere andere Menschen an, indem er in einer sozialen Situation besonders viele infektiöse Tröpfchen verteilt. Gerade bei Sars-CoV-2 ist das gut möglich, da Infizierte schon vor dem ersten Auftreten von Symptomen andere anstecken und die Viren verteilen können. Zu den Superspreading-Events gehörten die Après-Ski-Partys in Ischgl und Karneval in Heinsberg, aber im Laufe des Jahres auch Hochzeiten oder Gottesdienste.

    Missbilligung der Hygieneregeln

    Gerade auf den Demonstrationen und Kundgebungen der Gegner von Corona-Maßnahmen halten sich nicht unbedingt alle an die Masken-, Abstands- und Hygienemaßnahmen.

    "Eine mobile Minderheit, die sich nicht an geltende Hygieneregeln hält, kann so ein erhebliches Risiko für andere Personen darstellen." Co-Autor und Wissenschaftler Dr. Martin Lange, ZEW

    Demos in Leipzig und Berlin untersucht

    Im Fokus der Studie standen die beiden Großdemonstrationen der Querdenken-Bewegung am 07. November 2020 in Leipzig und am 18. November 2020 in Berlin. Zehntausende Demonstrierende waren aus ganz Deutschland angereist. Da man schwer überprüfen kann, welche Einzelpersonen daran teilgenommen haben, analysierten die Autoren der Studie das Infektionsgeschehen in den Regionen, aus denen die Demonstrierenden kamen und wie die Infektionen dort nach den Kundgebungen anstiegen. Denn es gibt Busunternehmen, die sich seit Sommer 2020 darauf spezialisiert haben, die Maßnahmen-Gegner zu den Demonstrationen und wieder zurück zu fahren. Anders als herkömmliche Busunternehmen fahren sie auch kleinere Städte an. Ein Schwerpunkt liegt im Süden Sachsens, im Norden Bayerns und im Osten Thüringens.

    Busse, AfD-Wähler & Masern

    Zusätzlich zu Bus-Startpunkten verglichen die Wissenschaftler den Anteil an AfD-Wählern in den jeweiligen Gebieten. Viele derer, die sich der Partei nahe fühlen, sehen die Corona-Maßnahmen kritisch, verharmlosen oder leugnen die Corona-Pandemie. Als dritter Punkt floss die Masern-Impfquote in den Landkreisen in die Analyse ein. Denn unter Impfverweigerern befinden sich häufig solche, die auch an diesen Kundgebungen teilnehmen.

    Sieben-Tage-Inzidenz stieg stark an

    Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in solchen Landkreisen, in denen es Städte mit Busverbindungen zu den Demonstrationen gibt, deutlich stärker anstieg als in anderen ohne diese Verbindungen. Bis Weihnachten konnte so ein Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz um 40 in den betroffenen Landkreisen nachgewiesen werden. Das entspricht laut Studie 35,9 Prozent.

    Minderheit für viele Infektionen verantwortlich

    Umgerechnet hätten so schätzungsweise 16.000 bis 21.000 Neuinfektionen bis Weihnachten vermieden werden können, wären die Demonstrationen abgesagt worden. Damit zeigt die Studie einen Zusammenhang zwischen dem Nicht-Einhalten von Hygieneregeln und der Verbreitung des Coronavirus in Deutschland. Nur ein Superspreader auf so einer großen Kundgebung kann dazu führen, dass ganz viele Menschen das Virus in ihre Regionen und Landkreise tragen und viele weitere infizieren.

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