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Die Auswirkungen von Totholz auf das Klima

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Neue Studie: Diese Rolle spielt Totholz im Kohlenstoff-Kreislauf

Totholz setzt mehr Kohlenstoff frei als fossile Brennstoffe. Das hat ein Forscherteam der Universität Würzburg und der TU München herausgefunden. Mit den neuen Erkenntnissen können globale Klimamodelle jetzt noch besser berechnet werden.

Von
Julia KuhlesJulia Kuhles
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Verrottende Bäume weltweit setzten jedes Jahr fast 11 Milliarden Tonnen Kohlenstoff frei. Ein Teil davon geht in den Boden, ein großer Teil wird in klimaschädliches CO2 umgewandelt und gelangt so in die Atmosphäre. Insgesamt entspricht die aus Totholz freigesetzte Menge Kohlenstoff rund 115 Prozent dessen, was der Mensch durch die Emission fossiler Brennstoffe freisetzt. Das sind einige der Ergebnisse eines globalen Forschungsprojekts, etabliert vom Nationalpark Bayersicher Wald und koordiniert von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg und der Technischen Universität München (TUM).

Weltweite Studie von Alaska bis Madagaskar

Für die Studie haben 50 Forschungsgruppen weltweit über drei Jahre hinweg ein Experiment durchgeführt – von Alaska über die Mongolei bis nach Madagaskar. Der Versuchsaufbau an den 55 Wald-Standorten war immer der Gleiche: Hölzer von mehr als 140 verschiedenen Baumarten wurden ausgelegt, die Hälfte davon durch engmaschige Käfige vor Insekten geschützt. So konnte deren Einfluss bei der Zersetzung ermittelt werden. Regelmäßig wurden Hölzer entnommen und in die Ökologische Station Fabrikschleichach der JMU in den Steigerwald geschickt. Dort wurden sie getrocknet und gewogen, um so den Kohlenstoffgehalt zu messen.

Tropen dominieren den globalen Kohlenstoff-Kreislauf

93 Prozent des durch Totholz freigesetzten Kohlenstoffs stammt demnach aus den Tropen. Ein Ergebnis, das Professor Jörg Müller, Leiter der Forschung im Nationalpark Bayerischer Wald und der Ökologischen Station der JMU Würzburg durchaus überrascht hat. Schließlich gebe es auch im Borealen, also zum Beispiel in Sibiren, riesige Waldflächen. Diese spielen im globalen Kohlenstoff-Kreislauf aber kaum eine Rolle. Denn dort laufen die Abbauprozesse extrem langsam ab im Gegensatz zu den Tropen.

Rolle der Insekten beim Holzabbau

Für die schnelle Zersetzung in den tropischen Regenwäldern sind vor allem Insekten verantwortlich. In kälteren Regionen hingegen können manche Käfer den Abbauprozess auch verlangsamen, weil sie spezielle Pilze mitbringen, die schlechte Holzabbauer sind, erklärt Professor Müller. Die aktuelle Studie zeige damit auch, dass der Verlust von Insekten den Holzabbau und damit die Kohlenstoff- und Nährstoffkreisläufe weltweit verändern könnte.

Ist Totholz klimaschädlich?

Die Idee, Totholz aus dem Wald zu nutzen, um auf diese Weise CO2 einzusparen, mache keinen Sinn, erklärt Biologe Simon Thorn, Mitautor der Studie. Denn Totholz sei keineswegs klimaschädlich, sondern wichtig für den Nährstoffkreislauf: "Durch die ganzen Zersetzungsprozesse werden die Nährstoffe in dem System auch wieder zur Verfügung gestellt. Ich kann die Nährstoffe für zukünftige Baumgenerationen nur dann haben, wenn das Totholz auch dort zersetzt wird." Sprich: Nur dann können auch wieder Bäume wachsen, die wieder CO2 aufnehmen können.

Erhalt der Regenwälder

Besonders schnell passiert das eben in den Tropen. Für Prof. Jörg Müller ist die aktuelle Studie damit ein weiterer Beleg für den notwendigen Erhalt der Regenwälder: "Die Waldfläche an sich ist entscheidend. Es darf nicht noch mehr Wald in Ackerflächen verwandelt oder für sonstige Nutzungen gerodet werden. Das ist für die Kohlenstoffspeicherung am schädlichsten."

Totholz im Wald belassen oder Holz langlebig verbauen?

Die hierzulande oft diskutierte Frage, ob man Totholz im Wald belassen oder Holz besser langlebig verbauen sollte, kann man sich aus Sicht von Prof. Müller in unseren Breiten sparen. Zumindest im Hinblick auf den Kohlenstoffkreislauf und damit auf das Klima mache es kaum einen Unterschied: "Letztendlich ist beides wichtig: Holz ist ein total toller Werkstoff, der nachwächst und wir sollten mehr langlebiges Holz verbauen – das steht außer Frage. Gleichzeitig ist es ein wichtiger Lebensraum und für unsere natürliche Vielfalt wichtig. Deshalb sollten wir immer auch genügend Totholz im Wald belassen. Nicht nur als Kohlenstoffspeicher, sondern auch für die Biodiversität."

Bessere Vorhersagen von globalen Klimamodellen

Durch die aktuellen Forschungsergebnisse zur Rolle von Totholz im Kohlenstoffkreislauf können Vorhersagen von globalen Klimamodellen jetzt noch besser berechnet werden. "Wir schließen damit eine weitere Lücke", freut sich Prof. Müller.

Aktuelle Studie: Totholz setzt mehr Kohlenstoff frei als fossile Brennstoffe

Bildrechte: BR/Julia Kuhles

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