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Tag der Feuchtgebiete Moore als Klimaschützer

Bayern zählt zu den moorreichsten Bundesländern Deutschlands. Moore bieten nicht nur seltenen Pflanzen und Tieren einen geschützten Lebensraum. Die Feuchtgebiete sind auch wichtige CO2-Speicher.

Stand: 01.02.2021

Moore gehören zu den am stärksten zerstörten Ökosystemen in Deutschland. 1,5 Millionen Hektar oder 4,2 Prozent der Landfläche bedeckten sie laut NABU einst. Heute sind rund 95 Prozent davon entwässert, abgetorft, bebaut oder werden landwirtschaftlich genutzt. Moore sind jedoch Kohlenstoffspeicher: In ihnen lagert sich doppelt so viel Kohlendioxid ab wie in allen Wäldern der Welt. Werden sie zerstört, setzen sie in kurzer Zeit große Mengen CO2 und andere Treibhausgase frei. Experten schätzen, dass sie rund drei bis fünf Prozent der deutschen Gesamtemissionen ausmachen.

Moore - Klimaschützer und Klimakiller

Moorlandschaft in Niedersachsen. Moore sind nicht nur Wasserspeicher und Lebensraum für seltene Arten. Sie können auch das Klima retten.  | Bild: BR/Gut zu wissen zum Video Kohlenstoff-Speicher Moore als Klimaretter

Moore können Unmengen an Kohlenstoff binden und im Boden speichern. Sie könnten einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Allerdings sind die allermeisten Moore in Deutschland trockengelegt, vor allem für die Landwirtschaft. Wie werden Moore wieder nass? [mehr]

Als natürliche Kohlenstoffsenken speichern Moore Kohlenstoff. Im sauren Moorwasser werden Pflanzenreste unter Ausschluss von Sauerstoff konserviert. Torf entsteht. Sinkt jedoch der Wasserspiegel und Torf kommt an die Luft, beginnt er zu oxidieren. Das sei ähnlich wie bei Spreewaldgurken oder sauren Heringen, die man in saurem Wasser aufbewahre, sagt der Paläoökologe Hans Joosten. "Wenn man einen sauren Hering aus einem Topf holt und ihn einige Wochen an der Luft liegen lässt, dann gibt es keinen sauren Hering mehr. Der ist einfach weggerottet", erklärt der Professor der Universität Greifswald. "Genau das tun Moore auch, wenn man sie entwässert. Und all das organische Material wird dann umgesetzt in CO2." Jedes entwässerte Moor trägt so zur globalen Erwärmung bei.

Ausgetrocknete Moore treiben Klimawandel voran

Claus Kumutat, der Präsident des Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU), betont, wie wichtig es sei, die Moore nicht austrocknen zu lassen. Denn dann setzen sie eine große Menge an CO2 und Lachgas frei, das noch klimaschädlicher als das Kohlendioxid sei.

"Jeder Hektar entwässertes Hochmoor setzt die gleiche Menge an Kohlendioxid frei wie ein Mittelklassewagen, der 20.000 Kilometer im Jahr fährt. Moorrenaturierung ist daher hocheffektiver Klimaschutz."

LfU-Präsident Claus Kumutat

UNESCO-Gedenktag: Welttag der Feuchtgebiete

Der Welttag der Feuchtgebiete wird seit 1997 alljährlich am 2. Februar begangen. Er beruht auf der Ramsar-Vereinbarung der UNESCO, dem "Übereinkommen über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Wattvögel, von internationaler Bedeutung". Die Vereinbarung wurde am 2. Februar 1971 im iranischen Ramsar unterzeichnet und bisher zweimal modifiziert. Derzeit haben 171 Länder die Konvention unterzeichnet.

Deutschland unterzeichnete das Abkommen 1976 und hat sich damit verpflichtet, die nach der "Ramsar-Konvention" geschützten 35 Gebiete in Deutschland vor allem als Lebensraum für die Vogelwelt zu erhalten. (Stand: Februar 2021)

Moore in Bayern

Laut der Moorbodenkarte, die das LfU veröffentlicht, sind für Bayern rund 221.000 Hektar klimaschutzrelevante Moorflächen erfasst (Stand Februar 2021). Durch gezielte Renaturierungen könnten Bayerns Moorflächen jährlich bis zu fünf Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid speichern.

"Pro Hektar binden Moore im Mittel 700 Tonnen Kohlenstoff. Moore sind damit die größten terrestrischen Kohlenstoffspeicher."

LfU-Präsident Claus Kumutat

Moore in Bayern

Entstehung von Mooren

Moore entstanden aus Seen und Sümpfen, die sich nach dem Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren gebildet hatten. Im flachen Uferwasser wuchsen feuchtigkeitsliebende Pflanzen wie Erlen, Schilf oder Moose. Die abgestorbenen Pflanzen wurden in dem nassen und sauren Bodenmilieu nicht vollständig von Mikroorganismen abgebaut. So wurde aus den Pflanzenresten Torf: Moorboden. Moore wachsen seit dem Ende der Eiszeit, der Torfboden wird Schicht für Schicht dicker - im Durchschnitt einen Millimeter pro Jahr. Im Laufe der Jahrtausende wuchsen mächtige Moorkörper, in Bayern haben sie teilweise eine Dicke von bis zu zehn Metern. Größtenteils bestehen Moore jedoch aus Wasser: Ein lebendes Moor hat einen Wasseranteil von rund 95 Prozent.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) koordiniert das bayerische Moorschutzprogramm und hat dazu den gesamten Moorbestand Bayerns inventarisiert und in Karten dargestellt.

Hochmoor

Moore können ganz unterschiedlich aussehen. Die Hochmoore haben sich, daher der Name, im Laufe der Zeit hochgewölbt und sich vom Grundwasser gelöst. Sie werden nur von Regenwasser gespeist - und sind deshalb nährstoffarm. Ihre Bewohner sind oft seltene, hochspezialisierte Überlebenskünstler, die mit den kargen und sauren Extrembedingungen im Hochmoor zurechtkommen: Die vom Aussterben bedrohte Hochmoor-Mosaikjungfrau, eine Libelle, kann zum Beispiel nur auf den Pflanzen der Hochmoore leben. Der Sonnentau nimmt Nährstoffe über seine Blätter auf und besorgt sich seine Nahrung - Fliegen und Mücken - mithilfe seiner klebrigen Fangblätter selbst. Typisch ist auch das Torfmoos, das dicke Polster bildet und große Wassermengen speichern kann. In Bayern gibt es laut Bayerischem Landesamt für Umwelt rund 23.500 Hektar Hochmoore. Hochmoore findet man vor allem im Voralpengebiet - hier gibt es ausreichend Niederschläge.

Niedermoor

Die größten Moorflächen in Süddeutschland sind Niedermoore. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt gibt es davon rund 92.700 Hektar in Bayern. Niedermoore haben sich an Flüssen und in Auenlandschaften entwickelt. Sie werden vom Grundwasser und Oberflächenwasser versorgt. Sie können einer großen Vielfalt von Arten ein Zuhause bieten, dem Blutweiderich, der Sumpfdotterblume und seltenen Orchideen zum Beispiel. Die wasserliebenden Pflanzen der Niedermoore sind wichtig für Wiesenbrüter wie den Großen Brachvogel. Die nährstoffreichen Böden der Niedermoore sind für die Landwirtschaft besonders geeignet. Dazu müssen Niedermoore allerdings stark entwässert werden. Viele Niedermoore gibt es an der Donau.

Anmoor

Ausgewiesen werden in der LfU-Statistik auch Anmoore oder anmoorige Böden. So werden Mineralböden bezeichnet, die aufgrund von zu viel Wasser und zu wenig Sauerstoff einen hohen Anteil an organischer Masse beinhalten. Anmoore sind Böden mit einem Anteil an organischen Kohlenstoff ab neun Prozent aufwärts bis zur Niedermoorebene. Anmoorige Böden entstehen beispielsweise durch das Tiefpflügen von Moorflächen. Auch Waldböden, die einen hohen Anteil unzersetzter Laub- und Nadelstreu aufweisen, wie zum Beispiel Eichen- oder Nadelwälder, zählen dazu. In Bayern gibt es knapp 105.000 Hektar davon. (Alle Zahlen aus der Moorbodenkarte vom LfU, abgerufen im Februar 2021)

Moor-Renaturierung in Bayern

Das LfU hat schon vor Jahren dazu aufgerufen, die Moore im Freistaat als wichtige CO2-Speicher zu erhalten. Im Rahmen des bayerischen Moorschutzprogramms werden Moorflächen gesichert und trockengelegte Moorflächen wieder vernässt. Beispiele für die Moorrenaturierung in Bayern gibt es im Breitfilz bei Tradlenz und im Kläperfilz im Landkreis Weilheim-Schongau, im Felmer Moos im Landkreis Oberallgäu oder im Fichtelseemoor im Landkreis Wunsiedel.

Feuchtgebiete von der Wiese bis zum Meer

Nach Artikel 1 der sogenannten Ramsar-Vereinbarung von 1971 sind Feuchtgebiete Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natürlich, künstlich, dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß-, Brack- oder Salzwasser sind. Auch Meeresgebiete gehören dazu, wenn sie eine Tiefe von sechs Metern bei Niedrigwasser nicht übersteigen. So zählen Auwälder genauso dazu wie Korallenriffe, Moorgebiete und das Wattenmeer.

Moore als Lebensraum seltener Arten

Hochmoorgelbling auf Kuckuckslichtnelke

Hochmoore zeichnen sich durch eine extreme Nährstoffarmut aus. Der niedrige pH-Wert und die permanente Wassersättigung bedingen hochspezialisierte Pflanzen und Tiere. Viele der moortypischen Bewohner sind aber mittlerweile vom Aussterben bedroht. So zum Beispiel der Lungen-Enzian oder der Hochmoorgelbling. Der Bestand dieses Schmetterlings, der in Bayern im voralpinen Hügel- und Moorland und im Bayerischen Wald anzutreffen ist, ist stark rückläufig.

"Moore sind für mich die faszinierendsten Lebensräume, weil sie ihre Geschichte mit festhalten: Es sind akkumulierende Ökosysteme, die selbstwachsend sind, und damit Informationen speichern. Moore sind Extremstandorte mit Extremlebensbedingungen."

Michael Succow, Moorökologe und Agrarwissenschaftler


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